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Deutschland / Welt Neue Eigentümer für Hachez-Gruppe
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22:02 01.05.2012
Foto: Von der Kakaobohne bis zur Verpackung: In Bremen wird der Anspruch der Edelmarke gepflegt.
Von der Kakaobohne bis zur Verpackung: In Bremen wird der Anspruch der Edelmarke gepflegt. Quelle: dpa
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Bremen

„Wir sind vergänglich. Und irgendwann stellt sich die Frage: Was passiert nach uns?“ Vor vier Jahren machte sich Hasso Nauck diese Gedanken in einem Interview. Jetzt haben er und sein Geschäftspartner Wolf Kropp-Büttner die Frage beantwortet: Die beiden Inhaber und Geschäftsführer der Bremer Schokoladenfabrik Hachez haben den traditionsreichen Familienbetrieb samt Schwesterfirma Feodora rückwirkend zum 1. Januar an den größten dänischen Süßwarenhersteller, die Toms-Gruppe, verkauft. Für Belegschaft und Kunden soll sich dennoch nichts ändern: Auf den Packungen wird weiter „Made in Germany“ stehen.

Die Bremer gehören nicht zu den Größten, aber zu den Feinsten im Lande. Unter den Edelmarken sehen sie sich auf Platz zwei hinter Lindt. Nach eigener Darstellung ist Hachez der einzige Premiumhersteller, der vom Öffnen der Edelkakaobohnen-Säcke bis zum Verpacken der fertigen Produkte die gesamte Fabrikation selbst abwickelt. So nennt sich Hachez stolz „Chocolatier“. Das war einst die Berufsbezeichnung des aus Belgien stammenden Joseph Emile Hachez, der die Manufaktur 1890 in Bremen gründete. Otto Hasse, sein Nachfolger an der Firmenspitze, erfand 1923 die „Braunen Blätter“, die noch heute zum Sortiment gehören – einschließlich moderner Variationen wie „Cocoa d’Arriba“.

1953 stieg die Zuckerfabrik Tangemünde ein, die später Alleininhaberin wurde. Und dann kam Hasso Nauck, einer von neun Enkeln des früheren Firmenchefs Hasse. Er wechselte 1990 von der Bremer Milka-Zentrale zu dem damals etwas verschlafenen Mittelständler und brachte als neuer angestellter Geschäftsführer frischen Wind in den Laden. Zehn Jahre später kaufte er gemeinsam mit Jugendfreund Kropp-Büttner Hachez und die Schwesterfirma Feodora.

Dass nun die dänische Toms-Gruppe den Betrieb übernimmt, schlug an der Weser und in der Branche wie ein Blitz aus heiterem Aprilhimmel ein. Niemand hatte etwas davon geahnt, erst nach dem Termin beim Notar wurden zunächst Journalisten und dann auch die rund 450 Beschäftigten informiert. Auf der Betriebsversammlung herrschte anfangs eisige Stille, doch dann machte sich schnell Erleichterung breit – immerhin hatte kein Finanzinvestor auf der Suche nach schnellem Profit den Zuschlag bekommen. Toms gehört einer Stiftung, die auf Langfristigkeit achtet. Nauck, Kropp-Büttner und Toms-Chef Jesper Möller versicherten, dass der Betrieb uneingeschränkt erhalten bleibe.

Aber warum überhaupt der Verkauf? Haben steigende Kakaopreise und harter Konkurrenzkampf die Bremer in die Knie gezwungen? Nein, betonten Nauck und Kropp-Büttner, die als angestellte Geschäftsführer weiterarbeiten. Hachez und Feodora hätten sich „auf dem sonst eher stagnierenden Schokoladenmarkt mit feinsten Schokoladen und Pralinen im Premiumbereich erfolgreich behaupten können“. In den vergangenen zehn Jahren sei der Umsatz gestiegen. „Alleiniger Grund“ für den Verkauf sei die Zukunftssicherung des Unternehmens. Denn Nauck (61) und Kropp-Büttner (57) wollten die Firma nicht mehr ewig leiten, und niemand aus ihren Familien habe die Nachfolge antreten wollen.

Eine Rolle dürfte aber auch gespielt haben, dass die Verhandlungen mit Handelsketten für kleine Anbieter immer schwieriger werden. Das Geschäft könnte sowohl den Dänen als auch den Bremern nützen: Toms will sich auch in Deutschland stärker etablieren, hier ist die Gruppe bisher vor allem mit der Marke „Anthon Berg“ vertreten. Umgekehrt wollen die Dänen in ihrer Heimat das Sortiment von der Weser vermarkten.

Eckhard Stengel