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Deutschland / Welt Neue Erkenntnis: Zinsen können auch klettern
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt Neue Erkenntnis: Zinsen können auch klettern
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08:49 09.05.2015
Von Albrecht Scheuermann
Tiefststände sind wohl vorbei: Bessere Wirtschaftsdaten lassen die Zinsen, zum Beispiel für das Baugeld, sachte steigen. Quelle: dpa
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Hannover

So verlangt die Deutsche Bank für ein Standarddarlehen mit zehnjähriger Bindung jetzt 1,55 statt bislang 1,39 Prozent, bei 15 Jahren sind es 2,15 statt bisher 1,95 Prozent. Die Hypovereinsbank hat ebenfalls etwas an der Zinsschraube gedreht. Das kleine hannoversche Geldhaus Calenberger Kreditverein berechnet bei zehn Jahren jetzt 2,1 Prozent, bisher waren es 1,75 Prozent.

Die großen hannoverschen Institute halten sich bisher zwar noch zurück, können aber eine Erhöhung nicht ausschließen. „Wir beobachten den Markt“, hieß es bei der Hannoverschen Volksbank. Teilweise hätten die Sätze um bis zu 0,4 Prozentpunkte zugelegt, berichtet der Hypothekenvermittler Interhyp. „Wenn die EZB-Politik des billigen Geldes die Konjunktur in Europa nachhaltig stabilisiert und die Inflation ankurbelt, können sich Immobilienkredite weiter verteuern“, meint Interhyp-Chef Michiel Goris.

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Trotz der leichten Steigerungstendenz sind die Konditionen aber nach wie vor extrem niedrig. Zum Vergleich: Während heute zehnjähriges Baugeld immer noch für 1,2 bis 1,3 Prozent Zins angeboten wird, waren es vor fünf Jahren noch fast 4 Prozent. Und nach wie vor gehen Experten davon aus, dass das Niveau noch einige Zeit niedrig bleibt. Allerdings dürften die Zinssätze ihre Tiefststände gesehen haben.

Hintergrund der jüngsten Zinsveränderungen sind starke Kursbewegungen am Kapitalmarkt. Investoren haben sich im großem Umfang von Anleihen getrennt. Marktteilnehmer sprechen sogar von einem „Crash“ am Bondmarkt. Nachdem die langfristigen Renditen zuvor auf Allzeittiefs gefallen waren, sind sie deshalb in den vergangenen Wochen förmlich explodiert. Als Maßstab gilt die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihen. Sie war noch vor wenigen Wochen auf 0,05 Prozent gefallen. Anleger bekamen also praktisch keinen Zins mehr, wenn sie der Bundesrepublik Deutschland für zehn Jahre Geld überließen. Zuletzt lag der Wert bei rund 0,50 Prozent – die Rendite hat sich also verzehnfacht. Im Gefolge der Staatsanleihen sind auch die Pfandbriefzinsen deutlich gestiegen, die maßgeblich die Konditionen des Baugeldes bestimmen.

Der Zinsanstieg am Kapitalmarkt dürfte vor allem mit den besseren Wirtschaftsdaten für Europa zusammenhängen, die zuletzt veröffentlicht wurden. Damit einher geht auch ein Anstieg der Geldentwertung. So hat der Ölpreis deutlich zugelegt, was auch an den Preistafeln der Tankstellen ablesbar ist. Die Diskussion um eine angeblich drohende Deflation – also eine lange Phase des allgemeinen Preisverfalls – ist vollständig verstummt.

Nach wie vor sind die Renditen am Kapitalmarkt aber im langjährigen Vergleich äußerst niedrig. Dies gilt nicht nur für Europa, sondern weltweit, weil die Notenbanken seit Jahren eine Politik der Geldschwemme betreiben. Für den jüngsten Fall der Zinsen im Euro-Raum hatte die Europäische Zentralbank mit ihrer Entscheidung gesorgt, monatlich für 60 Milliarden Euro Anleihen aufzukaufen. Allerdings scheint die Wirkung dieses Programms nun nachzulassen.

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