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Deutschland / Welt Neue Marktprämie verteuert Ökostrom
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt Neue Marktprämie verteuert Ökostrom
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21:09 07.06.2012
Von Jens Heitmann
Windräder auf einem Polder bei Emden: Die neue Marktprämie sichert den Anlagenbetreibern höhere Subventionen. Quelle: dpa
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Hannover

Die zu Jahresbeginn eingeführte Marktprämie zur Förderung erneuerbarer Energien wird deutlich teurer als geplant. Die von allen Kunden zu zahlende Subvention zur Direktvermarktung von Ökostrom wird die von der Bundesregierung kalkulierten Kosten deutlich überschreiten - Branchenschätzungen laufen auf bis zu 500 Millionen Euro hinaus.

Ziel der Prämie ist es, den von Windkraft-, Biogas- und Solaranlagen erzeugten Strom in den Energiemarkt zu integrieren. Wer sie kassieren möchte, muss auf die festen Fördersätze aus dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) verzichten. Die Marktprämie gleicht die Differenz zwischen den Preisen an der Strombörse und der den Öko-Erzeugern eigentlich zustehenden EEG-Vergütung aus.

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Der eigentliche Clou für die Betreiber ist aber die sogenannte Managementprämie, die zusätzlich gewährt wird. Sie beträgt 12 Euro je verkaufter Megawattstunde und soll den zusätzlichen Aufwand für die Direktvermarktung belohnen. Unter dem Strich fahren die Ökostromerzeuger mit diesem Modell offenbar deutlich besser als mit der EEG-Förderung - das hat alle Prognosen gesprengt.

Das Fraunhofer Institut für System- und Innovationsforschung ISI hatte die Kosten im Auftrag der Bundesregierung für dieses Jahr ursprünglich auf 200 Millionen Euro geschätzt. Doch bereits im Januar wurden rund 12.000 Megawatt Onshore-Windkraft für das neue Prämienmodell angemeldet – mit steiler Tendenz nach oben: Im Juni sind es bereits 19884 Megawatt und damit mehr als zwei Drittel der insgesamt genutzten Kapazität. Strom aus Biogas- und Solaranlagen fällt dagegen mit zusammen 1671 Megawatt kaum ins Gewicht. Inzwischen rechne man innerhalb der Bundesregierung mindestens mit einer halben Milliarde Euro Mehrkosten, heißt es in Berlin.

Aber nicht nur die Höhe der Marktprämie hat diesen Boom befeuert – das Engagement des norwegischen Ökostromriesen Statnet tut ein Übriges. Der Konzern, der vor allem Strom aus heimischen Wasserkraftwerken vermarktet, habe als Zwischenhändler den deutschen Windmüllern den Einstieg in das neue Geschäftsmodell sehr erleichtert, heißt es in der Branche.

Der stetig steigende Andrang auf die Marktprämie stößt inzwischen aber auf breite Kritik - die Reihe der Gegner reicht von der Opposition im Bundestag über die großen Energiekonzerne bis zum Verband der industriellen Stromkunden. Ihr Argument: Insbesondere die Managementprämie sei zu hoch bemessen, „dass erhebliche Mitnahmeeffekte generiert werden können, ohne einen Nutzen zu schaffen“, wie es jüngst in einem Antrag der Grünen zur Anpassung der Prämie im Bundestag hieß, der mit den Stimmen von Union und FDP abgelehnt wurde.

Selbst beim Bundesverband Windenergie sieht man ein Akzeptanzprobleme auf sich zukommen. Noch sei es zwar zu früh für eine Bewertung, sagte ein Sprecher. „Aber am Ende wird man Kosten und Nutzen genau abwägen müssen.“ Das sieht das Bundesumweltministerium ähnlich: „Wir prüfen derzeit die Wirkungen der Managementprämie und holen uns eine wissenschaftliche Stellungnahme ein“, sagte ein Ministeriumssprecher.

Gabi Stief 10.06.2012
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