Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Deutschland / Welt Neuer Schnellzug Locomore hält in Hannover
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt Neuer Schnellzug Locomore hält in Hannover
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
15:51 29.10.2015
Hannover/Berlin

„Mit Preisen ab 22 Euro pro Fahrt wollen wir deutlich günstiger sein als der ICE der DB“, sagte Locomore-Gründer Derek Ladewig dieser Zeitung. Weitere Strecken seien geplant.

Bisher haben Reisende im Fernverkehr auf der Schiene kaum Alternativen zu den ICE, IC- und EC-Zügen des Ex-Monopolisten DB. „Das wollen wir ändern“, sagt Ladewig. Die erste tägliche Verbindung mit rund 400 Sitzplätzen soll morgens um 6.40 Uhr in Stuttgart starten und um 13.04 Uhr den Berliner Hauptbahnhof erreichen, in Hannover hält er um 11.15 Uhr. Zurück geht es dann um 14.45 Uhr, Ankunft in Stuttgart um 21.19 Uhr, der Zwischenstopp in Hannover ist um 16.45 Uhr. „Das sind sehr attraktive Reisezeiten“, sagt der Manager. Anders als im ICE werde auch die Radmitnahme möglich sein.

Um möglichst viele Fahrgäste zu locken, fährt Locomore eine etwas andere Route als der ICE zwischen beiden Städten. So hält der Zug in Heidelberg, Darmstadt und Frankfurt-Süd. Nach der Fahrt über die Schnellstrecke mit Stopps in Fulda, Kassel, Göttingen, Hannover und Wolfsburg können die Reisenden an der Spree auch an den zentralen Bahnhöfen Zoo und Friedrichstraße aus- und zusteigen, wo die DB nur noch Regionalzüge und S-Bahnen fahren lässt. Die gesamte Fahrt soll sechseinhalb Stunden dauern, knapp eine Stunde länger als mit dem ICE.

Finanzierung durch Crowdfunding

Um das Projekt zu finanzieren, startet Locomore eine Crowd-Funding-Kampage. „Wer jetzt schon Tickets kauft, hilft uns dabei, die Pläne ins Rollen zu bringen“, sagt Ladewig. Die Gesamtkosten werden auf rund eine Million Euro beziffert, mehrere Investoren seien bereits an Bord. Die Lok soll  gemietet werden, modernisierte IC-Reisewagen hat sich Locomore aus dem Ausland beschafft. Mit der DB Netz habe man zudem bereits einen Rahmenvertrag für die benötigten Trassen geschlossen, der fünf Jahre läuft, betont der Locomore-Chef.

Ladewig hat bereits bewiesen, dass er dem Platzhirsch DB Paroli bieten kann. Mit dem HKX, der seit drei Jahren zwischen Köln und Hamburg fährt, initiierte der 44-jährige Verkehrsexperte eine der wenigen Konkurrenzlinien, die noch bestehen. Dort hat inzwischen die US-Firma Railroad Development das Sagen, Locomore hält nur noch einen geringen Anteil.
Andere Projekte von Investoren kamen dagegen über Ankündigungen nicht hinaus oder wurden wieder eingestellt. Große Pläne hat das Heilbronner Unternehmen „der Schnellzug.de GmbH“ angekündigt, das am 18. März 2016 zwei neue Linien von Stuttgart nach Hamburg sowie nach Aachen starten will und im Internet „zeitgemäße Service-Angebote“ verspricht. Dagegen gab die französische Veolia Verkehr, bis dahin der ernsthafteste DB-Wettbewerber,ihre letzte Fernverkehrslinie auf, den Interconnex Leipzig-Berlin-Rostock.

190 neue Direktverbindungen bei der Bahn

Als Grund für den Rückzug wurden damals von Veolia damals explizit die billigen Fernbusse genannt, die seit knapp vier Jahren dem Schienenverkehr direkte Konkurrenz machen dürfen. Auch die DB beklagt seither erhebliche Fahrgast-, Umsatz- und Ertragsrückgänge. Konzernchef Rüdiger Grube will deshalb das - in den letzten 15 Jahren stark eingedampfte - Fernverkehrsangebot wieder ausbauen, die Kapazitäten bis 2030 um ein Drittel erhöhen und so 50 Millionen neue Fahrgäste gewinnen.
Die Pläne gelten als ambitioniert. Denn anders als der subventionierte Regionalverkehr, der von den Bundesländern bestellt und vom Bund bezahlt wird, muss der Fernverkehr ohne Zuschüsse auskommen. Mit neuen, modernen ICE- und Doppelstockzügen will die Bahn künftig mehr Service und Komfort bieten. Zudem sollen fünf Millionen Bundesbürger wieder direkten Zugang zum Fernverkehr bekommen. Dazu soll es 190 neue Direktverbindungen aus der Fläche in die 50 größten Städte geben. Bis 2030 sollen nahezu alle deutschen Großstädte im Zwei-Stunden-Takt verbunden werden.

Die DB-Offensive und die Misserfolge von Konkurrenten auf dem deutschen Fernzugmarkt schrecken Derek Ladewig nicht ab. „Wir haben die Weichen für eine weitere Expansion bereits gestellt“, sagt er. Ein weiterer Zug zwischen Berlin und Stuttgart, eine Verbindung von München über Stuttgart nach  Frankfurt sowie die Strecke Berlin-Köln/Bonn gehören zu den Plänen. „Der Erfolg der Fernbusse zeigt, dass das Interesse für guten und preiswerten öffentlichem Fernverkehr groß ist“, betont Ladewig. Jedes zusätzliche Angebot auf der Schiene sei daher für Reisende ein Vorteil.

Von Thomas Wüpper

Die Deutsche Bank streicht zusätzlich zum geplanten Postbank-Verkauf netto rund 9000 Arbeitsplätze. Die Bilanz von Deutschlands größtem Geldhaus weist Rekordverluste aus. Auch Niedersachsen ist betroffen - hier hat die Deutsche Bank 511 Mitarbeiter.

29.10.2015

Die US-Notenbank Federal Reserve hat den Leitzins auf dem historischen Tief von nahe Null belassen. Das gab die Fed Mittwochabend in Washington nach der Oktober-Sitzung ihres Offenmarkt-Ausschusses bekannt. Der Leitzins ist seit Ende 2008 auf dem Rekordtief.

28.10.2015

Karstadt-Eigentümer René Benko baut mit seinem Firmenimperium jetzt auch im großen Stil Kindergärten in Deutschland. Geplant sei in den nächsten Jahren die Errichtung von rund 150 Kitas durch ein Tochterunternehmen der Signa Property Funds, sagte ein Sprecher von Signa in Wien.

28.10.2015