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Deutschland / Welt Diese Züge fallen heute aus
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt Diese Züge fallen heute aus
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23:05 20.05.2015
Ein Land sieht Rot: Ab Dienstag wird wieder der Güterverkehr bestreikt, ab Mittwoch der Personenverkehr.  Quelle: dpa
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Frankfurt am Main

Auch letzte Gespräche zwischen der Gewerkschaft GDL und der Deutsche Bahn konnten den neunten Lokführerstreik nicht mehr abwenden. Die Lokführer begannen am Dienstagnachmittag mit ihrem Streik. Betroffen war zunächst nur der Güterverkehr. Die Personenzüge sollten laut Ankündigung der Gewerkschaft GDL ab Mittwochfrüh um 02.00 Uhr ebenfalls bestreikt werden.

Kurzfristig Gespräche angesetzt

Am Dienstagabend erklärte eine Bahn-Sprecherin: Die Deutschen Bahn will seine Gespräche mit der Lokführergewerkschaft GDL "kurzfristig" fortsetzen. Sie betonte: "Es ist Vertraulichkeit verabredet worden." Die GDL war zunächst jedoch nicht für eine Stellungnahme zu erreichen. Bei den Gesprächen in Frankfurt ist auch der frühere Bundesarbeitsrichter Klaus Bepler als unabhängige Instanz dabei.

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Nach aktuellem Stand hat die Gewerkschaft das Ende des Arbeitskampfes bewusst offen gelassen und will es erst 48 Stunden vorher bekanntgeben. Der Notfahrplan im Norden folgt weitgehend dem Muster, das bereits aus früheren Streikrunden bekannt ist. So fahren die S-Bahnen im Hamburg in einem ausgedünnten 20-Minuten-Takt. Die übrigen Verbindungen im Norden werden überwiegend ebenfalls seltener bedient. Die angezeigten Züge fahren jedoch zuverlässig, die meisten Fahrgäste konnten damit während des vorangegangenen Streiks ihr Ziel erreichen. Bundesweit sollten etwa ein Drittel der Fernzüge, 70 Prozent der Güterzüge und zwischen 15 und 60 Prozent der Nahverkehrsverbindungen fahren.

Das ändert sich im Zugverkehr

S-Bahn:

  • S1 Minden - Hannover - Haste:
    Die Züge fallen auf dem gesamten Weg aus.
    Die RegionalExpress-Züge zwischen Hannover und Minden halten zusätzlich in Lindhorst und Kirchhorsten.
  • S 4 Bennemühlen - Hannover - Hildesheim:
    Die Züge fallen auf dem gesamten Weg aus. 
    Reisende von Emmerke fahren mit der NWB und dem Metronom über Nordstemmen.
    Der erixX hält zusätzlich in Bennemühlen, Bissendorf, Langenhagen-Kaltenweide.
  • S5 Hannover-Flughafen - Hannover - Paderborn:
    Die Bahn fährt im Stundentakt zwischen Hannover-Flughafen und Hameln.
    Zwischen Hameln und Paderborn verkehren täglich 5 Zugpaare.
  • S 6 Hannover - Celle:
    Alle Züge fallen aus.
  • S7 Hannover - Lehrte - Celle:
    Die Züge fahren im Stundentakt.
    Die erste Fahrt startet ab Celle um 6:08 Uhr.
  • S 21 Barsinghausen - Hannover:
    Ausfall
  • S 51 Hameln - Seelze:
    Ausfall

Regionalverkehr:

  • RB 76/RB 78 MindenNienburg – Rotenburg: 
    Zwischen Minden und Nienburg erstazlos Ausfall aller Fahrten.

IC/ICE:

  • ICE München - Hannover - Hamburg:
    Fährt nur alle zwei Stunden
  • ICE Köln - Hannover - Berlin:
    Fährt stündlich
  • ICE Zürich - Hannover - Hamburg:
    Fährt alle zwei Stunden

Quelle: Deutsche Bahn

Individuelle Informationen zu Fahrten finden Sie auf der Webseite der Bahn.

DB-Personenverkehrsvorstand Ulrich Homburg  sprach von einem immensen wirtschaftlichen Schaden, der der Bahn und der Wirtschaft insgesamt entstehe. Großkunden hätten sich inzwischen für ihre Transporte "ein zweites Standbein aufgebaut". "Das Vertrauen in das Gesamtsystem Bahn ist erschüttert", sagte der Bahn-Manager.

Beispielsweise überdenkt die Chemie-Industrie ihre Logistikkonzepte. "Die Pläne der Branche, ihre Transporte verstärkt auf die Bahn zu verlagern, bekommen durch den erneuten und kurzfristig angekündigten Ausstand einen empfindlichen Dämpfer versetzt", erklärte der Hauptgeschäftsführer des Verbandes VCI, Utz Tilmann. Die Chemie gehört zusammen mit der Stahl- und Autoindustrie zu den wichtigsten Güterkunden der Deutschen Bahn.

Der Bundesverband Güterkraftverkehr, Logistik und Entsorgung fürchtet Probleme bei Mineralöltransporten in entlegenere Gegenden, die nicht mit Schiff oder Pipelines erreicht werden können. Im kombinierten Verkehr Straße/Schiene müssten kurzfristig Sendungen auf die Straße verlagert werden, erklärte Verbandsvertreter Adolf Zobel.

GDL-Chef Claus Weselsky hat zu erkennen gegeben, dass die Gewerkschaft bei einer Schlichtung zu ihren Bedingungen den angekündigten Arbeitskampf innerhalb von 12 bis 24 Stunden beenden könnte. Die inhaltlichen Fragen des Tarifkonflikts seien nicht unlösbar, sagte Weselsky im ARD-"Morgenmagazin". Man sei aber nicht bereit, in einer Schlichtung über die Frage der Tarifeinheit zu verhandeln: "Es ist schlussendlich unser Grundrecht, für unsere Mitglieder einen Tarifvertrag abzuschließen - und zwar egal, ob der abweicht von einem anderen Tarifvertrag oder nicht."

Gleichzeitig griff der Gewerkschafter die Bahn erneut scharf an. "Wir sehen ein Management, das versucht, das auszusitzen, das uns hinhält", sagte er. Die Bahn sei nicht einmal in der Lage gewesen, ein Schlichtungsabkommen mit der GDL zu verhandeln.

Die Streiks der GDL

Im Tarifkonflikt bei der Deutschen Bahn hat die Lokführergewerkschaft GDL erneut einen Streik angekündigt - dieses Mal mit offenem Ende. Die bisherigen Verhandlungsrunden zwischen der Bahn und der GDL brachten keine Annäherung. Eine Übersicht über die Aktionen:

  • 1. Warnstreik am 1. September 2014: drei Stunden im Personen- und Güterverkehr
  • 2. Warnstreik am 6. September: drei Stunden im Personen- und Güterverkehr
    • 1. Streik nach Urabstimmung am 7./8. Oktober: neun Stunden im Personen- und Güterverkehr
    • 2. Streik am 15./16. Oktober: 14 Stunden im Personen- und Güterverkehr
  • 3. Streik vom 17. bis 20. Oktober: 50 Stunden im Personenverkehr und 61 Stunden im Güterverkehr
  • 4. Streik vom 6. bis 8. November: 64 Stunden im Personenverkehr und 75 Stunden im Güterverkehr
  • 5. Streik vom 21. bis 23. April 2015: 43 Stunden im Personenverkehr und 66 Stunden im Güterverkehr
  • 6. Streik vom 4. bis 10. Mai: bislang längster Streik in der Geschichte der Deutschen Bahn AG - 127 Stunden im Personenverkehr und 138 Streikstunden im Güterverkehr
  • 7. Streik vom 19. Mai: Ab 15 Uhr wollten die Lokführer im Güterverkehr die Arbeit niederlegen. In der Nacht zum Mittwoch sollte ab 2 Uhr dann der Personenverkehr bestreikt werden. 

dpa

18.05.2015
18.05.2015