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Deutschland / Welt Protest gegen Wolkenkratzer der Superreichen
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt Protest gegen Wolkenkratzer der Superreichen
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18:22 13.11.2015
Blick aus einem Fenster des Wohn-Wolkenkratzer "One57" direkt am Central Park. Ein Penthouse im 89. und 90. Stock des Gebäudes wurde in diesem Jahr für 100.471.452 Dollar verkauft. New York knackte damit erstmals die 100-Millionen-Dollar-Marke. Quelle: Christina Horsten/dpa
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New York

„Milliardäre sollten nicht in der Lage sein, den Himmel zu kaufen“, sagt Stadtrat Ben Kallos. Mit den schwarzen Schirmen wollen die Demonstranten zeigen, dass die Protzbauten den Rest der Bevölkerung in den Schatten drängen. „Die Geste symbolisiert die gut 300 Meter langen Schatten, die diese Megatürme auf unseren geliebten Central Park und die öffentlichen Plätze New Yorks werfen werden“, erklärt das Bündnis „Stand Against the Shadows“, das zu der Protestaktion aufgerufen hat.

In einem öffentlichen Brief rufen die Aktivisten New Yorks Bürgermeister Bill de Blasio auf, die Übernahme der Skyline Manhattans zu stoppen: „Tun Sie, was richtig und überfällig ist, und verhängen Sie ein Moratorium für den künftigen Bau von Gebäuden, die mehr als 90 Meter hoch sind, bis gründliche Studien zu den Folgen für Umwelt und Infrastruktur durchgeführt wurden und die Öffentlichkeit sich einbringen konnte.“ 

Penthouse für 100,5 Millionen Dollar verkauft

Stein des Anstoßes ist vor allem der Wolkenkratzer One57. Im Januar wurde darin ein Penthouse für 100,5 Millionen Dollar verkauft. New York knackte damit erstmals die 100-Millionen-Dollar-Marke. Die Stadt, Spielwiese von Spekulanten und Immobilien-Mogulen, ist bei der internationalen Geldelite begehrter denn je. Der Ansturm der Milliardäre lässt auch die Mieten kräftig steigen – immer weniger New Yorker können sich New York leisten. In Manhattan werden mehr Apartments mit Monatsmieten über 15.000 als unter 2000 Dollar angeboten.

Trotz der sozialen Folgen und Proteste tut New York fast alles, um Magnet für das Großkapital zu bleiben. Komplizierte Steuergesetze machen Megadeals lukrativ, während sie Immobilienkäufe am unteren Ende der Preisspanne für weniger betuchte Käufer erschweren. Obwohl die Grundsteuer eine der wichtigsten Einkommensquellen der Stadt ist, wird der Bau von Luxusobjekten großzügig gefördert. Beim Kauf des One57-Apartments fiel dem Analyseportal „Metrocosm“ zufolge ein Steuersatz von 0,017 Prozent an – ein Hundertstel der landesweiten Durchschnittsrate. Die reichsten Immobilieneigner zahlen in New York am wenigsten Steuern.     

Von Hannes Breustedt