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Deutschland / Welt Investoren reißen sich um Pfandbrief der Nord/LB
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt Investoren reißen sich um Pfandbrief der Nord/LB
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00:17 16.02.2015
Von Albrecht Scheuermann
Das Nord/LB-Gebäude in Hannover. Quelle: dpa
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Hannover

Viele Banken, Fonds und Versicherungen sitzen auf vollen Kassen und suchen verzweifelt nach Möglichkeiten, das viele Geld anzulegen. Von Rendite kann man angesichts der Zinssätze kaum noch sprechen. Es gilt schon als Erfolg, wenn kein Negativzins, auch als „Einlagengebühr“ bezeichnet, fällig wird. So füllte die Norddeutsche Landesbank (Nord/LB) jetzt ihre Kasse durch die Ausgabe eines Pfandbriefs mit dem mikroskopischen Zinssatz von 0,025 Prozent, also einem viertel Promille. Das sind zum Beispiel bei der Anlage von einer Million Euro 250 Euro Zinsen pro Jahr.

Die Bank wäre das Papier problemlos auch mit einem Nullcoupon, also ganz ohne Zins, losgeworden. Allerdings könnten manche Investoren die glatte Null in ihren Buchungssystemen technisch noch nicht verarbeiten. Deshalb habe man den Wert ganz knapp über null festgelegt, erläuterte Hinrich Holm, im Bankvorstand für das Kapitalmarktgeschäft zuständig.

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Gebote aus acht Staaten

Die Not der Anleger zeigt sich auch darin, dass die Nord/LB von Geld geradezu überschwemmt wurde. Schon eine Viertelstunde nach dem Start konnte Niedersachsens größte Bank das Orderbuch zuklappen. Bis dahin waren für die Papiere schon Gebote im Umfang von mehr als einer Milliarde Euro aus acht Staaten eingegangen, berichtete die Bank. „Die große Nachfrage und die Platzierung in Rekordzeit zeigen das gute Standing der Nord/LB im Markt“, sagte Holm.

Zugleich zeigen sie aber auch, was im Kapitalmarkt los ist. Die extrem lockere Geldpolitik der Europäischen Zentralbank, aber auch anderer Notenbanken hat den Zins praktisch ausgelöscht. Durch die jüngst verkündeten Staatsanleihenkäufe der Europäischen Zentralbank im Wert von über einer Billion Euro wird sich dieses Problem weiter verschärfen.

Während Banken wie die Nord/LB immerhin noch winzige Renditen anbieten müssen, kann sich der Bund sein Geld bei kurzen bis mittleren Laufzeiten inzwischen unter null Prozent besorgen. Und auch im Bankgewerbe müssen Großanleger für ihre Einlagen teilweise  schon Geld bezahlen. An die privaten Sparer trauen sich die Kreditinstitute jedoch noch nicht ran, hier gilt ein Negativzins noch als Tabu.

Doch auch so stellt sich die Lage für private Anleger schon trüb genug dar. Wer zum Beispiel im Sommer 2008 eine Million Euro im Lotto gewann, konnte bei nicht zu üppigem Lebenswandel allein von den Zinsen existieren. Heute reichen sie gerade noch, um die Heizrechnung zu begleichen.

13.02.2015
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