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Deutschland / Welt OECD will mehr „Feuerkraft“ für die EZB
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt OECD will mehr „Feuerkraft“ für die EZB
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19:15 28.11.2011
Die Börse ist immer wieder für eine Überraschung gut: Trotz unerfreulicher Konjunkturprognosen legten die Kurse kräftig zu. Quelle: rtr
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Vor allem die Hoffnung auf einen neuen Anlauf Deutschlands und Frankreichs zur Lösung der Euro-Schuldenkrise sowie Spekulationen auf Finanzhilfen für das hoch verschuldete Italien hätten zu steigenden Kursen geführt, erklärten Händler. Zudem trennen sich Anleger von Anleihen und kaufen stattdessen Aktien. Am vergangenen Freitag hatte der Dax eine neuntägige Verlustserie beendet.

Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) rechnete unterdessen mit dem Krisenmanagement der Europäischen Union ab und verlangte radikale Eingriffe – darunter eine Aufstockung des Rettungsfonds EFSF „um ein Vielfaches dessen, was wir bisher gelesen haben“. Außerdem müsse die Europäische Zentralbank (EZB) schnellstens eine „stärkere Feuerkraft“ erhalten, forderte OECD-Chefvolkswirt Pier Carlo Padoan.

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Der Zentralbank, die seit Mai 2010 schon Staatsanleihen im Gesamtwert von 203,5 Milliarden Euro aufgekauft hat, komme in der Euro-Krise eine Schlüsselstellung zu: „Die EZB hat die Mittel für glaubwürdige Maßnahmen.“ Sie könne eine Ansteckung noch verhindern, sagte Padoan mit Blick auf die hochnervösen Kapitalmärkte. Die EZB solle ihre Macht voll ausschöpfen – obwohl dafür eine Änderung ihres gesetzlichen Rahmens unausweichlich wäre.  „Verträge müssen angepasst werden“.

Große Sorgen bereitet der OECD die immer schwächere Konjunktur. Der Euro-Raum rutscht demnach fast unweigerlich in eine Rezession. Ob diese milde oder hart ausfalle, hänge von den nächsten Antischuldenmaßnahmen ab, erklärte die Organisation. Für 2012 prognostizieren die OECD-Experten ein Wirtschaftswachstum von nur noch 0,2 Prozent im Euro-Raum. In den Krisenstaaten ist die Lage noch düsterer: Für Italien sagt die OECD einen Rückgang des Bruttoinlandsproduktes um 0,5 Prozent voraus. Die griechische Wirtschaft werde voraussichtlich um 3 Prozent schrumpfen, hieß es. Erst 2013 könnten die Krisenstaaten wieder auf positive Zahlen hoffen.

Relativ optimistisch sieht die OECD dagegen die Situation in Deutschland. Die Entwicklung bleibe zwar auch hier bis ins Frühjahr hinein schwach, von Mitte 2012 an sei aber mit einer Erholung zu rechnen. Für 2012 erwartet die OECD ein Wachstum der deutschen Wirtschaft von 0,6 Prozent.

Ralf E. Krüger und Matthias Armborst