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Deutschland / Welt Opel: Bangen in Bochum und Rüsselsheim
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt Opel: Bangen in Bochum und Rüsselsheim
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15:32 18.05.2012
Foto: Der Opel Astra wird nur noch im Ausland produziert - jetzt bangen viele Beschäftigte in Rüsselsheim und Bochum.
Der Opel Astra wird nur noch im Ausland produziert - jetzt bangen viele Beschäftigte in Rüsselsheim und Bochum. Quelle: dpa
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Rüsselsheim/Bochum

Gewerkschaft und Betriebsrat wollen einen Kahlschlag beim Autobauer Opel nicht kampflos hinnehmen. Die IG Metall drohte dem Management am Freitag mit einer „harten Auseinandersetzung", um alle Standorte in Deutschland zu erhalten. Opel hatte am Vortag bekanntgegeben, sein Erfolgsmodell Astra ab 2015 nur noch im günstigeren Ausland zu produzieren. Das nährt die Sorge vor einem baldigen Aus für das Werk in Bochum.

„Wenn es in Folge der Entscheidung Pläne gibt, das Bochumer Werk zu schließen, wäre das eine Kriegserklärung an 45.000 Menschen und an die Region", sagte der Bochumer Opel-Betriebsratschef Rainer Einenkel im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa. Nicht nur etwa 3200 Beschäftigte im Werk wären demnach betroffen, sondern zehntausende Menschen bei Partnerbetrieben, Dienstleistern und Zulieferern.

Der IG-Metall-Vorsitzende Berthold Huber mahnte Gespräche über ein Gesamtkonzept für alle Opel-Standorte an. Huber kritisierte in einer Mitteilung zugleich die Weichenstellung zugunsten der Astra-Werke in Ellesmere Port (England) und Gliwice (Gleiwitz/Polen): „Der Versuch, die Beschäftigten über Drohgebärden und einen erzwungenen Unterbietungswettbewerb gegeneinander auszuspielen, ist unredlich. Wer Opel gegen die Belegschaft sanieren will, hat schon verloren."

Ellesmere Port hatte nach Angaben des Betriebsrates nur deswegen den Zuschlag bekommen, weil die dortige Belegschaft zu weitreichenden Zugeständnissen gedrängt wurde. Opel-Gesamtbetriebsratschef Wolfgang Schäfer-Klug sprach von „großem Druck" durch das Management und der Drohung mit der Schließung des Werkes. Letztlich akzeptierten nach Informationen der britische Nachrichtenagentur PA 94 Prozent der Beschäftigten in Ellesmere Port einen Lohnverzicht. Die neuen Lohn- und Arbeitsbedingungen sollen ab 2013 gelten.

Der Frankfurter IG-Metall-Bezirksleiter Armin Schild, der auch Opel-Aufsichtsrat ist, betonte am Freitag im ZDF-„Morgenmagazin", die Gewerkschaft werde nicht akzeptieren, dass das Management von Opel und der US-Konzernmutter General Motors (GM) Standorte gegeneinander ausspiele: „Keiner wird zulasten des anderen ausgelastet." Nordrhein-Westfalens Wirtschaftsminister Harry Voigtsberger (SPD) forderte ein klares Bekenntnis zu den deutschen Standorten.

Der Autohersteller hatte am Donnerstag versichert, das Stammwerk Rüsselsheim als modernstes Werk von Opel/Vauxhall in Europa solle auch nach dem Abzug des Astra voll ausgelastet werden. Möglich wäre das nach Einschätzung von Experten zum Beispiel durch die Verlagerung der Produktion des Familienautos Zafira von Bochum nach Rüsselsheim.

Opel-Chef Karl-Friedrich Stracke machte im Interview mit der „Allgemeine Zeitung Mainz" jedoch klar, dass er auch in Rüsselsheim ein Entgegenkommen der Belegschaft erwartet: "Wir brauchen dafür die Unterstützung der Arbeitnehmer in der Form, dass wir produktiver, flexibler und effizienter am Standort arbeiten."

dpa

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