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Deutschland / Welt Optimismus ist Trumpf auf der Detroit Motorshow
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt Optimismus ist Trumpf auf der Detroit Motorshow
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19:18 12.01.2010
Der neue Ford Focus auf der Detroit Motorshow. Quelle: AFP
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Ob das die Zukunft der amerikanischen Autoindustrie ist? Fiat-Chef Sergio Marchionne, wie immer lässig im Pullunder, deutet auf den Motorraum des kleinen Fiat Cinquecento, der zwischen wuchtigen Chrysler-Modellen auf der Detroit Motorshow sein Refugium gefunden hat. Michigans Gouverneurin Jennifer Granholm folgt aufmerksam dem Mann, der nun auch bei der uramerikanischen Marke Chrysler die Fäden zieht. Auf seinen fragenden Blick antwortet sie mit einer skeptischen Geste ihrer Hände. Italienisches Flair soll den immer noch schwächsten der drei großen US-Autohersteller aus der Misere retten – ein gewagtes Unterfangen.

Am Stand gegenüber posiert ein Fotomodell vor einem Ferrari. Gleich daneben steht ein noch namenloser Chrysler, den man in Europa bereits als Lancia Delta kennt. Vor wenigen Wochen war sich Chrysler mangels neuer Modelle nicht einmal sicher, ob man sich überhaupt groß auf der Detroiter Autoshow präsentieren sollte. Doch nun will man General Motors und Ford nicht nachstehen und ebenfalls kräftigen Optimismus verströmen.

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Die diesjährige Autoschau in Detroit zeigt zumindest eines: die fast grenzenlose amerikanische Fähigkeit, unangenehme Erinnerungen schnell hinter sich zu lassen. Wo bei den US-Herstellern vor einem Jahr die Autos fast schüchtern auf den Teppichen standen, geht die Show nun weiter, als sei nichts geschehen. Die ausländischen Gäste können derweil interessiert verfolgen, wie die europäische Autophilosophie zum Maß der Dinge wird. Bei Ford steht das neue Modell des auf dem deutschen Markt schon lange vertrauten Focus im Mittelpunkt. Bei den General-Motors-Marken Buick und GMC ist sogar von der „europäischen Anmutung“ und von der „europäischen Leistungsfähigkeit“ der neuen Modelle die Rede.

Doch während Volkswagen, Audi, BMW und Mercedes-Benz ihre stärksten Modelle auffahren, stehen bei den Amerikanern die Brot-und-Butter-Modelle im Mittelpunkt, mit denen sie endlich wieder Geld verdienen wollen. Die amerikanischen Manager reden weniger von den PS-Zahlen, sondern von den Arbeitsplätzen, die sie in den USA schaffen und bewahren wollen. Ford-Chef Alan Mulally kündigte an, dass ein Werk für Elektrofahrzeuge in Michigan gebaut werde. GM-Chef Edward Whitacre beteuerte, dass auf absehbare Zeit keine weiteren Kürzungen und Werkschließungen zu erwarten seien. Auch Nancy Pelosi, Fraktionschefin der Demokraten im Repräsentantenhaus, die ausgiebig die Ergebnisse staatlich finanzierter Rettungsaktion besichtigte, zeigte sich „schwer beeindruckt“ und sprach von „phantastischen Aussichten“.

Klein ist nun Trumpf. Designdirektor Dave Lyon von General Motors pries beim Konzeptfahrzeug GMC Granit sogar die Tatsache, dass das Auto kürzer und niedriger geworden sei. Der Mini-Van sieht aus, als hätten die Designer eine Art von Bonsai-Bulligkeit zu züchten versucht. Wuchtigkeit im Schrumpfformat – verlangt das der neue amerikanische Zeitgeist?

Die Deutschen versuchen diesen Zeitgeist in Detroit hingegen mit Hybrid- und Elektrofahrzeuge zu treffen. Das ist mehr als nur ein Modetrend. Kalifornien verlangt von jedem Hersteller bei Neufahrzeugen im Durchschnitt aller verkauften Autos einen bestimmten Emissionswert. Der ist aber nur zu erreichen, wenn Elektro- und Hybridfahrzeuge dabei sind. Doch selbst diese Vehikel kommen – wie etwa das Konzeptfahrzeug Volkswagen NNC – bei den Deutschen in sportlicher Verpackung daher. So richtig scheinen sie an das ausgerechnet von der einst mit mächtigen Spritschluckern auftrumpfenden US-Konkurrenz gepflegte Motto „klein, aber fein“ auf dem US-Markt noch nicht zu glauben.

Die Konkurrenz aus China denkt dagegen langfristig. In der so genannten „Electric Alley“, einer eigens für Elektrofahrzeuge reservierten Ecke der Ausstellungshalle, zeigen die Chinesen in Detroit Präsenz. Die Logos des ehemaligen Batteriehersteller BYD, der sich auf Hybridfahrzeuge verlegt hat, überragen dort alle anderen Stände.

Die Amerikaner präsentieren hingegen im Untergeschoss der Ausstellungshalle, wo man mit Hybrid- und Elektrofahrzeugen Probe fahren darf, eine ganze andere Form grüner – genau genommen olivfarbener – Technologie. Das in der Region Detroit beheimatete Fahrzeugforschungszentrum der US-Army stellt dort seine neusten geländegängigen Kampfvehikel vor. „Die tapferen Männer und Frauen, die unsere Nation und ihre Freiheit verteidigen, haben Anspruch auf die fortschrittlichsten, sichersten und fähigsten Fahrzeuge“, heißt es in der Hochglanzbroschüre. Auf diesem Gebiet immerhin dürften die USA weiterhin unangefochten sein.

von Andreas Geldner