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Deutschland / Welt Piëch belastet Weil in der Abgas-Affäre
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt Piëch belastet Weil in der Abgas-Affäre
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21:41 08.02.2017
Von Heiko Randermann
Volkswagens früherer Konzernpatriarch und Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch (links) belastet Ministerpräsident Stephan Weil. Der dementiert die Vorwürfe.  Quelle: Archiv/Montage
Hannover/Wolfsburg

Das meldete Mittwochabend die „Bild“-Zeitung unter Berufung auf eine Aussage Piëchs bei der Staatsanwaltschaft Braunschweig. Weil und Osterloh sollen demnach bereits im März 2015 von dem Diesel-Skandal gewusst haben, ein halbes Jahr bevor er öffentlich wurde. Weil und der gesamte VW-Aufsichtsrat weisen die Behauptungen strikt zurück.

Piëch will im Februar 2015 vom ehemaligen israelischen Botschafter Avi Primor erfahren haben, dass VW in den USA mit Abgaswerten geschummelt habe. Daraufhin habe er den damaligen VW-Vorstandsvorsitzenden Martin Winterkorn mit dieser Information konfrontiert, soll der 79-Jährige jetzt gegenüber der Staatsanwaltschaft in Braunschweig ausgesagt haben. Der Vorstandschef habe damals geantwortet, dass er die Sache in den USA im Griff habe.

Weil widerspricht Piëch: „Darstellung ist falsch“

Über dieses Gespräch mit Winterkorn will Piëch dem Bericht zufolge anschließend das Präsidium von VW informiert haben, in dem neben Weil und Osterloh auch der frühere IG-Metall-Chef Berthold Huber und Anteilseigner Wolfgang Porsche saßen. Das Gremium, das damit schon viel früher von der Abgasaffäre gewusst hätte als bislang behauptet, habe danach Winterkorn sein Vertrauen ausgesprochen.

Niedersachsens Ministerpräsident Weil wies die Darstellung Mittwochabend entschieden zurück: „Mir sind diese Vorwürfe seit einigen Monaten bekannt. Sie sind einer unabhängigen Prüfung unterzogen und als unglaubwürdig bewertet worden. Tatsächlich hat es im Frühjahr 2015 von keiner Seite Hinweise an mich gegeben, Volkswagen nehme unzulässigerweise Einfluss auf Schadstoffwerte. Davon habe ich erst am 19. September 2015 erfahren. Jede anderslautende Darstellung ist schlichtweg falsch“, heißt es in einer Erklärung.

Der frühere IG Metall-Chef Huber und der VW-Betriebsratsvorsitzende Osterloh wiesen die Behauptungen ebenfalls als unwahr zurück. "Hätte uns Dr. Piëch in Kenntnis gesetzt, dann hätten wir das Unternehmen und die Belegschaften vielleicht vor großem Schaden bewahren können. Jetzt erwarten wir, dass der Vorstand umgehend prüft, ob er gegen Piëch vorgehen muss."

VW-Vorstand prüft Maßnahmen gegen Piëch

In einer Mitteilung des VW-Aufsichtsrats heißt es, dass die US-Kanzlei Jones Day, die den Dieselskandal aufarbeiten soll, bereits im Frühjahr 2016 von diesen Vorwürfen erfahren hatte. Die Juristen hätten Piëchs Angaben eingehend überprüft. „Dabei haben sich keine Anhaltspunkte für die Richtigkeit dieser Behauptungen ergeben, sie wurden insgesamt als unglaubwürdig eingestuft.“ Auch hätten alle Aufsichtsratsmitglieder unabhängig voneinander alle Behauptungen Piëchs schon damals strikt zurückgewiesen. Für den ehemaligen Aufsichtsratschef Piëch könnte die Aussage daher noch ein Nachspiel haben. „Der Vorstand wird mögliche Maßnahmen und Ansprüche gegen Herrn Piëch sorgfältig prüfen“, heißt es in der Mitteilung des Aufsichtsrats. Piëch könnte sich selber schuldig gemacht haben, wenn er von einem Betrug gewusst, den aber als Aufsichtsratschef nicht verfolgt hätte.

Aus VW-Kreisen hieß es Mittwochabend: „Piëch hat sich jetzt die Trump-Maske aufgesetzt und hantiert mit alternativen Fakten“.

Erst Anfang Februar war bekannt geworden, dass Piëch im Abgas-Skandal bei der Staatsanwaltschaft Braunschweig gegen den früheren VW-Konzernchef Martin Winterkorn ausgesagt hatte.

 

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