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Deutschland / Welt Pilotenstreik stößt auf massive Kritik
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt Pilotenstreik stößt auf massive Kritik
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17:19 20.02.2010
Die Kritik am drohenden größten Streik der deutschen Luftfahrtgeschichte wächst. Quelle: dpa
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Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt sprach von einem „Irrweg“ und rief dazu auf, an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Die Lufthansa und die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) signalisierten Gesprächsbereitschaft.

Die Vereinigung Cockpit hat für Montag bis einschließlich Donnerstag mehr als 4000 Piloten zum Streik aufgerufen. Mit rund 3200 Flugausfällen wäre es der größte Ausstand in der Geschichte der Airline, die normalerweise pro Tag rund 150.000 Passagiere zählt. Streitpunkte sind Geld, Arbeitsplatzsicherung und der Einfluss auf die Unternehmenspolitik.

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Neue Verhandlungen möglich

Die Lufthansa bot den Piloten Verhandlungen an, stellte dafür aber Bedingungen: „Wir können sofort über das Thema Arbeitsplatzsicherheit für Lufthansa-Piloten verhandeln, wenn VC ihre unerfüllbaren und rechtlich unzulässigen Forderungen über die Ausweitung deutschen Tarifrechts ins Ausland fallen lässt“, sagte Lufthansa-Vize Christoph Franz laut Mitteilung.

Nach einem der Deutschen Presse-Agentur dpa vorliegenden Entwurf will die Vereinigung Cockpit unter anderem erreichen, dass Lufthansa keine Strecken an ihre Töchter abgibt. Die Piloten wollen zudem festschreiben, dass beispielsweise Lufthansa Italia nicht von Deutschland aus in Drittländer fliegt. Für Lufthansa-Beteiligungen im Ausland, die die Marke oder das Logo nutzen, sollen zudem die deutschen Tarife gelten. „Wo Lufthansa drauf steht, müssen Lufthansa- Tarifbedingungen gelten“, sagte der Sprecher der Vereinigung Cockpit, Jörg Handwerg.

Lufthansa sei zum Dialog bereit, „wenn die Vereinigung Cockpit vorab bestätigt, von Forderungen, die die unternehmerische Freiheit unzulässig beschränken, wie Markennutzung und Auslandsbeteiligungen, abzurücken“, erklärte Konzernsprecher Klaus Walther. VC-Sprecher Handwerg sagte dazu: „Wir haben nie gefordert, die unternehmerische Freiheit zu beschränken.“ Schwierigkeiten bereite immer die Frage der Abgrenzung.

Kurz vor Beginn des Streiks gab es ein telefonisches Spitzengespräch zwischen der Lufthansa und der Gewerkschaft. „Lufthansa-Vorstandschef Wolfgang Mayrhuber hatte telefonischen Kontakt mit VC-Präsident (Winfried) Streicher“, erklärte Konzernsprecher Walther. Cockpit-Sprecher Handwerg sagte, es gebe „deutliche Missverständnisse“ über die Forderungen der Piloten. Diese könnten nur im direkten Gespräch mit dem Konzernchef aufgeklärt werden.

Politik und Wirtschaft riefen zu Verhandlungen auf: „Ein vernünftiger Kompromiss muss her“, sagte Verkehrsminister Ramsauer der „Bild am Sonntag“: „Ich appelliere deshalb eindringlich an die Vernunft der Verhandlungsführer von Lufthansa und Vereinigung Cockpit, noch vor Streikbeginn an den Verhandlungstisch zurückzukehren.“ Arbeitgeberpräsident Hundt nannte den Streik in der „Welt am Sonntag“ einen unzulässigen Eingriff in die Unternehmerfreiheit. „Ich fordere die Vereinigung Cockpit auf, ihren gefährlichen Irrweg zu verlassen und sofort an den Verhandlungstisch zurückzukehren“, sagte er der Zeitung.

Notfallpläne veröffentlicht

Lufthansa und die ebenfalls vom Streikaufruf betroffene Lufthansa- Tochter Germanwings veröffentlichten Notfall-Pläne. Bei Lufthansa einschließlich der nicht bestreikten Regionaltöchter sollen täglich noch rund 1000 statt 1800 Flieger abheben. Bei Germanwings sieht der Plan vor, zwei Drittel der insgesamt in dieser Zeit geplanten 600 Flüge anzubieten - etwa dank gemieteter Kapazitäten anderer Airlines. Lufthansa-Regionaltöchter wie Cityline werden nicht bestreikt. Die Fluggesellschaften bieten betroffenen Passagieren kostenlose Stornierungen und Umbuchungen an.

Die Vorbereitungen der Lufthansa, der Flughäfen und auch der Konkurrenten liefen am Wochenende auf Hochtouren. Die Bahn stellt sich auf volle Züge auf den Hauptstrecken ein, während Autovermieter ihre Flotten auf Flughäfen konzentrierten. Lufthansa-Konkurrenten wie Ryanair oder Air Berlin warben um Umsteiger.

Sonderflugplan Lufthansa

Sonderflugplan Germanwings

dpa

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