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Deutschland / Welt Porsche-Betriebsrat plant Widerstand gegen Volkswagen
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt Porsche-Betriebsrat plant Widerstand gegen Volkswagen
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22:05 19.07.2009
Der Vorsitzende des Gesamtbetriebsrates der Porsche AG, Uwe Hück.
Der Vorsitzende des Gesamtbetriebsrates der Porsche AG, Uwe Hück. Quelle: Foto: Sascha Schuermann/ddp
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Niedersächsische Metaller suchen dringend nach Wegen, den Stuttgarter Betriebsratschef Uwe Hück zu beruhigen: Die Zusammenführung von Porsche und VW, heißt es in Wolfsburg, sei gut für alle betroffenen Arbeitnehmer.

Uwe Hück, ohnehin kein Mann der leisen Töne, drehte am Wochenende noch einmal richtig auf: „Die Porsche-Mitarbeiter haben in den vergangenen 14 Jahren galaktische Gewinne erzielt und werden jetzt auch galaktisch um die Eigenständigkeit von Porsche kämpfen“, sagte er „Bild am Sonntag“. Mit Blick auf den Porsche-Miteigentümer und VW-Aufsichtsratchef Ferdinand Piëch sagte Hück, die geplante Übernahme von Porsche diene einzig dazu, „den Traum von Herrn Piëch zu erfüllen“. Dieser müsse aber wissen: „Mit Polo-Teilen können Sie keinen Porsche bauen.“

Metaller in Stuttgart-Zuffenhausen zeigten sich entschlossen, gegen die Übernahme durch VW „Widerstand“ zu leisten: „Wir legen den Betrieb komplett lahm“, sagte ein Arbeitnehmervertreter dem Magazin „Focus“. Die Porsche-Arbeitnehmer stärken damit in den letzten Tagen vor der endgültigen Entscheidung noch einmal dem Aufsichtsratsvorsitzenden Wolfgang Porsche den Rücken, der für eine größtmögliche Eigenständigkeit der Stuttgarter kämpft. Der offizielle Beschluss zur Übernahme von Porsche durch VW wird für Donnerstag dieser Woche erwartet; in beiden Häusern tritt dann der Aufsichtsrat zusammen.

Porsche hatte sich bei dem Versuch, seinerseits VW zu übernehmen, finanziell verhoben. In die Porsche-Kalkulationen für die Banken war ein sogenannter Gewinnabführungsvertrag zulasten der Wolfsburger eingestellt worden – dem sich am Ende allerdings der 20-Prozent-Eigentümer Niedersachsen zu widersetzen vermochte. Damit verringerte sich die Kreditwürdigkeit der Stuttgarter. Hinzu kam, dass die von Porsche erhoffte Schwächung des Landes Niedersachsen durch einen Wegfall des VW-Gesetzes nicht zustande kam. Insider taxieren die bei Porsche aufgelaufenen Schulden inzwischen auf bis zu 14 Milliarden Euro.

In Gewerkschaftskreisen wird unterdessen nach Wegen gesucht, die schrillen Töne Hücks in Stuttgart zu dämpfen. „Der Mann ist sehr schwer zu steuern“, heißt es in der IG-Metall-Zentrale in Frankfurt. Kritiker Hücks deuten an, dass der Porsche-Betriebsrat nicht zuletzt um seine eigenen Einkünfte und Privilegien fürchte. Einige meinen gar, man müsse prüfen, ob sich in Stuttgart am Ende ein fragwürdiges Beziehungsgeflecht zeige, wie es in ähnlicher Form einst in Wolfsburg existierte, bevor die Affären um den früheren Betriebsrat Klaus Volkert aufgedeckt wurden.

Die niedersächsische Staatskanzlei wollte am Sonntag die Widerstandsankündigungen aus Stuttgart nicht kommentieren. Ein Sprecher sagte lediglich: „Ab Donnerstag muss der gemeinsame Erfolg gesucht werden.“