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Deutschland / Welt Porsche-Familie geht auf Distanz zu Piëch
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt Porsche-Familie geht auf Distanz zu Piëch
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14:53 12.04.2015
"Die Aussage von Herrn Dr. Piëch (rechts im Bild) stellt seine Privatmeinung dar, welche mit der Familie inhaltlich und sachlich nicht abgestimmt ist", ließ Wolfgang Porsche (links) mitteilen.
"Die Aussage von Herrn Dr. Piëch (rechts im Bild) stellt seine Privatmeinung dar, welche mit der Familie inhaltlich und sachlich nicht abgestimmt ist", ließ Wolfgang Porsche (links) mitteilen. Quelle: dpa
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Stuttgart

Im Machtkampf bei Volkswagen ist VW-Aufsichtsrat Wolfgang Porsche auf Distanz zu Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch gegangen. "Die Aussage von Herrn Dr. Piëch stellt seine Privatmeinung dar, welche mit der Familie inhaltlich und sachlich nicht abgestimmt ist", ließ Wolfgang Porsche als Vertreter der Porsche-Familie über einen Sprecher am Sonntag in Stuttgart der Deutschen Presse-Agentur mitteilen. Piëch war zuvor völlig überraschend von VW-Vorstandschef Martin Winterkorn abgerückt.

Zuvor hatten sich bereits VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh und der niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) hinter Winterkorn gestellt. Beide sitzen im VW-Aufsichtsrat.

Piëch sagte dem Nachrichtenmagazin "Spiegel": "Ich bin auf Distanz zu Winterkorn." Dies kommt einer Demontage des Vorstandschefs gleich. Der VW-Aufsichtsratschef sagte außerdem: "Ich strebe an, dass an die Spitze des Aufsichtsrats und des Vorstands die Richtigen kommen." Die Kandidaten dafür seien bereits im Unternehmen.

Im VW-Aufsichtsrat bräuchte es rein rechtlich eine Mehrheit von 11 aus 20 Stimmen, um Winterkorn abzusetzen. Zwar könnte Piëch als Vorsitzender von seinem Doppelstimmrecht Gebrauch machen. Er müsste aber auch noch die weiteren Mitglieder der Familien Porsche und Piëch auf der Arbeitgeberbank und das Land Niedersachsen auf seine Seite ziehen.

Besondere Machtarchitektur des Konzerns

 Die Machtfrage bei Volkswagen steht vor dem Hintergrund einer besonderen Konstellation aus Familienunternehmen, Börsenorientierung, Einfluss der öffentlichen Hand und einem starken Betriebsrat. Das alles spiegelt sich auch im 20-köpfigen Aufsichtsrat wider. Ihn leitet der VW-Patriarch und Großaktionär Ferdinand Piëch.

Der bald 78-Jährige war früher VW-Vorstandschef und gilt mit seinem Familienstamm Porsche/Piëch als Mittelpunkt der Macht. Der PS-Clan mit Wurzeln beim VW-Käfer-Ingenieur Ferdinand Porsche hält über seine schwäbische Porsche-Holding PSE die Mehrheit im VW-Konzern. Sie hängt an den stimmberechtigten Stammaktien der Wolfsburger.

Doch mit ihrer Stimmenmehrheit können die Porsches und Piëchs bei VW noch lange nicht durchregieren. Denn auf ihrer Kapitalseite stehen zwei der insgesamt zehn Aufsichtsratssitze dem zweitgrößten VW-Eigner Niedersachsen zu. Derzeit vertreten Ministerpräsident Stephan Weil und sein Wirtschafts- und Verkehrsminister Olaf Lies (beide SPD) die VW-Beteiligung des Landes im Kontrollgremium. Die Vergangenheit zeigte mehrfach, dass Arbeitnehmerseite und Land oft als Allianz agierten.

Die zehn Sitze des Arbeitnehmerflügels im Aufsichtsrat werden geführt von VW-Konzernbetriebsratschef Bernd Osterloh. Sowohl der Betriebsrat als auch das Land haben sich nach der Kritik von Piëch an Winterkorn hinter den VW-Chef gestellt und ihm damit demonstrativ den Rücken gestärkt.

Für eine Absetzung Winterkorns müsste der sich laut Aktiengesetz eine „grobe Pflichtverletzung“ zuschulden kommen lassen oder „unfähig zur ordnungsmäßigen Geschäftsführung“ sein. Das Mitbestimmungsgesetz regelt zudem, dass für sein Aus eine Zweidrittelmehrheit im Aufsichtsrat hermüsste.

dpa

11.04.2015
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