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Deutschland / Welt Porsche bekommt mehr Verantwortung und ein neues Modell
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20:55 29.11.2010
Martin Winterkorn (links), hier mit Porsche-Vorstand Matthias Müller, muss die Aktionäre überzeugen. Quelle: dpa
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Mit einer Kette guter Nachrichten bereitet Porsche den Weg für den heutigen Beschluss über eine Kapitalerhöhung. Die Porsche SE, schuldenbeladene Dachgesellschaft des Sportwagenbauers, sei in den drei Monaten August bis Oktober wieder profitabel gewesen, teilte das Unternehmen am Montag mit. Dann verkündete VW- und Porsche-Chef Martin Winterkorn in einer Betriebsversammlung, dass Porsche im VW-Konzern die Modulbaukästen für Sportwagen und Luxuslimousinen verantworten werde. Um diese Aufgaben hatten die Stuttgarter mit VWs etablierter Premiummarke Audi konkurriert. Und zum Schluss bekam Porsche noch grünes Licht für die Entwicklung eines kleinen Geländewagens namens „Cajun“.

Dennoch richtet sich die Porsche-Spitze auf eine schwierige Hauptversammlung ein. Es geht um einen entscheidenden Schritt auf dem Weg zur Fusion mit VW. Die Aktionäre sollen einer Kapitalerhöhung über 5 Milliarden Euro zustimmen, um die Schuldenberge der Porsche SE abzutragen. Normalerweise macht so etwas der kleine Kreis der Stammaktionäre unter sich aus, also die Familien Porsche und Piëch sowie das Emirat Katar. Doch diesmal werden auch die eigentlich stimmrechtslosen Vorzugsaktionäre gebraucht, eine bunte Mischung aus Banken, Fonds und Kleinanlegern. Mindestens 75 Prozent der Vorzugsaktionäre auf der Hauptversammlung müssen zustimmen, damit die Kapitalerhöhung kommt.

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Wochenlang war Hans Dieter Pötsch, Finanzchef bei VW und Porsche, auf Werbetour bei den Investoren. Der Erfolg ist an der Börse abzulesen: Seit Anfang November schoss der Porsche-Kurs von 37 auf 57 Euro. Entsprechend zuversichtlich ist Pötsch mittlerweile, dass die nötige Mehrheit zustande kommen wird. Der Autoexperte der Nord/LB, Frank Schwope, bleibt dagegen skeptisch: Der Erfolg der geplanten Kapitalerhöhung bei den Vorzugsaktien sei ungewiss, schreibt er in einer Analyse.

Die Aktionäre haben aber kaum Alternativen: Mitte 2011 laufen Kredite über mehrere Milliarden Euro aus. Ohne die Kapitalerhöhung kann Porsche nicht zahlen und die als Sicherheit verpfändeten VW-Aktien würden an die Banken fallen – Porsche verlöre seinen wichtigsten Vermögenswert.

Die Vorzugsaktionäre sollen neue Aktien für 2,5 Milliarden Euro kaufen, die andere Hälfte wird von den Stammaktionären kommen. Deren Beitrag ist praktisch sicher, denn die Familien Porsche und Piëch haben sich schon nach der gescheiterten VW-Übernahme im Sommer 2009 dazu verpflichtet. Am nötigen Geld in der Privatkasse fehlt es nicht mehr, denn VW kauft dem Autoclan dessen große Salzburger Handelsholding ab. Auch das wurde rechtzeitig vor der Hauptversammlung unter Dach und Fach gebracht. Offen ist bisher, ob auch Katar neue Stammaktien kauft oder eine Verringerung seines Porsche-Anteils von bisher 10 Prozent in Kauf nimmt.

Geht die Kapitalerhöhung über die Bühne, bleiben vor der Fusion noch zwei hohe Hürden. Die eine ist das deutsche Steuerrecht. Pötsch hat dort eine Unsicherheit ausgemacht, die VW bei einer Fusion Milliarden kosten könnte. Sei sie nicht auszuräumen, werde die Fusion mit der Porsche SE verschoben und nur die Porsche AG mit dem operativen Sportwagengeschäft gekauft. Das zweite Problem wartet in den USA, wo Investmentfonds Porsche auf Schadensersatz in Milliardenhöhe verklagen wollen. Sollte die Klage zugelassen werden, wird VW wohl ebenfalls die Fusion vermeiden und sich mit „Plan B“, der Übernahme der Porsche AG begnügen.

Auch auf der heutigen Hauptversammlung dürften Aktionäre mit dem Weg zum Gericht drohen. Schon auf der VW-Hauptversammlung wurde bis tief in die Nacht nach den letzten Details der geplatzten Übernahme durch Porsche gefragt. In den Unternehmen vermutet man dahinter vor allem die Suche professioneller Kläger nach Anfechtungsgründen, um gegen Hauptversammlungsbeschlüsse vor Gericht zu ziehen – und vielleicht einen lukrativen Vergleich zu schließen. In jedem Fall richte man sich auf eine lange Nacht ein, sagte ein Beteiligter: „Es wird sich hinziehen.“

Stefan Winter

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