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Deutschland / Welt Porsche muss die Bänder anhalten
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt Porsche muss die Bänder anhalten
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23:26 30.01.2009
Der Vorstandsvorsitzende der Porsche Automobil Holding SE, Wendelin Wiedeking Quelle: Sascha Schuermann/ddp
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In den Monaten von August 2008 bis Januar 2009 brach der Absatz um 27 Prozent auf 34 000 Sport- und Geländewagen ein, wie Porsche am Freitag auf der Hauptversammlung in Stuttgart mitteilte. Bis zur Jahresmitte will Porsche deshalb die Bänder nochmals an 19 Tagen anhalten, aber die 12 000 Mitarbeiter – anders als VW, BMW, Opel, Audi und Daimler – nicht in Kurzarbeit schicken.

„Wir können uns dem Markt weder im Neuwagen- noch im Gebrauchtwagengeschäft entziehen“, gestand Finanzvorstand Holger Härter vor den Aktionären ein. Wegen der weltweit schwachen Autonachfrage gab der Umsatz in der ersten Geschäftsjahreshälfte 2008/09 um 14,3 Prozent auf 3 Milliarden Euro nach. Auch beim Ertrag aus dem eigenen Fahrzeuggeschäft muss Porsche zurückstecken: Der operative Gewinn sei in etwa so stark wie der Absatz geschmolzen, räumte Vorstandschef Wendelin Wiedeking ein. Dank der positiven Effekte aus dem Besitz von inzwischen knapp 51 Prozent der Volkswagen-Stammaktien und Optionen auf weitere Anteile fiel der Konzerngewinn aber höher aus als die 1,66 Milliarden Euro im Vorjahr.

Um die Absatzeinbußen abzufedern, soll ein Sparprogramm deutlich mehr als 100 Millionen Euro einbringen. Die Produktion im Stammwerk in Stuttgart-Zuffenhausen fährt Porsche weiter zurück, um nicht auf Halde zu produzieren. An 19 weiteren Tagen stünden die Bänder in den kommenden Monaten bis zum Sommer still, die bereits elf Tage angehalten worden waren.

„Kurzarbeit oder gar Entlassungen stehen bei uns jedenfalls aktuell nicht auf der Agenda“, versicherte Wiedeking. Damit würde sich Porsche besser schlagen als die Wettbewerber, die Zehntausende Mitarbeiter in Kurzarbeit geschickt haben.

An dem seit drei Jahren verfolgten Plan, VW ganz unter die Kontrolle von Porsche zu bringen, will Wiedeking nicht rütteln. „Wir haben unseren Fahrplan nicht verändert“, sagte er. „Unser Ziel ist nach wie vor, die VW-Beteiligung in überschaubarer Zeit auf 75 Prozent der VW-Stammaktien aufzustocken, um den Weg für einen Beherrschungsvertrag freizumachen. Aber erwarten Sie jetzt kein Datum von mir.“

Mit einem Gewinnabführungsvertrag will sich Porsche Zugriff auf die Kasse von Volkswagen sichern, der eigentlich mit mehr als 75 Prozent des Stammkapitals möglich ist. Dem Durchgriff in Wolfsburg stehen bislang jedoch das VW-Gesetz und die Beteiligung des Landes Niedersachsen an VW entgegen.

von Hendrik Sackmann