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Deutschland / Welt Post-Briefsparte steht vor radikalem Umbau
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt Post-Briefsparte steht vor radikalem Umbau
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21:01 13.06.2010
Das rückläufige Briefgeschäft macht der Post zu schaffen. Nun plant das Unternehmen ein Sparprogramm. Quelle: dpa
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Das Projekt mit dem Namen „One“ solle noch im Spätsommer beginnen und sei kürzlich vor rund 50 Führungskräften vorgestellt worden. Die Deutsche Post wollte die Spekulationen am Sonnabend nicht kommentieren. Der Briefmarkt sei tendenziell rückläufig – unter anderem, weil immer mehr Mitteilungen per E-Mail versandt würden, sagte ein Postsprecher allerdings. In der Briefsparte müsse die Post deshalb jede Möglichkeit der Kosteneinsparung prüfen, um am Markt zu bleiben.

In dem Magazinbericht heißt es, dass sich Post-Vorstand Jürgen Gerdes größere Einsparungen durch den Verkauf der 350 Postfilialen erhoffe, die der Konzern noch in Eigenregie betreibe. Die ehemalige Konzerntochter Postbank habe Interesse an 277 Filialen. Sie könne mehr als 100 Millionen Euro zahlen und auch Mitarbeiter übernehmen. Im Mai hatte das Unternehmen bestätigt, mit der Postbank über eine Übernahme von Filialen zu verhandeln. Angepeilt wurde demnach ein Verkauf zum 1. Juli. Bereits im vergangenen August hatte die Post angekündigt, sich bis Ende 2011 von allen selbst betriebenen Filialen zu trennen. Sie sollten von Partnern vor allem im Einzelhandel übernommen werden.

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Nach Angaben der „Wirtschaftswoche“ erwägt die Post außerdem, in ausgewählten Bezirken Pakete und Briefe gemeinsam zustellen zu lassen, wie es in Teilen Hamburgs bereits praktiziert werde. Langfristig stehe auch das Netz der 82 Brief- und 33 Paketzentren auf dem Prüfstand. Einigen Zentren könne die Schließung drohen.

Bei der Zustellung könne ebenfalls gespart werden. So könnten weniger Briefe innerhalb eines Tages zugestellt werden. Bisher betrage hier die Quote 95 Prozent, die gesetzliche Mindestanforderung liege bei 80 Prozent. Ziel könne auch ein Zustellung an nur noch fünf Tagen sein, hieß es.

Das größte Sparpotenzial sehen die Post-Manager den Angaben zufolge beim Personal. Die Briefsparte beschäftige 143 000 Mitarbeiter, die Hälfte davon in der Zustellung. Kündigungen seien bis Mitte 2011 ausgeschlossen – doch die Post verlagere zunehmend Arbeit an ihre Niedriglohn-Tochter First Mail, die einen Stundenlohn von 9,80 Euro zahle. Im Konzern liege der Lohn im Schnitt bei 14 Euro.

Im ersten Quartal dieses Jahres hat die Deutsche Post DHL von der Erholung der Konjunktur profitiert, Umsatz und Gewinn legten zu. Der jahrelange Gewinnbringer – das klassische Briefgeschäft – lahmte hingegen wegen des Vormarschs von E-Mails. Der Geschäftsbereich DHL mit Fracht, Express und Logistik soll die Rückgänge beim Brief ausgleichen. Für 2010 rechnet die Post beim Briefumsatz mit einem Rückgang um 3 Prozent gegenüber Vorjahr. Das Ergebnis soll mit dem neuen Online-Brief stabilisiert werden. Insgesamt erwartet die Post für 2010 ein Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Sonderposten zwischen 1,6 und 1,9 Milliarden Euro, nach 1,47 Milliarden Euro im Jahr 2009. Erstmals soll das DHL-Geschäft etwa so viel zum Gewinn beisteuern wie die Briefsparte.

ap/dpa