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Deutschland / Welt Postbank ist großzügig mit Kundendaten
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt Postbank ist großzügig mit Kundendaten
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23:10 26.10.2009
Von Albrecht Scheuermann
Quelle: ddp
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Dazu bräuchten sie nur den Namen und das Geburtsdatum des jeweiligen Kunden, berichtet die Stiftung Warentest, die darin einen systematischen Verstoß gegen Datenschutz-Bestimmungen sieht. Die Postbank wiegelt jedoch ab. „Das in der Zeitschrift ,Finanztest‘ dargestellte Verfahren der Datenweitergabe von der Postbank an die Postbank Finanzberatung entspricht nicht den Tatsachen“, heißt es in einer Stellungnahme.

Wie die von der Stiftung Warentest herausgegebene Zeitschrift „Finanztest“ in ihrer Onlineausgabe berichtet, sehen die als freie Handelsvertreter arbeitenden Postbank-Mitarbeiter nicht nur den jeweiligen Kontostand, sondern haben auch Einblick in sämtliche Kontobewegungen von Postbank-Kunden. Nach Darstellung der Postbank ist jedoch alles in bester Ordnung. Die für die Gesellschaft tätigen Handelsvertreter träten ausschließlich „im Namen und im Auftrag der Deutschen Postbank AG“ als Finanzberater auf. „Die Weitergabe von Kunden- oder Kontodaten erfolgt anlassbezogen unter strengster Beachtung der datenschutzrechtlichen Bestimmungen. Dafür ist keine gesonderte Einwilligung des Kunden erforderlich, da die Datenerhebung, -verarbeitung und -nutzung im Rahmen der Vertragsbeziehung erfolgt“, erklärte das Geldinstitut.

Das Verfahren sei mit dem dafür zuständigen Datenschutzbeauftragten des Landes Niedersachsen abgestimmt, erklärte ein Postbank-Sprecher. Die Finanzberater dürften die ihnen im Rahmen der Aufgabenerledigung bekannt gewordenen Daten ausschließlich zu diesem Zweck verarbeiten und nutzen. Sofern es zu Verstößen gekommen sei, werde die Postbank entschieden dagegen vorgehen.

Damit reagiert das Geldhaus auf die Nachricht von „Finanztest“, dass der Zeitschrift auch die Kontodetails von prominenten Postbank-Kunden vorliegen. Genannt werden der Axel-Springer-Chef Mathias Döpfner sowie der frühere Präsident von Borussia Dortmund, Gerd Niebaum.

Bei den Postbank-Mitarbeitern handelt es sich im Wesentlichen um den im Jahr 2006 übernommenen Außendienst des Hamelner Baufinanzierers BHW, der von der Postbank erworben wurde. Laut „Finanztest“ können sie auch dann in Kontodaten Einblick nehmen, wenn der Postbank-Kunde einer solchen Weitergabe nicht zugestimmt hat. Die Daten sollen demnach den Postbank-Außendienstlern bei ihrer Arbeit helfen. Auf diese Weise erfahren sie zum Beispiel vom Eingang eines größeren Geldbetrages und können entsprechende Anlagevorschläge machen.

Die Postbank hat nach eigenen Angaben etwa 15 Millionen Kunden. Ein beträchtlicher Teil von ihnen hat den Verbraucherschützern zufolge bislang keine Einwilligungserklärung unterschrieben, die eine solche Weitergabe der Kontodaten erlauben würde. Aber selbst im Fall, dass eine solche Erklärung vorliegt, bewegt sich die Postbank möglicherweise außerhalb des geltenden Rechts, weil diese sich nicht auf sämtliche Kontobewegungen bezieht. Die Postbank gehört zu einem Viertel der Deutschen Bank, die eine Komplettübernahme in den nächsten Jahren anstrebt.