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Deutschland / Welt Preiskampf trifft Aldi und Lidl hart
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt Preiskampf trifft Aldi und Lidl hart
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20:47 03.04.2009
Von Lars Ruzic
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Aldi und Lidl ist es nicht gelungen, neue Kunden zu gewinnen. Quelle: Johannes Eisele/ddp
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In den ersten zwei Monaten hat Aldi nach Berechnungen der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) 4,6 Prozent seiner Einnahmen verloren, wobei sich die Lage im Februar mit einem Minus von 7,4 Prozent noch einmal verschlechtert habe. Auch Lidl, die Nummer zwei, musste Rückgänge von 6,2 Prozent hinnehmen. Beide schnitten schlechter ab als die Konkurrenz und haben nach Angaben der „Lebensmittel-Zeitung“ entsprechend Marktanteile verloren.

Dabei hatten sich gerade Aldi und Lidl zu Jahresbeginn mächtig ins Zeug gelegt, um die Kunden auf ihre Seite zu ziehen. Vier Preisrunden haben sie bereits angestoßen – oft mit Senkungen um 20 Prozent und mehr. Vor allem umsatzstarke Artikel aus den Bereichen der Molkereiprodukte, Fleisch und Geflügel waren betroffen. Lidl hat zudem erstmals eine teure Werbekampagne mit Fernsehspots aufgelegt. Gleichwohl sei für beide der erhoffte „Schub bisher ausgeblieben“, sagte GfK-Marktforscher Wolfgang Twardawa dem Fachblatt. Das Kalkül, mit den Preissenkungen zusätzliche Kunden in die Läden zu locken, sei offensichtlich nicht aufgegangen, heißt es in der Branche. Deshalb schlage sich der Preiskampf nun in der Umsatzentwicklung nieder.

Hintergrund der Preiskämpfe sind vor allem die stark gefallenen Kosten auf den Beschaffungsmärkten. Hinzu kommt jedoch eine Umwälzung des Discountermarktes. Mit der Übernahme der einstigen Tengelmann-Tochter Plus ist die Edeka mit ihrer Kette Netto zu einer starken Nummer drei aufgestiegen. Weil auf Druck der Kartellbehörden auch Filialen an Rewe gehen mussten, geht auch die Discountermarke der Kölner, Penny, gestärkt aus der Übernahme hervor.

Die Hamburger Edeka stellt derzeit bis zu 50 Plus-Läden in der Woche auf das Netto-Konzept um, das etwa ein breiteres Sortiment und einen höheren Frischeanteil vorsieht. Anschließend würden die meisten Geschäfte „erfreuliche“ Umsatzzuwächse zeigen, sagte ein Sprecher.

Die Preise von Aldi und Lidl hat die Konkurrenz ohnehin. Denn bei wichtigen Eckartikeln werden Preisvorstöße eines Anbieters meist noch am selben Tag vom Rest der Branche nachvollzogen. Selbst die klassischen Supermärkte verfügen heute über Eigenmarken, die das Preisniveau der Discounter widerspiegeln. Hinzu kommt, dass in bestimmten Segmenten wie etwa den Drogeriewaren spezialisierte Discounter den Alteingesessenen zunehmend das Wasser abgraben. So hat die Burgwedeler Drogeriekette Rossmann gegen den allgemeinen Branchentrend im ersten Quartal ein Plus von 8,7 Prozent verbucht.