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Deutschland / Welt Qimonda: Bund weigerte sich, Finanzlöcher zu stopfen
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt Qimonda: Bund weigerte sich, Finanzlöcher zu stopfen
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19:19 23.01.2009
Der Speicherchiphersteller Qimonda ist pleite. Quelle: Joerg Koch/ddp
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Ziel Qimondas sei es nun, „wesentliche Unternehmensteile im Rahmen der Insolvenz zu sanieren“, erklärte Unternehmenschef Kin Wah Loh. Das Unternehmen wolle seinen bereits begonnenen Sanierungsprozess beschleunigen. Eine der Hauptursachen für die Insolvenz sei der rasante Preisverfall bei sogenannten DRAM-Speicherchips, wie sie in jedem Heimcomputer als Arbeitsspeicher zu finden sind. Der Markt steht seit Jahren unter Druck, insbesondere durch Billigprodukte in Asien.

Zusätzlich zu den schwindenden Einnahmen aus dem Geschäft mit Speicherchips habe Qimonda immer schlechter Zugang zu Krediten erhalten, teilte der Konzern mit. Zwar habe das Unternehmen noch im Dezember einen Kredit von 325 Millionen Euro vom Bund, dem Land Sachsen, der Konzernmutter Infineon sowie dem portugiesischen Staat zugesagt bekommen. Jedoch habe dieses Finanzierungspaket „nicht rechtzeitig abgeschlossen werden können“. Zudem hätten die Verzögerungen bei den Verhandlungen über das Rettungspaket dafür gesorgt, dass sich der Finanzbedarf Qimondas noch weiter erhöht habe. Medienberichten zufolge braucht der Speicherchiphersteller das Doppelte der im Dezember zugesagten Summe.

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An dem Rettungspaket war das Land Sachsen mit 150 Millionen Euro beteiligt, 75 Millionen Euro sollten von Infineon kommen und 100 Millionen Euro von der portugiesischen Entwicklungsbank. Qimonda hat nahe der nord-portugiesischen Stadt Porto einen bedeutenden Standort.

In Sachsen, wo am Standort Dresden rund 3000 von deutschlandweit 5000 Qimonda-Beschäftigten arbeiten, reagierte Wirtschaftsminister Thomas Jurk (SPD) mit Bestürzung. Der Freistaat sei mit seinen finanziellen Zusagen von 150 Millionen Euro „an die Grenze des Vertretbaren gegangen“. Es sei „alles versucht“ worden, um Qimonda zu helfen. Jedoch sei es dem Chip-Hersteller „nicht gelungen“ ein langfristig tragfähiges Sanierungskonzept vorzulegen.

Bei einem neuen Gespräch mit Vertretern des Bundes, Sachsen, Bayerns, Portugals sowie Infineons am Mittwoch habe Qimonda seinen weiteren Finanzbedarf offen gelegt, erklärte Jurk. Jedoch habe sich keiner der Teilnehmer „in der Lage gesehen, sich auf der Grundlage der dort vorgelegten Finanzierungskonzepte zu engagieren.“ Sachsen werde nun versuchen, alle Möglichkeiten zu nutzen, die sich aus dem Insolvenzverfahren von Qimonda ergeben. In dem Freistaat arbeiten insgesamt rund 43.000 Menschen in den Bereichen Mikroelektronik und Informationstechnologie.

Das Amtsgericht München setzte den Münchner Rechtsanwalt Michael Jaffé als Insolvenzverwalter für Qimonda ein. Wie ein Sprecher Jaffés sagte, wollte sich dieser noch am Freitag über die Lage des Chip-Konzerns informieren. Jaffé war als Insolvenzverwalter des Medienkonzerns KirchMedia bundesweit bekannt geworden. Später wurde er Insolvenzverwalter beim Plüschtierhersteller Nici und zuletzt beim Wohnwagenhersteller Knaus-Tabbert.

Jaffé steht in dem Ruf, in Insolvenzverfahren nicht die Abwicklung eines Unternehmens zu betreiben. Bei KirchMedia gelang ihm der Verkauf der Sendergruppe ProSiebenSat.1, auch für Nici und Knaus-Tabbert fand Jaffé Investoren, die die Geschäfte weiter führten. Qimonda erklärte, das Unternehmen gehe davon aus, „den Geschäftsbetrieb mit Unterstützung des Insolvenzverwalters fortführen zu können“.

afp