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Deutschland / Welt Qimonda hält Geschäftsbetrieb aufrecht
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt Qimonda hält Geschäftsbetrieb aufrecht
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17:08 24.01.2009
Ein Firmenschild des Speicherchipherstellers Qimonda in München Quelle: Joerg Koch/ddp
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Qimonda habe „von Anfang an mit offenen Karten gespielt“, sagte ein hochrangiger Manager des Unternehmens der „Welt am Sonntag“. Die Pleite bringt indes offenbar auch die bisherige Konzernmutter Infineon in Schwierigkeiten. Der Chef des Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH), Robert Blum, warf derweil der Europäischen Union vor, Qimonda zu wenig geschützt zu haben.

Der Speicherchiphersteller hatte am Freitag Insolvenzantrag gestellt. Ein Tag zuvor war bekanntgeworden, dass Qimonda weiteren Finanzierungsbedarf angemeldet hatte und das bereits im Dezember ausgehandelte Rettungspaket in Höhe von 325 Millionen Euro für ein Darlehen nicht ausgereicht hätte.

Nach Unternehmensangaben betrifft der Insolvenzantrag die Standorte München und Dresden. An beiden zusammen arbeiteten bis zur Verkündung der bisherigen Restrukturierungspläne von Qimonda im Herbst rund 4600 Mitarbeiter. Vorgesehen war, bis zum Sommer 2009 allein in Dresden ein Drittel der rund 3000 Stellen abzubauen.

Unter Beibehaltung dieser Pläne bestehe weiterhin das Ziel, den Geschäftsbetrieb aufrechtzuerhalten, sagte Qimonda-Sprecher Ralph Heinrich am Samstag. Der vom Amtsgericht München zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellte Münchner Fachanwalt für Insolvenzrecht, Michael Jaffé, hatte bereits am Freitag angekündigt, Mitarbeiter und Öffentlichkeit zeitnah und umfassend über die nächsten Schritte zu informieren.

Zur Begründung für die Pleite hatte Qimonda den massiven Preisverfall bei Speicherchips in Kombination mit dem „dramatisch verschlechterten Zugang zu Finanzierungen auf den Kapitalmärkten“ angegeben. Nach Informationen der „Welt am Sonntag“ hatte der Konzern bereits Ende Dezember mit ersten Überweisungen aus dem Hilfspaket gerechnet. Wegen der Verzögerung habe man Investitionen nicht vornehmen und so die Produktionskosten nicht drücken können, hieß es. Zudem waren die Preise für Speicherchips weiter gesunken. Dadurch entstand im Rettungskonzept eine Lücke von 300 Millionen Euro.

Davon hätte Qimonda nach Angaben eines ungenannt bleibenden Managers insgesamt 100 Millionen Euro „aus selbst organisierten Finanzierungsmaßnahmen“ beisteuern können. Mit einer zusätzlichen „Bürgschaft über 200 Millionen Euro“ hätte die Insolvenz vermieden werden können, fügte der Insider hinzu. „Die Bürgschaft hätte uns Spielraum verschafft. Dann wäre Zeit gewesen, bis Ende Februar das Rettungspaket über 325 Millionen Euro zu schnüren“, sagte er dem Blatt. Auf ein Darlehen in entsprechender Höhe hatten sich der Freistaat Sachsen, der Mutterkonzern Infineon und das Land Portugal schon im Dezember geeinigt.

IWH-Chef Blum warf unterdessen der EU vor, beim Schutz von Qimonda vor asiatischer Billigkonkurrenz versagt zu haben. Möglich gewesen wären etwa Strafzölle auf die durch die „Subventionsflut in Asien“ unter „verzerrten Bedingungen hergestellten Chips“.

Laut „Spiegel“ drohen dem Mutterkonzern Infineon durch den Insolvenzantrag von Qimonda Belastungen in dreistelliger Millionenhöhe etwa für Abfindungen, Kartellverfahren oder die Rückzahlung von öffentlichen Fördermitteln. Bis 2010 müsse das Unternehmen zwei Anleihen im Wert von über 900 Millionen Euro zurückzahlen und Kredite in Höhe von rund 300 Millionen Euro verlängern. Die vom Infineon-Management vorgesehene Kapitalaufstockung bis zu 450 Millionen Euro dürfte nach der Qimonda-Pleite vorerst kaum möglich sein, hieß es.

ddp