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Deutschland / Welt RWE-Chef poltert zum Abschied gegen Atomausstieg
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10:35 20.04.2012
RWE-Chef Großmann hat seinen letzten großen Auftritt als Konzernlenker. Quelle: dpa
Essen

„Wir akzeptieren das Primat der Politik, aber wir halten die Beschlüsse der Bundesregierung rund um die Kernenergie nicht für rechtens“, sagte der 60-Jährige am Donnerstag auf der Hauptversammlung des Konzerns in Essen. RWE habe deswegen auch im Februar eine Verfassungsbeschwerde gegen die Novelle des Atomgesetzes eingereicht.

Großmanns Nachfolger Peter Terium saß derweil drei Plätze neben ihm und hielt sich zurück. Das Atommoratorium von Bundeskanzlerin Angela Merkel halte er ebenso für rechtswidrig wie die Kernbrennstoffsteuer, sagte Großmann vor den rund 4000 Aktionären. „Eine richterliche Bewertung nützt allen, am Ende auch dem Rechtsfrieden.“ Im vergangenen Jahr war bereits der Konkurrent e.on gegen den Atomausstieg vor das Bundesverfassungsgericht gezogen. Beide Energieriesen betonen, dass es ihnen nicht um das Wiederanfahren der 2011 abgeschalteten Atomkraftwerke gehe. Sollte nach dem – wohl mehrere Jahre dauernden – Verfahren die Atomwende für verfassungswidrig erklärt werden, hoffen die AKW-Betreiber jedoch auf Entschädigungen in Milliardenhöhe.

Großmann hat sich wie kein anderer Manager für die Atomenergie in die Bresche geworfen und damit auch Proteste provoziert. Im vergangenen Jahr wurde der Zweimetermann während der Hauptversammlung von einem Leibwächter von AKW-Gegnern abgeschirmt. Tumulte blieben dieses Mal aus. Auch am Donnerstag demonstrierten jedoch vor der Essener Grugahalle Dutzende Umweltschützer gegen Atom- und Kohlekraftwerke. „Schluss mit Atomkraft“ und „Castor stoppen“, stand auf Transparenten. „Stoppt die Klimakiller“, schallte es aus einem Lautsprecher.

Von Aktionärsschützern hingegen erhielt Großmann Zustimmung für seinen Atomkurs. „Die Klagen, die sie eingereicht haben, sind richtig“, sagte Marc Tüngler von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz. Es sei besser, einmal eine Meinung zu viel zu haben als sich zu ducken: „Großmann ist der Unbeugsame.“ Andere äußerten sich zurückhaltender. „RWE tut gut daran, sich auf die Zeit nach der Kernenergie vorzubereiten“, sagte Ingo Speich, Portfoliomanager von Union Investment.

Großmanns Amtszeit glich einer Berg-und-Tal-Fahrt. Mit viel Schwung hatte der Eigentümer der Stahlfirma Georgsmarienhütte bei RWE begonnen. Wenige Monate nach seinem Antritt im Jahr 2007 hob er die Ökostromtochter RWE Innogy aus der Taufe. Nach der Zurückhaltung unter Harry Roels traute sich RWE wieder größere Zukäufe wie die 8 Milliarden Euro teure Übernahme des niederländischen Versorgers Essent zu.

In Erinnerung bleiben wird aber wohl vor allem Großmanns Einsatz für die Atomenergie. Auf den Sieg mit der Laufzeitverlängerung 2010 folgte der Absturz 2011: RWE musste nach Fukushima sein AKW Biblis stilllegen. Die Gewinne brachen weg. Der Aktienkurs schmolz in Großmanns Amtszeit um gut die Hälfte. Der RWE-Chef gibt im Juli seinen Posten an den Niederländer Terium ab. Dieser will das Geschäft mit Ökostrom ausbauen und die Einbußen durch die Atomwende mit dem Verkauf von Beteiligungen, Einsparungen und einem Stellenabbau kontern.

Tom Kackenhoff

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