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Deutschland / Welt RWE im „Tal der Tränen“
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt RWE im „Tal der Tränen“
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17:33 28.01.2014
Wegen der Energiewende sind die alten Kraftwerke nicht mehr rentabel. Der Energiekonzern RWE muss deshalb die Bilanz um drei Milliarden Euro nach unten korrigieren. Quelle: dpa
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Essen

Die deutschen Versorger bekommen die Energiewende immer heftiger zu spüren. Der Essener Stromriese RWE – nationale Nummer zwei nach Eon – musste am Dienstag mehr als drei Milliarden Euro abschreiben, weil die Gas- und Steinkohlekraftwerke kaum noch Geld verdienen oder sogar rote Zahlen schreiben. Ein spektakulärer Schritt, der RWE nach Analysteneinschätzung insgesamt sogar erstmals in die Verlustzone drücken könnte.

Konkurrent Eon hat bereits mehrere konventionelle Kraftwerke abgeschaltet, branchenweit sind mehr als 40 Blöcke bei der Bundesnetzagentur zur Abschaltung angemeldet. Praktisch alle Anbieter, darunter auch viele Stadtwerke, stöhnen über ihre verlustreichen Kraftwerksbeteiligungen.

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Bei RWE soll das sogenannte nachhaltige Netto, aus dem nach Abzug von Sondereinflüssen die Dividende errechnet wird, aber konstant bleiben, wie das Unternehmen betont. Für die 2013er-Dividende hatten die Essener bereits eine Halbierung auf einen Euro je Aktie angekündigt und damit wütende Reaktionen einiger kommunaler Aktionäre geerntet. Die Millionen aus den RWE-Beteiligungen sind in den Stadthaushalten fest eingeplant. Noch weniger Ausschüttung geht aus Sicht vieler Kämmerer auf keinen Fall.

RWE steht in der Dividendenpolitik also mit dem Rücken zur Wand. Analysten fragen sich nur, wo das Geld für die Dividenden herkommen soll, wenn die Gewinne so stark schrumpfen. Das SPD-regierte Nordrhein-Westfalen hofft zur Besserung auf einen sogenannten Kapazitätsmarkt - das heißt Extra-Prämien für das Liefern einer gesicherten Stromleistung rund um die Uhr aus fossilen Kraftwerken. Auch Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel betont in seinem Eckpunktepapier, dass mittelfristig ein solcher Hilfsmechanismus geschaffen werden könnte.

Neue Energien drücken auf den Markt - und die Preise

Viele Jahre zählte die Stromerzeugung zu den wichtigsten Gewinnbringern der Branche. Seine jetzt laufenden konventionellen Kraftwerke hat RWE mit rund 50 Euro pro Megawattstunde kalkuliert. Tatsächlich bringen die üblichen Terminkontrakte für 2014/2015 aber nur 37 bis 38 Euro, weil die stark gewachsenen Erneuerbaren Energien mit Macht auf den Markt und die Preise drücken. RWE-Chef Peter Terium sprach Ende vergangenen Jahres vom „Tal der Tränen“ für sein Unternehmen. RWE streicht Tausende Stellen in Deutschland.

Die Lage des Unternehmens sei ernst, wenn auch nicht existenzgefährdend, sagt ein Insider. Schließlich hat RWE immer noch seine Gewinne aus dem Vertrieb, dem internationalen Strom- und Energiehandel und aus den Netzen. Der Anteil der konventionellen Erzeugung am Betriebsergebnis liegt bei RWE bei knapp einem Fünftel, Eon hat noch einen etwas niedrigeren Anteil.

Aber beide Konzerne haben mit hohen Verschuldungen um die 30 Milliarden Euro oder darüber ihre Kräfte aufs Äußerste angespannt. Seit Jahren fällt der Kurs. Und die ausbleibenden Gewinne in der konventionellen Erzeugung, die letztlich auf den Marktumbau der Energiewende zurückzuführen sind, rauben vielen Versorgern das Geld auch für Investitionen in erneuerbare Energien - und damit für die Zukunft.

Letztlich sind dies Folgen großer Umwälzungen auf dem deutschen Energiemarkt: Die Großen wie RWE und Eon verlieren Marktanteile, ihre Kraftwerke rechnen sich weniger, die Energieversorger wird kleinteiliger und dezentraler.

RWE kündigte zuletzt Mitte Januar weitere Investitionskürzungen bei seiner Erneuerbaren-Tochter RWE Innogy an. Bei den Wertberichtigungen sind neben konventionellen Kraftwerken, die mit 2,9 Milliarden Euro den Löwenanteil ausmachen, auch Erneuerbare Energie-Anlagen beteiligt. "Abschreibungen reflektieren ja einen Blick nach vorne. Offenbar ist RWE der Ansicht, dass die Aussichten mittelfristig nicht so gut stehen", sagt Equinet-Analyst Michael Schäfer.

dpa

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