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Deutschland / Welt Ramsauer rüffelt Bahn wegen Zugausfällen
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt Ramsauer rüffelt Bahn wegen Zugausfällen
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17:02 02.02.2010
Schlechte Werbung: Viele Reisende fragen sich wegen der ICE-Probleme, wohin im Winter die Reise mit der Bahn geht. Quelle: dpa
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Angesichts winterbedingter Zugausfälle und Verspätungen nimmt Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) die Deutsche Bahn und die Industrie in die Pflicht. Dass ICE-Züge nicht führen, „nur weil Pulverschnee die Elektronik lahmlegt, ist für die Bahnhersteller blamabel“, sagte Ramsauer der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ vom Dienstag. Der Fahrgastverband Pro Bahn kritisierte, noch immer fielen zu viele Züge aus.

Ramsauer sagte, er erwarte von der deutschen Industrie, „dass ihre Züge bei minus 40 Grad in Sibirien und bei plus 40 Grad auf der Arabischen Halbinsel fahren“. Schließlich wolle die Industrie ihre Züge auch dorthin verkaufen, sagte der Minister. Von der Deutschen Bahn wiederum erwarte er Pünktlichkeit, Schnelligkeit, Sicherheit und Sauberkeit. Um dies zu gewährleisten, müsse der Konzern „höhere Anforderungen an die Bahnindustrie stellen“.

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Das Staatsunternehmen müsse sich aber auch fragen, ob es bei der Wartung genug unternehme, um die Züge in Schuss zu halten, sagte Ramsauer. Wegen eines hohen Kostendrucks seien in den vergangenen Jahre andere Ziele vernachlässigt worden. Dadurch sei in den Hintergrund gerückt, „dass die Bahn dem Gemeinwohl verpflichtet ist“, sagte Ramsauer.

Wann ein neuer Anlauf für einen teilweisen Börsengang der Bahn wieder in Angriff genommen wird, ließ Ramsauer offen. „Dafür muss zunächst die Zeit an den Märkten reif sein“, sagte der CSU-Politiker. Die Bahn sei kein rein an kaufmännischen Überlegungen orientiertes Unternehmen, das auf einen Börsengang getrimmt werden könne. „Der Konzern muss immer auch die Bedürfnisse der Kunden und des Staates im Blick haben“, sagte Raumsauer. Bei der Deutschen Bahn sorgen die winterlichen Verhältnisse seit Wochen für Zugausfälle und Verspätungen.

Bei der Deutschen Bahn waren besonders in der Vorweihnachtszeit viele Züge ausgefallen. Das Unternehmen muss viele seiner Züge wegen Achsproblemen derzeit deutlich häufiger warten als zuvor. Dadurch stehen ständig weniger Züge zur Verfügung. Hinzu kamen Ausfälle durch das kalte Winterwetter. Ein Sprecher der Bahn wollte sich zur Kritik Ramsauers nicht äußern. Ein weiterer Sprecher sagte aber, derzeit gebe es kaum noch Zugausfälle. Auch würden inzwischen die ICE-Züge nur noch selten auf die Hälfte der normalen Länge gekürzt, wie es eine zeitlang auf vielen Strecken die Regel war.

Ein anderes Bild zeichnete der Fahrgastverband Pro Bahn: „Nach wie vor gibt es bundesweit eine instabile Fahrplan-Lage“, sagte ein Sprecher der Nachrichtenagentur AFP. Schwierigkeiten gebe etwa auf den Strecken von Berlin nach Köln und nach Düsseldorf. Dort würden weiterhin häufig nur halbe Züge eingesetzt. Damit komme es zu Problemen bei Platzreservierungen, außerdem müssten Fahrgäste häufiger umsteigen. Auch auf den Strecken München-Dortmund und München-Berlin gebe es weiter entsprechende Ausfälle.

Der Pro-Bahn-Sprecher kritisierte, die Schwierigkeiten entstünden, weil die Bahn nicht ausreichend Ersatzzüge habe. Schon kleine Probleme hätten daher „erhebliche Auswirkungen“. Auch kläre die Bahn ihre Kunden weiterhin nicht ausreichend über die Ausfälle und Verspätungen auf. Das gelte für Informationen auf den Bahnsteigen, aber auch schon bei der Buchung. Hier sei „keine Besserung festzustellen“, klagte Pro Bahn.

afp