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Deutschland / Welt Hapag-Lloyd und CSAV machen Fusion perfekt
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt Hapag-Lloyd und CSAV machen Fusion perfekt
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12:44 17.04.2014
Foto: Das Containerschiff „Kyoto Express“ der Reederei Hapag-Lloyd.
Das Containerschiff „Kyoto Express“ der Reederei Hapag-Lloyd. Quelle: Christian Charisius
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Hamburg

Seit Dezember hat Deutschlands führende Containerreederei Hapag-Lloyd eine Kooperation mit dem chilenischen Konkurrenten CSAV ausgelotet. Nun haben die beiden Konzerne ihren Zusammenschluss vertraglich unter Dach und Fach gebracht.

Damit haben sich die beiden Containerreedereien zu einem neuen Schwergewicht in der weltweiten Schifffahrtsbranche zusammengeschlossen. Am Mittwoch unterzeichneten sie in Hamburg einen bindenden Vertrag über die Zusammenlegung des Containergeschäfts, wie die Unternehmen am späten Abend mitteilten. Der Hauptsitz des neuen Unternehmens bleibe Hamburg. Zudem werde Hapag-Lloyd für das Lateinamerikageschäft eine Regionalzentrale in Chile aufbauen. Durch den Zusammenschluss entsteht das weltweit viertgrößte Unternehmen der Branche mit einem Gesamtumsatz von rund 12 Milliarden Dollar (8,7 Milliarden Euro). Die Waren in mehr als rund 7 Millionen TEU (Standardcontainer) jährlich werden von über 200 Schiffen transportiert.

Bei Hapag-Lloyd wird sich auch die Aktionärsstruktur ändern: Die Compañía Sud Americana de Vapores (CSAV) wird zunächst mit 30 Prozent beteiligt. Nach Abschluss der Transaktion ist eine Kapitalerhöhung von 370 Millionen Euro beschlossen, an der sich CSAV mit 259 Millionen Euro beteiligen wird. Entsprechend steigt ihr Anteil weiter auf 34 Prozent. Der Anteil der Altaktionäre, darunter der Logistikunternehmer Klaus-Michael Kühne, die Stadt Hamburg und der hannoversche Touristikkonzern TUI, liegt dann bei rund 66 Prozent.

TUI-Chef Fritz Joussen zeigte sich „sehr zufrieden“ mit dem erreichten Ergebnis. „Wir kommen dem endgültigen Rückzug aus der Containerschifffahrt näher, stärken unsere Rechte für mögliche Ausstiegsszenarien und sichern so Wert für unsere Aktionäre“, erklärte Joussen. Im Zuge der Fusion sinkt der TUI-Anteil an Hapag-Lloyd von 22 auf dann 15 Prozent an dem neuen Unternehmen.

Durch eine weitere Kapitalerhöhung über erneut 370 Millionen Euro reduziert sich der TUI-Anteil auf 13,9 Prozent. Sie soll über einen geplanten Börsengang erfolgen. Laut Joussen hat TUI mit den anderen Anteilseignern „verbindlich“ vereinbart, das neuformierte Unternehmen 2015 an die Börse zu bringen. Dabei besitze TUI ein „priorisiertes Verkaufsrecht“ ihrer Aktien. Im Vorfeld habe TUI zudem das Recht, die Aktien auch an einzelne Investoren zu verkaufen. Damit ist der Weg für einen vollständigen Rückzug bei Hapag-Lloyd geebnet, den TUI schon lange plante.

Die Branche ist seit Jahren von einer Krise gekennzeichnet. Überkapazitäten, ein harter Konkurrenzkampf und niedrige Frachtraten prägen das Geschäft - und bringen Verluste. Beide Unternehmen wiesen für 2013 erneut rote Zahlen aus, wenn auch deutlich geringere als im Vorjahr.

Um im weltweiten Markt schlagkräftig agieren zu können, schlossen sich die Konzerne zusammen. Seit Monaten haben sie daran gearbeitet, zu den Branchenriesen Maersk, MSC und CMA CGM aufzuschließen. Hapag-Chef Michael Berendt sprach von einem Meilenstein in der Geschichte von Hapag-Lloyd. CSAV-Chef Oscar Hasbún sieht das nun größere Unternehmen in einer erheblich verbesserten Wettbewerbsposition. Dem Zusammenschluss müssen die Wettbewerbsbehörden noch zustimmen.

Eine mächtige Familie steuert die CSAV

Die chilenische Compañía Sudamericana de Vapores (CSAV) spielt als einzige Containerreederei Lateinamerikas ganz vorn mit in der Weltliga. Mit rund 50 Schiffen und einem Umsatz von etwa
3 Milliarden Dollar rangiert das 1872 gegründete Traditionsunternehmen auf Platz 20 der Reedereien. Hinter dem Konzern steht die mächtige Luksic-Gruppe, deren Name auf die kroatische Einwandererfamilie zurückgeht, die heute eine der reichsten und einflussreichsten Unternehmerdynastien Chiles ist. Unter dem Dach der Holding Quiñenco konzentriert die Gruppe ihre Industrie- und Finanzaktivitäten, während sich die Antofagasta plc dem Bergbaugeschäft widmet. An der CSAV hält Quiñenco 46 Prozent der Anteile. Zusammen mit Heineken hat das Unternehmen auch beim Bierkonzern CCU das Sagen.

Von Almut Kipp und Carola Böse-Fischer (mit: dpa)