Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Deutschland / Welt Reedereien tun sich weiter schwer
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt Reedereien tun sich weiter schwer
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
21:12 02.11.2015
Die Schiffe werden immer größer, die Gewinne kleiner. Quelle: afp
Anzeige
Hamburg

Zwei Ereignisse haben in den vergangenen Tagen ein Schlaglicht auf die Lage der Schifffahrt geworfen: Die Hamburger Reederei Hapag-Lloyd musste ihren geplanten Börsengang erst verschieben und dann die Preisspanne senken, weil sich die Aktien nur schleppend verkauften. Am Dienstag soll der Ausgabepreis festgesetzt werden. Zuvor hatte der größte Schifffahrtskonzern der Welt, die dänische Maersk-Gruppe, an ihre Aktionäre eine offizielle Gewinnwarnung herausgegeben. Sie werde in der Schifffahrt nur noch 1,6 Milliarden Dollar verdienen, 600 Millionen Dollar weniger als erwartet.

Da drängt sich der Eindruck auf: Der Schifffahrt geht es nicht besonders gut. Doch Schifffahrtsexperten schauen differenziert auf die verschiedenen Märkte: „Es gibt immer noch Schiffe, die gute Gewinne einfahren“, sagt ein Branchenkenner. Das können zum Beispiel Gastanker sein oder Schiffe, die Getreide nach Afrika transportieren oder Eisenerz im asiatischen Raum.

Anzeige

Auch der Preis für den Transport eines Standardcontainers kann sehr unterschiedlich ausfallen, je nach Fahrtgebiet. Wer einen Container von Asien nach Europa transportieren lässt, zahlt am wenigsten. Das kostet für einen 40-Fuß-Container (FEU) kaum mehr als 400 bis 500 Dollar, das ist nur ungefähr ein Fünftel des Preises auf anderen Strecken. Die Rennstrecke von Asien nach Europa, die Schlagader für den Transport von Textilien und Spielwaren, Unterhaltungselektronik und Schuhen, ist der billigste Transportweg der Geschichte geworden. Jede Menge Schiffe sind dort unterwegs, und sie werden immer größer. Aber weniger Waren als erwartet müssen transportiert werden - ein Grund dafür, warum die deutsche Handelsflotte seit Jahren immer kleiner wird.

Doch ist die Schifffahrt keineswegs eine schrumpfende Krisenbranche. „Der Welthandel wächst stetig und damit grundsätzlich auch der Schiffstransport“, sagt Ralf Nagel, geschäftsführendes Präsidiumsmitglied beim Verband deutscher Reeder (VDR). So rechnet der Internationale Währungsfonds IWF mit einem Wachstum des Welthandels von 3,2 Prozent in diesem und 4,1 Prozent im nächsten Jahr. Der Containerumschlag soll nach der Beratungsfirma Clarkson in diesem Jahr um 4,3 Prozent zunehmen und 2016 um 6,8 Prozent. Doch gleichzeitig wächst die Transportkapazität in diesem Jahr um 7 Prozent, weil die Reedereien immer neue und größere Schiffe in Dienst stellen. So wuchs der Laderaum in den vergangenen Jahren stärker al der Bedarf, und die Transportpreise gingen nach unten.

Viele Reedereien können die Kapitalkosten für ihre Schiffe nicht mehr bedienen, was bei den Schifffahrtsbanken wie der HSH Nordbank zu neuen Problemen führt. Der Verkauf von Schiffen zu günstigen Preisen verschärft das Problem noch, wenn diese Schiffe nicht verschrottet werden, sondern im Markt bleiben. Sie sind mit geringeren Kapitalkosten belastet und darum konkurrenzfähig. Aus Sicht der Unternehmen ist das sinnvoll, für die Gesamtbranche aber verheerend, weil die Überkapazitäten sich verfestigen und die Krise zum Normalzustand wird.

Nun richten sich viele Hoffnungen auf die Eröffnung des erweiterten Panama-Kanals im nächsten Jahr. Er wird damit schiffbar für größere Frachter und könnte die Verschrottung älterer kleiner Schiffe anstoßen.

Von Eckart Gienke