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Deutschland / Welt Reisegutschein ist kein Ersatz für Geld
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt Reisegutschein ist kein Ersatz für Geld
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08:11 17.06.2014
Von Michael Zgoll
Bei langen Verspätungen steht Flugreisenden eine Entschädigung zu. Quelle: dpa
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Hannover

Wie Richter Siegfried Nerreter urteilte, muss die Fluggesellschaft den Klägern zudem den Anwalt zahlen, den diese zur Durchsetzung ihrer finanziellen Ansprüche engagiert hatten. Eine vierköpfige Familie wollte im Juli 2013 vom Airport Langenhagen nach Mallorca fliegen. Allerdings hob die TUIfly-Maschine nach Palma erst mit sechs Stunden Verspätung ab. Laut EU-Fluggastrechteverordnung stand der Familie damit eine Entschädigung von 400 Euro pro Person zu, insgesamt also 1600 Euro. Im Grundsatz bestritt TUIfly diesen Anspruch auch nicht - die Zahlung ließ allerdings auf sich warten.

Im August verschickten die verärgerten Fluggäste eine Zahlungsaufforderung, auf die im September eine Antwort folgte - in Form eines Gutscheins. Dieser hätte für eine beliebige Reise des TUI-Konzerns genutzt werden können, war jedoch auf zwei Jahre befristet. Die Eltern aber wollten keinen Gutschein als Schadensersatz, sondern Geld - und nahmen sich einen Rechtsanwalt. Daraufhin wurden ihnen die 1600 Euro im November ausgezahlt. Inzwischen ist auch klar, dass TUIfly den Großteil der Anwaltskosten zu tragen hat. „Die Kunden müssen wissen“, so Rechtsanwalt Lars-Hendrik Heims, „dass sie sich bei begründeten Entschädigungsansprüchen gegen eine Fluggesellschaft nicht mit Reisegutscheinen abspeisen lassen müssen.“

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Es gibt allerdings Verfahren, in denen Gutscheine gut ankommen. Machen Kunden wegen Reisemängeln wie Baulärm, dreckigen Zimmern oder schlechtem Essen Schadensersatzansprüche geltend oder wollen den Reisepreis mindern, so sind diese Mängel oft strittig und lassen sich schwer beweisen. In solchen Fällen, so erläutert Reiserechtsexperte Paul Degott, würden Touristikfirmen den Klägern gern Gutscheine anbieten. Und da die Kunden nicht wissen können, wie das Gericht im Zweifelsfall urteilt, lassen sie sich oft auf einen Vergleich ein, frei nach dem Motto: Lieber den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach.