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Deutschland / Welt Riesenverluste für Sparer durch Niedrigzins
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt Riesenverluste für Sparer durch Niedrigzins
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19:58 09.04.2015
Quelle: Symbolbild
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Frankfurt/Kiel

Nach einer am Donnerstag veröffentlichten Analyse des genossenschaftlichen Zentralinstituts DZ Bank sind deutschen Sparern in den vergangenen fünf Jahren Zinseinkünfte in Höhe von 190 Milliarden Euro durch die Lappen gegangen. Der Einbruch dieser Einkünfte bei der Geldanlage zähle damit zu den gravierendsten Folgen der immer weiter sinkenden Zinsen, erklärte gestern DZ-Bank-Chefvolkswirt Stefan Bielmeier.

Den Zinsverlusten stünden allerdings auch Einsparungen infolge geringerer Kreditzinsen im Wert von 78 Milliarden Euro gegenüber. So können nicht nur Immobilien so günstig finanziert werden wie nie. Unter dem Strich bleibe aber ein erheblicher Verlust von durchschnittlich 1366 Euro pro Bundesbürger.

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Diese Zahlen sind allerdings rein hypothetisch: Die Ökonomen vergleichen das tatsächliche Zinsniveau mit einem unterstellten (höheren) „Normalzinsniveau“, also einem langjährigen Durchschnittszins. Zugleich sind die Aktienkurse in den vergangenen Jahren kräftig gestiegen, was auch auf die Niedrigzinspolitik zurückzuführen ist. Das Problem: Nur wenige der traditionell eher vorsichtigen deutschen Anleger profitieren davon, wie Bielmeier betont. „Lediglich rund 10 Prozent des gesamten privaten Geldvermögens besteht hierzulande aus Aktien.“ Das sei nicht einmal die Hälfte des Anteils, den private Haushalte in anderen europäischen Ländern halten.

Um das angestrebte Niveau bei der Vermögensbildung halten zu können, müssen die privaten Haushalte einen immer größeren Teil ihres Einkommens auf die hohe Kante legen, erklärte DZ-Bank-Experte Michael Stappel. Die Ökonomen erwarten, dass sich die Entwicklung im laufenden Jahr fortsetzten oder sogar noch verstärken wird.

Ein Profiteur der Minizinsen ist der Staat. Das Kieler Institut für Weltwirtschaft hat ausgerechnet, dass der deutsche Finanzminister bis ins Jahr 2030 auf Zinseinsparungen von 160 Milliarden Euro zählen kann. Allein 2015 wird der Bund demnach im Vergleich zu langjährigen Durchschnittszinssätzen weitere 20 Milliarden Euro an Kreditzinsen sparen. Zum Teil verdient der Staat sogar Geld mit der Schuldenaufnahme, weil Anleger mittlerweile bereit sind, eine Gebühr in Form von Negativzinsen zu zahlen.

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