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Deutschland / Welt Rohstoffpreise schwanken weiter stark
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt Rohstoffpreise schwanken weiter stark
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12:40 21.12.2013
Quelle: dpa (Symbolbild)
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Berlin/Hamburg

Die enormen Preiskapriolen der vergangenen Jahre haben auf den internationalen Rohstoffmärkten 2013 an Dynamik verloren. Vor allem in der Stahlindustrie bleibt der Kostendruck jedoch hoch. Auch für deutsche Einkäufer hat sich die Lage insgesamt entspannt – Entwarnung wollen viele Beobachter aber noch nicht geben.

Der Rohstoffpreisindex des Hamburgischen Weltwirtschafts-Instituts (HWWI) notierte im November auf US-Dollar-Basis ungefähr auf dem Stand des Vorjahres. Bezogen auf in Euro ausgewiesene Preise lag er sogar um 4,6 Prozent niedriger. Auch verglichen mit dem Vormonat Oktober kam es bei den meisten Rohstoffen zu weiteren Preisnachlässen - etwa bei Rohöl (-2,7 Prozent auf Dollar-Basis) und den wichtigsten Metallen (-2,6). Anders war zuletzt allerdings die Situation bei Eisenerz und Stahlschrott: Sie verteuerten sich dem Index zufolge um 3,8 Prozent. Der Energieträger Kohle lag mit 3,4 Prozent im Plus.

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Beim Erdöl dürfte die Debatte um eine Lockerung der Sanktionen gegen den Iran eine Rolle gespielt haben. HWWI-Forschungsdirektor Michael Bräuninger betonte zugleich, dass eine höhere Nachfrage auf dem Öl-Weltmarkt 2014 den Preisauftrieb wieder anheizen könnte: „Wenn es nicht zu der erforderlichen Ausweitung der Förderkapazitäten kommt, könnten erhebliche Preissteigerungen die Folge sein.“

Derweil bekam die metallverarbeitende Industrie weltweit wieder etwas mehr Luft. Nickel wurde den HWWI-Daten zufolge im November um 2,6 Prozent günstiger, Aluminium um 3,8 Prozent und Kupfer um 1,7 Prozent. Grund: Das Angebot war groß, viele Läger randvoll gefüllt.

Bei den besonders vom Eisenerz abhängigen Stahlkochern sorgte die insgesamt weiter abflauende Preisrallye bei natürlichen Ressourcen allerdings noch nicht für ein Durchatmen. Denn vor allem China trieb 2013 durch seinen massiven Infrastruktur-Ausbau die Nachfrage nach oben. Von Juni bis September lag der Preisanstieg beim Eisenerz laut einer weiteren HWWI-Analyse bei etwa 17 Prozent. „China ist mit über 60 Prozent des globalen Konsums einer der Hauptverbraucher“, hieß es.

Zusammen mit den Beschaffungskosten für die ebenfalls wichtige Kokskohle stellt die Marktmacht des Reichs der Mitte die Stahlbranche daher vor große Herausforderungen. „Eine nachhaltige Entspannung der Kostensituation bei Rohstoffen, wie sie sich vor einem Jahr abzuzeichnen schien, blieb somit 2013 aus“, bilanzierte der Präsident der Wirtschaftsvereinigung Stahl, Hans Jürgen Kerkhoff.

„Der Schlüsselfaktor der Marktentwicklung bleibt China, das fast drei Viertel des seewärtig gehandelten Eisenerzes nachfragt“, sagte Kerkhoff der Nachrichtenagentur dpa. Auf deutsche Branchengrößen wie ThyssenKrupp oder Salzgitter, die bereits stark unter den schwachen Absatzmärkten leiden, könnten daher weiterhin hohe Zusatzausgaben zukommen. „Die Weltproduktion von Stahl wird 2014 stärker wachsen und die Rohstoffnachfrage auf hohem Niveau halten“, erklärte Kerkhoff.

Für die Chemiekonzerne, die ebenfalls auf Rohstoffe aus aller Welt und vor allem auf Erdölprodukte angewiesen sind, sind die Aussichten ähnlich durchwachsen. Klar sei auf jeden Fall, dass die Branche nicht nur viel exportiere, sondern auch auf der Importseite aktiv bleiben müsse, sagte der Chef des Verbands der Chemischen Industrie (VCI), Karl-Ludwig Kley, mit Blick auf das nächste Jahr. Doch auch „das große Gefälle bei den Energiekosten“ sieht er als eine Ursache dafür, dass immer mehr Investitionen in die asiatischen Länder oder in die USA abwandern, wo der Schiefergas-Boom die Betriebskosten drückt.

Bei Agrargütern, die nicht in die Herstellung von Nahrungsmitteln fließen, kann man auch nicht von einem Aufatmen der Importeure sprechen. „Wir hatten in diesem Jahr eine rückläufige Entwicklung“, so Helmut Hirsch vom Wirtschaftsverband der deutschen Kautschukindustrie (WdK). Doch das bedeute keineswegs, dass Natur- und Synthesekautschuk in Reifen oder Chemieprodukten bald billiger werden müsse: „Es geht auf und ab, aber in einem engen Korridor. Relativ hohe Preise sind zu einer gewissen Normalität geworden.“

dpa

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