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Deutschland / Welt Rückruf für VW günstiger als erwartet?
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt Rückruf für VW günstiger als erwartet?
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19:48 19.11.2015
Von Lars Ruzic
Die Entwickler von VW haben offenbar eine einfachere Lösung gefunden, um die vom Skandal betroffenen Autos umzurüsten.  Quelle: Peter Steffen
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Hannover

Bisher war der Konzern davon ausgegangen, dass bei den Diesel-Fahrzeugen mit 1,6-Liter-Maschine größere technische Eingriffe nötig werden könnten. Inzwischen hätten die Entwickler eine einfachere Lösung gefunden, verlautete aus dem Konzernumfeld. Der Einbau eines 10 Euro teuren Sensors im Luftfilter soll demnach zusätzlich zum Update ausreichen.

Volkswagen bestätigte dies noch nicht. Derzeit laufen dazu Gespräche mit dem Kraftfahrt-Bundesamt, das die Lösung bei der Rückrufaktion genehmigen muss. Der Rückruf in Deutschland soll im kommenden Jahr beginnen. Allein in Europa sind acht Millionen Diesel-Fahrzeuge mit einer Manipulationssoftware unterwegs, bei der die Abgase auf dem Prüfstand geringer ausfallen als im Straßenverkehr. Gut drei Millionen davon haben eine 1,6-Liter-Maschine. Bei den betroffenen 1,2-Liter- und 2,0-Liter-Dieselmotoren war schon vorher klar, dass ein Software-Update genügt.

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Druck aus USADie kalifornische Umweltbehörde CARB erhöht den Druck auf VW. Sollte der Konzern keinen akzeptablen Plan vorlegen, Abgaswerte zu reduzieren, drohten Strafen, sagte CARB-Chefin Mary Nichols. „Es geht nicht ewig so weiter, es gibt eine Deadline.“ Heute läuft für VW eine erste Frist ab, innerhalb derer der Konzern Vorschläge für einen Rückruf unterbreiten muss.

Alternative Ideen: VW-Chef Matthias Müller will auch im Zuge einer Neuausrichtung an der Gläsernen Manufaktur in Dresden festhalten. „Wir haben alternative Ideen für die Fertigung in Dresden. Wir stehen zur Gläsernen Manufaktur und den Beschäftigten“, sagte Müller. In Dresden wird die Luxuslimousine Phaeton montiert, deren Neuauflage zuletzt verschoben wurde.

Wer folgt ihm? Unklar ist, ob der Aufsichtsrat Freitag einen neuen Personalchef als Nachfolger von Horst Neumann (66) benennt, der Anfang Dezember in Ruhestand geht. Eine Entscheidung darüber könnte etwa zeitgleich fallen, hieß es. Es liefen derzeit noch Gespräche mit zwei Kandidaten, einem Mann und einer Frau. Den Arbeitsdirektor stellt traditionell die IG Metall.

Wenn sich bei fast allen Motoren der Rückruf vergleichsweise einfach gestaltet, würden davon nicht nur die Kunden profitieren, sondern auch der Konzern selbst. Denn die Kosten würden auch für VW deutlich sinken. Bislang hat der Wolfsburger Autobauer 6,7 Milliarden Euro allein für den Rückruf zurückgestellt. Hinzu kamen unlängst weitere 2 Milliarden Euro, weil VW bei rund 800 000 anderen Modellen von früheren Angaben abweichende Verbrauchs- und CO2-Werte festgestellt hatte.

Doch auch hier ist nach HAZ-Informationen noch nicht ausgemacht, ob wirklich so viele Motorentypen und Fahrzeuge betroffen sind wie befürchtet. Zudem seien die Abweichungen bei einigen Fahrzeugmodellen so gering, dass zumindest in Deutschland keine Einstufung in eine höhere Steuerklasse nötig werde, hieß es.

Heute kommt der Aufsichtsrat des Konzerns erneut zusammen, um sich über die Ermittlungen in beiden Fällen auf den neuesten Stand bringen zu lassen. Gleichzeitig diskutiert das Gremium über die Investitionsplanung der kommenden Jahre. Wie aus Konzernkreisen verlautete, wird es dabei noch keinen Kahlschlag geben. Als die Abgas-Affäre die VW-Welt erschütterte, waren viele Projekte schon zu weit fortgeschritten, um noch große Änderungen anzuschieben. Außerdem will der Konzern bei den Zukunftsthemen vernetzte Mobilität und alternative Antriebe den Anschluss nicht verpassen. Gleichwohl haben Betriebsrat und Management in den vergangenen Tagen intensiv über Einsparmöglichkeiten verhandelt. 2014 hatte VW für die folgenden fünf Jahre einen Investitionsplan von weltweit gut 100 Milliarden Euro beschlossen. Die Planungen werden jährlich aktualisiert.

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