Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Deutschland / Welt Ryanair und Co. drängen in die Großstädte
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt Ryanair und Co. drängen in die Großstädte
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
09:28 13.05.2014
Ryanair-CEO Michael O'Leary spricht bei einer Pressekonferenz am Flughafen Hahn in Lautzenhausen (Rheinland-Pfalz). Seit 15 Jahrten fliegt der irische Billigflieger den ehemaligen Militärflughafen im Hunsrück an.
Ryanair-CEO Michael O'Leary spricht bei einer Pressekonferenz am Flughafen Hahn in Lautzenhausen (Rheinland-Pfalz). Seit 15 Jahrten fliegt der irische Billigflieger den ehemaligen Militärflughafen im Hunsrück an. Quelle: Thomas Frey/dpa
Anzeige
Frankfurt

An Europas Himmel bewegt sich was:  Mit attraktiveren Zielen in den europäischen Metropolregionen und mehr Service wollen sie etablierten Airlines wie Lufthansa oder Air France-KLM das Leben schwerer machen. Zwar sind die Billigflieger nach einer Untersuchung des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) zuletzt etwas teurer geworden. Doch die Experten erwarten mittelfristig sinkende Ticketraten – vor allem  weil der Marktführer Ryanair mit seinen 300 Jets auf größere Flughäfen dränge.

Von Oktober an haben die Iren mit Köln eine weitere deutsche Großstadt als Basis und setzen den dortigen Platzhirsch Germanwings unter Druck. Bremen, Berlin und Leipzig haben die blau-gelben Billigheimer schon länger im Angebot, sie fliegen außerdem attraktive Metropolen wie Rom, Brüssel, Mailand oder Barcelona an. „Ryanair drängt in die Großstädte“, sagt ein hochrangiger Lufthanseat. Noch bilden allerdings Regionalflughäfen wie Weeze bei Düsseldorf und Hahn im Hunsrück die Schwerpunkte im deutschen Flugplan der Iren.

Immer neue Gesellschaften mit jungen, einheitlichen Flotten und billigem Personal drängen auf den bereits eng besetzten europäischen Markt. Als Preisbrecher vor allem nach Osteuropa betätigt sich die ungarische Wizz, auf den Strecken nach Spanien dreht Vueling aus der British-Airways-Gruppe IAG auf. In den beiden größten deutschen Städten Berlin und Hamburg ist zudem der Branchenzweite Easyjet schon gut im Kurzstreckengeschäft vertreten und macht insbesondere Air Berlin das Leben schwer.

Easyjet-Chefin Carolyn McCall zeigt auch keine Furcht vor Lufthansa-Tochter Germanwings: „Es ist sehr schwer, das Billigflug-Modell zu kopieren, wenn man es nicht in seiner DNA hat“, sagte sie dem „Handelsblatt“. „Der Wettbewerb wird härter. Von Wiese zu Wiese zu fliegen lohnt sich selbst für Ryanair nicht mehr“, erklärt Germanwings-Chef Thomas Winkelmann. Im kommenden Jahr will Germanwings mit knapp 90 Flugzeugen 18 Millionen Passagiere durch Europa fliegen und die Gewinnschwelle früher als geplant erreichen.

Die von den ehemaligen Staatsfluglinien abgewanderten Vielflieger sind auch für die Billiglinien die entscheidende Kundengruppe, deren Komfort-Bedürfnisse man auf Dauer nicht vollkommen ignorieren kann. Statt einheitlichem Minimal-Service wird das Angebot differenziert. Ryanair-Chef Michael O’Leary, der vor einiger Zeit noch laut über Toilettengebühren nachdachte, bietet nun eine Businessklasse mit freien Mittelplätzen und umbuchbaren Tickets. Dass diese auch über Reisebüros zu buchen sind, kommt in dem bislang radikalen Low-Cost-Unternehmen einer Kulturrevolution gleich.

Im Kampf um permanentes Wachstum sind die gelegentlich als „Mietnomaden“ gescholtenen Iren offenbar sogar bereit, höhere Landegebühren zu akzeptieren. Das setzt die im ganzen Land mit vielen Steuermillionen gepäppelten Regionalflughäfen unter Druck. Am Beispiel des defizitären Hunsrück-Flughafens Hahn zeigt sich die Abhängigkeit von einem Großkunden wie Ryanair: Im kommenden Winter sind dort nur noch vier statt sechs Ryanair-Boeings stationiert, wenngleich die Zahl der vom Hunsrück aus erreichbaren Ziele um eines auf insgesamt 32 steigen soll, wie das Unternehmen mitteilt.

Von Christian Ebner

Deutschland / Welt Ukraine-Konflikt und Schuldenkrise - IWF-Chefin warnt vor Gefahren für Europa
12.05.2014