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Deutschland / Welt Schaeffler ruft nach Staatsmilliarden
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt Schaeffler ruft nach Staatsmilliarden
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23:10 13.02.2009
Von Bernd Knebel
Unternehmerin Maria-Elisabeth Schaeffler mit Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU). Quelle: Rainer Surrey
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Die Schaeffler-Gruppe mit Sitz in Herzogenaurach ist nach der Übernahme des hannoverschen Autozulieferers Continental AG mit mehr als zehn Milliarden Euro verschuldet.

In Berlin waren Staatshilfen für Schaeffler zunächst ausgeschlossen worden. Politiker aller Parteien verwiesen auf das hohe Privatvermögen der Inhaberin Maria-Elisabeth Schaeffler.

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Der neue Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) äußerte sich erneut bremsend und hinhaltend zum Thema Staatshilfe. In einem Zeitungsinterview sagte er zur Schaeffler-Krise, er warne davor, einem Eintreten des Staates „vorschnell das Wort zu reden.“

Kanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte zuvor die Losung ausgegeben, Festlegungen zu vermeiden und eine Offenlegung der Bücher und deren professionelle Prüfung zu verlangen. Schaeffler soll sich dazu bereit erklärt haben.

Die SPD-Bundestagsfraktion, die anfangs eine sehr ablehnende Haltung eingenommen hatte, nannte unterdessen eine Reihe von Bedingungen für eine Staatshilfe. Das fränkische Familienunternehmen habe sich bei der Übernahme von Conti „zwar verzockt, jetzt geht es aber um die Erhaltung von 220 000 Arbeitsplätzen“, sagte der hannoversche SPD-Bundestagsabgeordnete Gerd Andres der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung. Bei der möglichen Bürgschaft gehe es nicht um die Rettung des Familienvermögens. Hilfe könne es nur geben, so Andres, „wenn alle die Hosen runterlassen“. Die Unternehmerfamilie müsse „ihr komplettes Privatvermögen einbringen, auch das möglicherweise in der Schweiz und Österreich angelegte“. Zudem müssten die „vielen Tarnbanken“ herangezogen werden, die Schaeffler im vorigen Jahr bereits die Mehrheit bei Continental gesichert hätten.

Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) erklärte: „Die SPD ist auf die Linie gebracht worden, auf der wir seit Wochen sind.“ Zunächst sei aber das Unternehmen gefragt. „Banken und Eigentümer müssen erst sagen, ob sie auf Ansprüche verzichten und Forderungen in Anteilsrechte umwandeln“, sagte Wulff. „Die müssen gemeinsam dem Staat sagen, an welcher Stelle Hilfe sinnvoll und notwendig erscheint.“

Gleichwohl hat allein die Aussicht auf Bürgschaften oder gar eine Staatsbeteiligung gestern den Kurs der Conti-Aktie angetrieben. Sie schloss am Abend mit einem Plus von mehr als sechs Prozent als Tagessieger im M-Dax.