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Deutschland / Welt Schlecker schließt 2010 Filialen
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt Schlecker schließt 2010 Filialen
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19:22 14.03.2012
Der Ausverkauf hat bereits begonnen. Quelle: rtr
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Hannover

Aus den Befürchtungen Tausender Schlecker-Mitarbeiter ist Gewissheit geworden. Etwa 2010 von einstmals 5400 Filialen der insolventen Drogeriemarktkette werden geschlossen. Fast 12000 Beschäftigte, zumeist Frauen, verlieren dadurch ihren Arbeitsplatz. Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz gab am Mittwoch die fast 40 Seiten lange Schließungsliste bekannt. Mit diesen harten Einschnitten will Geiwitz die Drogeriekette schon von April an in die schwarzen Zahlen bringen.

Auf der Internetseite www.schlecker-blog.com sind alle betroffenen Filialen mit Adressen in den jeweiligen Bundesländern aufgeführt. Letzter Verkaufstag soll schon am übernächsten Sonnabend sein.

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Allein in Niedersachsen ist der Liste zufolge das Ende von 213 Schlecker-Läden besiegelt. In Hannover sollen demnach neun der zehn Filialen geschlossen werden. In Oldenburg stehen sechs Geschäfte vor dem Aus. In Osnabrück sind es fünf, in Braunschweig und Cuxhaven jeweils vier Läden, in Salzgitter, Wilhelmshaven und Hildesheim je drei Filialen, in Wolfsburg zwei. Die Ladenschließungen verteilen sich quer durch das ganze Land. Zuletzt hatte Schlecker in Niedersachsen noch rund 2000 Beschäftigte.

Ursprünglich war sogar von 2400 Filialen die Rede, die dichtgemacht werden sollten. Nach der Schließungsliste sind es nun knapp 400 weniger. Etwa 120 davon sind dem Vernehmen nach vorerst gerettet. Über 280 Filialen verhandele Geiwitz noch mit den Arbeitnehmervertretern, hieß es.

Die Auswahl der Filialen sei nach betriebswirtschaftlichen Kriterien vorgenommen worden, sagte ein Sprecher des Insolvenzverwalters. Es sei dabei beispielsweise um die Entwicklung der Umsätze und Einnahmen zur Deckung der Fixkosten der Filialen gegangen, um die Lage der Läden, die Bevölkerungsentwicklung in der Region oder um mögliche Konkurrenz in der Umgebung.

Nach Angaben eines Schlecker-Sprechers sollen die Filialen umgehend Pakete für Rabattaktionen erhalten. Die Preise der Waren für den Ausverkauf sollen um 30 Prozent verringert werden. Das Unternehmen betonte zugleich, dass eine Filialschließung nicht unbedingt die Kündigung der dort beschäftigten Mitarbeiterinnen zur Folge haben müsse. Darüber entscheide in jedem Einzelfall der Sozialplan, über den man ebenfalls noch verhandele. Die Gewerkschaft ver.di kritisierte erneut, dass ein Konzept fehle, wie es mit den verbleibenden Schlecker-Läden weitergehen solle.

Unterdessen schieben sich im Streit um Staatshilfen für Schlecker der Bund und das Land Baden-Württemberg, in dem das Unternehmen seinen Sitz hat, gegenseitig den schwarzen Peter zu. Das Bundeswirtschaftsministerium sieht die Förderbank KfW für Unternehmen wie Schlecker nicht zuständig. Dies sei bei Schlecker Baden-Württemberg, betonte das Berliner Ministerium.

Wegen der politischen Kontroverse droht dem Insolvenzverwalter die Zeit davonzulaufen. Bis Ende dieses Monats muss die auf 70 Millionen Euro veranschlagte Finanzierung der Transfergesellschaft stehen, andernfalls droht Tausenden Beschäftigten der Drogeriemarktkette die Entlassung in die Arbeitslosigkeit. Im Topf von Schlecker sei nicht so viel Geld, erklärte der Sprecher von Geiwitz.