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Deutschland / Welt Schufa muss kostenlose Angaben über gespeicherte Daten machen
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt Schufa muss kostenlose Angaben über gespeicherte Daten machen
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22:46 30.03.2010
Quelle: dpa (Symbolbild)
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Für Ilse Aigner ist es ein guter Tag. Das verschärfte Bundesdatenschutzgesetz bringe eine „erhebliche Verbesserung der Verbraucherrechte im Wirtschaftsleben“, teilte die Verbraucherministerin in Berlin mit.

Wie wichtig diese Überprüfung ist, zeigte eine Studie im Auftrag des Ministeriums. Der Bericht „Verbraucherinformation Scoring“ kam zu alarmierenden Ergebnissen: Demnach waren fast 45 Prozent der von Auskunfteien gespeicherten Datensätze fehlerhaft oder unvollständig.

Um so wichtiger sei es, selbst per Anfrage zu kontrollieren, ob die Informationen der kommerziellen Datensammler wirklich korrekt sind, sagte Thilo Weichert vom Unabhängigen Landeszentrum für Datenschutz in Kiel. Die Auskunfteien sind gesetzlich verpflichtet, falsche Daten zu löschen oder zu korrigieren.

Der Datenhandel ist ein Milliardengeschäft. Viele Firmen verdienen ihr Geld mit der Sammlung, Speicherung und Verarbeitung von Kundendaten. Auskunfteien wie Schufa, Bürgel oder Info–score haben sich darauf spezialisiert, die Kreditwürdigkeit von Verbrauchern zu bewerten und diese Einschätzungen weiterzuverkaufen.

Banken, Versandhändler, Autovermieter, Onlinehändler oder Telefonkonzerne nutzen die Urteile der Auskunfteien, um einzuschätzen, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass ein Kunde seine Kreditzinsen oder Rechnungen bezahlen kann. Wer schlecht eingeschätzt wird, muss für seinen Kredit mehr zahlen oder bekommt Ware nur gegen Vorkasse geliefert.

Die Auskunfteien müssen den Verbrauchern künftig auf Anfrage nicht nur mitteilen, welche Daten zur Person gespeichert wurden, woher diese Daten stammen und an wen sie bisher weitergegeben wurden. Mitgeteilt werden muss auch, welche sogenannten Scores berechnet wurden und worauf diese beruhen.

Der „Score“ (englisch für: Spielstand, Ergebnis) fasst die Bonität eines Kunden in einer einzigen Zahl zusammen. Jede Auskunftei berechnet diesen Wert anders, die Verfahren gelten als wenig transparent. Sogar bloße Kreditanfragen eines Kunden zum Zinsvergleich verschlechterten lange Zeit den „Score“, was vor einigen Jahren einen Skandal auslöste und die Methode in noch schlechteres Licht rückte.

Erstmals regelt nun das Gesetz zumindest, dass die Auskunfteien ein wissenschaftlich anerkanntes, mathematisch-statistisches Verfahren einsetzen müssen und dafür nur Daten verwenden dürfen, die für die Bonität des Kunden auch wirklich entscheidend sind. „Das ist neben der Gratisauskunft ein weiterer großer Fortschritt, der mehr Transparenz schafft “, sagte Frank-Christian Pauli von Dachverband der Verbraucherzentralen. Datenschützer Weichert kritisiert indes, dass das Scoring insgesamt weiterhin noch viel zu undurchsichtig bleibe. „Die Methoden der Berechnung werden weiter als Geschäftsgeheimnis behandelt und bleiben sehr fragwürdig“, sagt der Experte.

Thomas Wüpper