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Deutschland / Welt Schweizer Bank gerät ins Zwielicht
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt Schweizer Bank gerät ins Zwielicht
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00:15 13.09.2013
Von Albrecht Scheuermann
Foto: Noch vergangene Woche hat Windreich-Chef Willi Balz jegliche Insolvenzgefahr bestritten - nun bangen Anleihegläubiger um ihr Geld.
Noch vergangene Woche hat Windreich-Chef Willi Balz jegliche Insolvenzgefahr bestritten - nun bangen Anleihegläubiger um ihr Geld. Quelle: dpa
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Hannover

Die Staatsanwaltschaft Stuttgart ermittelt gegen Firmengründer Willi Balz seit März wegen des Verdachts der Bilanzfälschung, des Kapitalanlagebetruges, der Insolvenzverschleppung und weiterer Straftaten, wie eine Sprecherin gestern bestätigte. Anlegeranwälte interessieren sich in diesem Zusammenhang aber auch für eine traditionsreiche Schweizer Bank, die bei der Finanzierung eine wichtige Rolle spielte – die Bank J. Safra Sarasin. Sie ist Großgläubigerin des windigen Projektierers, hat aber offenbar auch fleißig Windreich-Anleihen an ihre eigenen Kunden vermittelt.

„Die Bank befand sich im Fall Windreich in einem massiven Interessenkonflikt“, sagt die Münchener Anwältin Daniela Bergdolt. Anleger, die über Sarasin Windreich-Papiere erworben haben, sollten „nun dringend überlegen, ihre Ansprüche auf Schadensersatz gerichtlich durchzusetzen“.
Zu Wochenbeginn war bekannt geworden, dass Windreich beim Amtsgericht Esslingen ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung beantragt hat. Die Firma aus dem baden-württembergischen Wolfschlugen errichtet Windparks auf See und an Land und sammelt dafür Geld bei privaten Anlegern ein. Dabei half ihr offenbar auch das Bankhaus Sarasin.

Die 1841 gegründete Schweizer Privatbank gehört seit Kurzem zur brasilianischen Safra-Gruppe. Dahinter steht die ursprünglich aus dem syrischen Aleppo stammende Bankiersfamilie Safra. Sarasin kam wegen Schwarzgeld- und Steuerhinterziehungsgeschichten immer mal wieder ins Gerede, die Bank hat sich jedoch im Jahr 2010 eine „konsequente Weißgeldstrategie“ verordnet. Ihre Spezialität sind Öko-Investitionen: „Im Bereich nachhaltige Geldanlagen ist die Bank Pionierin und verfügt über mehr als 20 Jahre Erfahrung“, wirbt das Geldhaus auf seiner Internetseite.
So erklärt sich wohl auch die Geschäftsbeziehung zur Windreich AG. Die Bank finanzierte maßgeblich deren Geschäfte, brachte jedoch ab 2010 in großem Stil auch Windreich-Anleihen in den Depots ihrer Kunden unter. Dabei handelt es sich um wohlhabende Anleger. Sarasin konzentriert sich auf die Vermögensverwaltung für Kunden mit mindestens einer Million Euro Geldvermögen – darunter etliche in Niedersachsen. Zu den sechs Standorten der Bank in Deutschland gehört seit Anfang 2012 auch eine Niederlassung in Hannover.

Das Engagement der Bank bei Windreich ist nicht klein: Die Kredite summierten sich angeblich auf mehr als 70 Millionen Euro. Vor diesem Hintergrund wirft die Vermittlung von Windreich-Anleihen an die eigene Kundschaft zumindest Fragen auf. Schließlich hatte die Bank als Hauptgläubigerin ein großes Interesse daran, dass die Windreich AG an genügend Geld kam, um ihre Geschäfte fortsetzen zu können.

Die Münchener Kanzlei Bergdolt und Schubert hat nach eigenen Angaben im Auftrag von Mandanten schon erste zivilrechtliche Klagen gegen Sarasin auf Schadensersatz eingereicht. Begründung: Die Bank habe ihren Kunden die Interessenkonflikte ebenso wie die Provisionszahlungen aus den Anleihengeschäften verschwiegen. Die Bank gab sich auch am Dienstag schweigsam. „Kein Kommentar“ hieß es zum Thema Windreich.

Anleihegläubiger kommen zum Schluss

Die Windreich AG hat in den Jahren 2010 und 2011 jeweils eine Anleihe auf den Markt gebracht. Die erste Anleihe hatte ein Volumen von 50 Millionen Euro, einen Nominalzins von 6,5 Prozent und wird am 31. März 2015 fällig. Die zweite hatte ein Volumen von 75 Millionen Euro, sie trägt ebenfalls einen 6,5-Prozent-Coupon und läuft am 15. Juli 2016 aus.
Insgesamt sollen sich die Schulden auf über 300 Millionen Euro belaufen. Die Anleihegläubiger werden in einem Insolvenzverfahren nachrangig behandelt. Ihre Forderungen werden also erst berücksichtigt, nachdem die weiter vorne stehenden Gläubiger bedient wurden.
Windreich hat eine Insolvenz in Eigenverwaltung beantragt. Das Unternehmen will sich also selbst sanieren. Die Interessen der Gläubiger vertritt ein vorläufiger Gläubigerausschuss. Sachwalter der Gläubiger ist Rechtsanwalt Holger Blümle von der Kanzlei Schultze & Braun in Achern. ash

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