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Deutschland / Welt Siemens setzt auf Windenergie
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21:53 26.09.2011
Siemens nimmt Kurs aufs Meer: Mit Windparks vor der Küste will der Konzern Marktanteile hinzugewinnen.
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Hannover

Die Zeichen stünden auf Wachstum, erklärte Siemens-Vorstand Michael Süß am Montag in der Hansestadt. „Unsere Ausgangsposition dafür ist sehr gut: Wir können auf einen Rekordauftragsbestand von fast 11 Milliarden Euro bauen, und bei OffshoreWindparks sind wir Weltmarktführer.“

Siemens hat sich 2004 mit der Übernahme des dänischen Windturbinenherstellers Bonus Energy in der Branche etabliert und ist seither kräftig gewachsen: Die Zahl der Mitarbeiter hat sich von 800 auf rund 7800 fast verzehnfacht, der Umsatz liegt mit rund 3,2 Milliarden Euro zwölfmal höher als damals. Die Siemens-Windsparte produziert heute in sieben Werken in drei Ländern; in drei Jahren sollen es zwölf Fertigungsstätten in acht Ländern sein. In Hamburg soll sich die Zahl der Mitarbeiter bis 2013 von derzeit 170 auf mehr als 500 verdreifachen. Weltweit beschäftigt Siemens im Windenergiebereich rund 7800 Mitarbeiter, in Deutschland sind es etwa 1000.

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Im Konzern schätzt man die Perspektiven für die Windenergie als sehr gut ein. Der Weltmarkt werde von aktuell rund 42 Milliarden Euro pro Jahr um knapp die Hälfte auf rund 60 Milliarden Euro im Jahr 2016 zulegen, erklärte Süß. Im Binnenland sagt Siemens beim Bau neuer Anlagen ein Wachstum von 38 auf 45 Gigawatt pro Jahr voraus, Windparks auf dem Meer würden jährlich von 3 auf 11 Gigawatt zulegen. Zum Vergleich: Ein Gigawatt entspricht in etwa der Leistung eines Atomkraftwerks oder eines großen Kohlemeilers.

Siemens erwartet, dass Windkraftanlagen vor den Küsten bereits in fünf Jahren rund ein Fünftel des gesamten Windenergiemarktes ausmachen werden. Allein in Europa rechnet der Konzern bis 2030 in diesem Segment mit einer installierten Leistung von mehr als 80 Gigawatt – das würde der Leistung von etwas mehr als der Hälfte des derzeit in Deutschland installierten Kraftwerksparks entsprechen. In Deutschland hat der Konzern Aufträge über sechs Offshore-Windkraftwerke in Nord- und Ostsee verbuchen können.

Der Konzern wolle das Geschäft mit der Windenergie künftig industrialisieren und die Kostenführerschaft erreichen, sagte Süß. Der Markt werde sich konsolidieren, die Innovationszyklen würden kürzer: „Es geht darum, die Technologie in einen Prozess der Großserienfertigung zu überführen. Zudem liefere Siemens gegenwärtig nur 30 Prozent einer Offshore-Windanlage – die übrigen 70 Prozent würden von anderen Firmen erbracht. Ziel sei es, schlüsselfertige Windparks zu errichten.
Noch ist Siemens in der Windbranche eine vergleichsweise kleine Nummer. Marktführer weltweit ist die dänische Vestas, in Deutschland liegt Enercon mit einem Anteil von knapp 60 Prozent vorn – Siemens erreichte hierzulande zuletzt 4 Prozent.

Jens Heitmann (mit: dpa)