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Deutschland / Welt Siemens und Mitsubishi legen Angebot für Alstom vor
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt Siemens und Mitsubishi legen Angebot für Alstom vor
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00:16 19.06.2014
Die Bildkombo zeigt die Logos des Bahntechnik-Herstellers Alstom und Siemens.  Quelle: Symbolfoto / Archiv
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München

Siemens und Mitsu­bishi Heavy Industries (MHI) bieten im Tauziehen um den französischen Alstom-Konzern dem Rivalen General Electric (GE) die Stirn. Mit einem komplexen Angebot wollen beide Unternehmen die Führung von Alstom, aber auch die Regierung in Paris überzeugen. Demnach will sich MHI mit bis zu 10 Prozent an Alstom beteiligen. In der gleichen Größenordnung könnte auch der französische Staat einsteigen. Siemens hingegen will das Gasturbinen-Geschäft der Franzosen komplett übernehmen und dafür 3,9 Milliarden Euro in bar zahlen, wie der Konzern am Montag mitteilte. Eine Beteiligung von Siemens an Alstom sieht das Angebot nicht vor.

Insgesamt summieren sich die Vorschläge der deutsch-japanischen Allianz auf eine Barzahlung von rund 7 Milliarden Euro, 3,1 Milliarden Euro davon soll MHI leisten. „Das Angebot ist eine attraktive Konstellation, die es sich lohnt zu prüfen. Das wird der Verwaltungsrat von Alstom auch sicher im Sinne aller Aktionäre tun“, erklärte Siemens-Chef Joe Kaeser.

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General Electric hat 12,35 Milliarden Euro für die Energietechnik von Alstom geboten und die Schaffung von 1000 Arbeitsplätzen in Frankreich zugesagt. Das Angebot gilt noch bis zum 23. Juni. Man habe keine Absichten, das eigene Angebot für Alstom weiter nachzubessern, sagte eine Unternehmenssprecherin. GE werde sich nicht an einem Bieterkrieg beteiligen. Die französische Regierung hatte sich zuversichtlich gezeigt, dass die Amerikaner ihre Offerte erhöhen würden, sobald das Angebot von Siemens auf dem Tisch läge.

Auch der deutsche Konzern will im Falle eines Zuschlags eine dreijährige Jobgarantie für das Gasturbinengeschäft von Alstom gewähren, zudem wollen die Münchener die Zentrale des Geschäfts in Frankreich ansiedeln. Die Bildung eines gemeinsamen Eisenbahnunternehmens aus den Zugsparten von Alstom und Siemens ist hingegen zunächst vom Tisch. Siemens betonte aber, dass darüber nach der Übernahme weiter „sorgfältig und in gutem Glauben“ diskutiert werden könne.

Die Japaner wiederum wollen neben der Beteiligung an Alstom eine umfassende industrielle Allianz schaffen und drei Joint Ventures mit Alstom bilden. Aus Sicht von Siemens und MHI soll der Konzern in seiner gegenwärtigen Form in fast allen seinen Geschäftsfeldern erhalten bleiben. Darüber hinaus würde Alstoms Position als weltweiter Anbieter im Energie- und Servicegeschäft gestärkt, seine Struktur verbessert und das Unternehmen als französischer Großkonzern erhalten.

Siemens-Chef Joe Kaeser und MHI-Amtskollege Shunichi Miyanaga sollen am Dienstag gemeinsam bei Frankreichs Staatspräsident François Hollande und Wirtschaftsminister Arnaud Montebourg vorsprechen. Das Parlament in Paris bestätigte, dass Kaeser ebenfalls zu einer Anhörung vor dem Wirtschaftsausschuss der Nationalversammlung erwartet wird. Die Münchener hatten wochenlang die Alstom-Bücher geprüft. In der vergangenen Woche teilte der Konzern dann überraschend mit, mit MHI einen Partner dafür gewonnen zu haben.

Sebastian Raabe

Das Ringen um Alstom

Das Tauziehen zwischen dem US-Elektrokonzern General Electric(GE) und Siemens um den französischen Alstom-Konzern:
4. April: Es wird bekannt, dass GE Alstom kaufen will.
25. April: Die Regierung in Paris will den Verkauf in die USA mit allen Mitteln verhindern.
27. April: Siemens greift in den Übernahmepoker ein und erklärt Gesprächsbereitschaft über strategische Fragen.
29. April: Siemens kündigt unter Bedingungen ein Angebot für Alstom an.
30. April: Der Verwaltungsrat von Alstom empfiehlt den Aktionären eine bindende Offerte von GE.
8. Mai: Frankreichs Regierung lehnt das GE-Angebot für Alstom öffentlich ab.
15. Mai: Paris erweitert per Verordnung seine Eingriffsrechte bei internationalen Deals.
20. Mai: Nach Angaben der französischen Regierung hat Siemens um zusätzliche Informationen über das Unternehmen gebeten.
22. Mai: Kaeser betont in einer Mitarbeiterzeitung Siemens' Handlungsfähigkeit und bekräftigt, GE die Stirn bieten zu wollen.
28. Mai: GE bessert nach einem Treffen mit Präsident Hollande in Paris das eigene Angebot nochmals etwas nach.
11. Juni: Überraschend geben Siemens und der japanische Konkurrent Mitsubishi Heavy Industries (MHI) bekannt, ein gemeinsames Angebot für Alstom zu prüfen.
15. Juni: Der Siemens-Aufsichtsrat berät über das Vorgehen.
16. Juni: Es wird erwartet, dass Siemens Details für die weiteren Pläne bekannt gibt.

dpa 

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