Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Deutschland / Welt Siemens will Pierer und Kleinfeld offenbar zur Kasse bitten
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt Siemens will Pierer und Kleinfeld offenbar zur Kasse bitten
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
14:23 18.01.2009
Der Siemens-Konzern fordert von seinen früheren Vorständen wegen des Korruptionsskandals Schadenersatz in Millionenhöhe. Quelle: Volker Hartmann/ddp
Anzeige

Allein der frühere Vorstandschef und Aufsichtsratsvorsitzende Heinrich von Pierer soll sechs Millionen Euro zahlen, wie die „Süddeutsche Zeitung“ berichtete. Schadenersatz wegen der Schmiergeldaffäre verspricht sich der Konzern auch von der Versicherung, die für Schäden, die von Vorständen oder Aufsichtsräten verursacht werden, haften soll.

Insgesamt fordert Siemens dem Bericht zufolge von elf ehemaligen Vorstandsmitgliedern Schadenersatz jeweils zwischen einer Million und fünf Millionen Euro. Darunter sei auch Pierers Nachfolger Klaus Kleinfeld. Der Siemens-Aufsichtsrat werfe den ehemaligen Vorständen vor, ihre Dienstpflichten verletzt und durch mangelnde interne Kontrollen ein Schmiergeldsystem ermöglicht zu haben. Pierer und sein Anwalt hätten auf Anfrage keine Stellung zu den Forderungen von Siemens nehmen wollen.

Siemens hat nach Erkenntnissen der Münchener Staatsanwaltschaft und von US-Behörden jahrzehntelang und weltweit Geschäftspartner, Behörden und Regierungen für lukrative Aufträge bestochen. In Deutschland und den USA musste der Konzern inzwischen Geldstrafen in Höhe von insgesamt 1,2 Milliarden Euro zahlen. Zusammen mit weiteren Kosten beträgt der Schaden inzwischen fast zwei Milliarden Euro.

Von den elf ehemaligen Vorständen wolle Siemens insgesamt weniger als 50 Millionen Euro kassieren. Man wolle die früheren Topmanager „nicht ruinieren“, heißt es der Zeitung zufolge in der Konzernspitze. Offiziell äußere sich das Unternehmen nicht zu den Schadenersatzforderungen. Pierer hat sämtliche Vorwürfe wiederholt zurückgewiesen, zuletzt vor einem Monat.

Unter Berufung auf Unternehmenskreise berichtet das Blatt weiter, dass Siemens zuversichtlich sei, sich im Verlauf des Jahres mit der Mehrzahl der elf Ex-Vorstände einigen zu können. Man wolle Gerichtsverfahren vermeiden, da der Korruptionsskandal den Konzern sonst jahrelang weiter belasten würde.

Einen höheren Millionenbetrag an Schadenersatz erhofft sich Siemens offenbar auch von der Allianz. Wie die „Süddeutsche Zeitung“ in ihrer Montagausgabe berichtet, ist ein Konsortium unter Führung des Münchener Versicherungskonzern offenbar zu zahlen bereit. Siemens habe sich für Schäden, die von Vorständen oder Aufsichtsräten verursacht werden, bei diesem Konsortium mit 250 Millionen Euro versichert. Das Konsortium wolle nach Angaben aus Siemens-Kreisen aber „nicht die volle Deckungssumme“ zahlen. Für Siemens verhandele eine Kanzlei mit dem Konsortium über die Höhe der Versicherungsleistung.

ddp