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Deutschland / Welt Smart Home: Wenn das Zuhause mitdenkt
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19:56 18.03.2015
Von Isabel Christian
Das Bügeleisen nicht ausgeschaltet? Auch solche Probleme des Alltags können über eine Smartphone-App gelöst werden, die Jorge Claro auf der Cebit vorführt.
Das Bügeleisen nicht ausgeschaltet? Auch solche Probleme des Alltags können über eine Smartphone-App gelöst werden, die Jorge Claro auf der Cebit vorführt. Quelle: Tim Schaarschmidt
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Die Haustür geht nicht mehr mit dem Metallschlüssel auf, sondern per Druck auf die Smartwatch. Sensoren registrieren, dass es für den hereinkommenden Hausbewohner deutlich zu kalt ist. Sofort senden sie der Heizung ein Signal, die Räume um fünf Grad wärmer zu machen. Die Stereoanlage spielt die Musikliste vom Smartphone ab, und das Licht im Wohnzimmer geht an. Eine Zukunftsvision? Schon längst nicht mehr.

Smart Home, wie der Oberbegriff für ein digital vernetztes Zuhause lautet, ist in dieser Form schon heute zu haben. Zahlreiche Anbieter stellen auf der Cebit ihre Konzepte für Häuser vor, die für ihre Bewohner mitdenken. Aber ist Smart Home bloß Spielerei für technik affine Menschen? Oder könnte es zum Trend beim Hausbau werden?

Um Bequemlichkeit geht es nicht

Für Günther Ohland, Vorsitzender des Vereins Smart Home Initiative Deutschland, ist Smart Home weitaus mehr als nur die Steuerung des Garagentors über eine App. „Im Smart Home fahren Rollläden von allein herunter, wenn die Sonne zu grell ist. Oder die Heizung läuft im Sparmodus, solange niemand da ist“. Kurzum: Das intelligente Haus funktioniert ganz von allein.

Um Bequemlichkeit geht es dabei gar nicht in erster Linie. Die Grundideen hinter Smart Home sind die Optimierung des Energieverbrauchs und mehr Sicherheit für die Hausbewohner. „Die Energiepreise werden immer weiter steigen, die Nebenkosten auch“, sagt Ohland. „Mit einer intelligenten Steuerung von Heizung und Elektrogeräten lässt sich der Verbrauch jedoch um bis zu 30 Prozent drücken“. Dazu kommt die Möglichkeit, durch das zeitversetzte An- und Ausschalten von Lichtern, des Fernsehers oder der Rollos Einbrechern das Ausspähen ihrer Opfer zu erschweren.

Ein Haus, das für seine Bewohner denkt

„Der große Vorteil von Smart Home ist, dass mein Haus an Dinge denkt, die ich vergesse. Das muss noch viel stärker beworben werden“, sagt Christian Pätz von der Fakultät für Elektrotechnik an der Uni Chemnitz. Denn bisher gebe es noch eine Kluft zwischen den technischen Möglichkeiten von Smart Home und der Akzeptanz in der Bevölkerung. Einer Studie des Branchenverbands Bitkom zufolge kennt zwar jeder zweite Bürger den Begriff Smart Home, allerdings nutzen nur 14 Prozent vernetzte Geräte in ihrem Haushalt. Ein Drittel der Befragten scheut vor allem die Kosten und den Aufwand bei der Einrichtung von vernetzter Haustechnologie. Smart Home gilt noch immer als Luxusprodukt.

Viele Anbieter von Smart Home-Technologien arbeiten deshalb an Lösungen, die leicht zu bedienen und bezahlbar sind, damit das digitale Haus für möglichst viele Eigentümer attraktiv wird. „Es ist schon möglich, kleine Räume für rund 1000 Euro mit automatischen Rollläden und Heizungsanlagen auszustatten“, sagt Armin Anders vom Funksensorik-Hersteller Enocean.

Marktbeobachter sehen das Smart Home im Trend

Der Markt verspricht sich auch durch den demografischen Wandel einen wachsenden Kundenkreis. „Ein Haus, das sich selbstständig regelt, erfordert keine große Technikaffinität“, sagt Tim Lange, Vorstandsmitglied von Casenio. Sein Unternehmen vertreibt eine Sensortechnik, die Unregelmäßigkeiten im Haus meldet und deshalb vor allem von älteren Menschen gekauft wird. Stürzt etwa ein Hausbewohner und ist nicht in der Lage, selbst Hilfe zu rufen, alarmiert das Sensorsystem eigenständig die Pflegestation oder den Notarzt.

Deshalb glauben nicht nur die Anbieter von Smart Home an die Ausbreitung von digital vernetzten Haushalten in den kommenden Jahren. Auch Martkbeobachter sehen einen solchen Trend. Das Wirtschaftsberatungsunternehmen Deloitte kommt in einer Prognose zu dem Schluss, dass es zwischen 2018 und 2020 eine Million Smart Home in Deutschland geben wird - Tendenz steigend.

18.03.2015
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