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Deutschland / Welt Solarbranche fordert weniger Geld
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt Solarbranche fordert weniger Geld
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22:01 12.01.2011
Von Jens Heitmann
Nicht immer scheint in Deutschland die Sonne. Dieses Dach mit Photovoltaik-Anlage ist unter einer Schneelast zusammengebrochen. Quelle: dpa
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Die Vergütung für neue Anlagen könne schon Anfang Juli um bis zu 12 Prozent sinken, erklärte BSW-Geschäftsführer Carsten Körnig. Bisher ist der Schritt erst für Anfang 2012 vorgesehen.

Mit dem Vorschlag reagiert die Branche auf die anhaltende Kritik von Politikern, Energieunternehmen und Verbraucherschützern. Insbesondere durch den Boom der Photovoltaikanlagen ist die im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) festgelegte Ökostrom-Umlage um 70 Prozent auf 3,5 Cent je Kilowattstunde nach oben geschnellt. Viele Versorger haben ihre Preiserhöhungen zu Jahresbeginn mit diesem Anstieg begründet.

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Nach Berechnungen des Wirtschaftsforschungsinstituts RWI werden schon für die bereits installierten Solardächer in den kommenden Jahren Subventionen von mindestens 64 Milliarden Euro auflaufen. Hannover Stadtwerke-Chef Michael Feist erwartet, dass der EEG-Aufschlag bald so viel kostet wie die Beschaffung des Stroms an der Leipziger Börse. Zudem gefährde der rasche Ausbau die Stabilität des Stromnetzes, heißt es in der Branche.

Zusätzlich unter Druck geraten die hohen Fördersätze für die Solarbranche durch die sinkenden Kosten. Laut einer aktuellen Analyse des Freiburger Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme ISE nähern sich die erneuerbaren Energien in Deutschland zunehmend der Wirtschaftlichkeitsgrenze. Die Stromgestehungskosten, die bei der Umwandlung von Sonne in Elektrizität entstehen, liegen für Kleinanlagen auf Dächern bereits zwischen 30 Euro und 34 Cent je Kilowattstunde. In fünf Jahren könne die Marke von 20 Cent unterschritten werden, von 2020 könnten es weniger als 15 Cent sein. Zum Vergleich: In Atom- oder Kohlekraftwerken liegen die Durchschnittswerte aktuell bei etwa 10 Cent.

Die sinkenden Kosten resultieren aus dem Preisverfall bei Photovoltaik-Modulen. Ursächlich dafür sei insbesondere der „Zusammenbruch des spanischen Marktes“ und der gleichzeitige Anstieg der weltweiten Produktionskapazitäten, heißt es in der Fraunhofer-Studie. Die Regierung in Madrid hatte zuvor die Solarförderung deutlich reduziert. So seien die Großhandelspreise für in Europa hergestellte, kristalline Module zwischen Anfang 2009 und 2010 um 34,5 Prozent gesunken – Module aus China verbilligten sich um knapp 45 Prozent.

Um dem nahezu ungebremsten Ausbaus der Solarenergie zu bremsen, gibt es im Bundesumweltministerium nach den beiden Kürzungsrunden 2010 offenbar Pläne für weitere Abstriche zur Jahresmitte. In der Unions-Fraktion hält man auch die Deckelung der Förderung für möglich, also eine pauschale Begrenzung des jährlichen Zubaus. „Das ist natürlich die härteste und gefürchtetste Keule“, sagt der energiepolitische Sprecher, Thomas Bareiß.
Eine Deckelung will die Solarbranche unbedingt verhindern. „Das würde zu erheblichen Marktverwerfungen führen, weil es keine Planungssicherheit mehr gäbe, ob es für meine Photovoltaik-Anlage noch Fördergelder gibt“, sagt BSW-Geschäftsführer Körnig. Ziel bleibe es, den Anteil der Photovoltaik an der Stromversorgung von heute 2 Prozent bis 2020 auf rund 10 Prozent zu erhöhen.