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Deutschland / Welt Ikea-Managerin soll neue Karstadt-Chefin werden
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt Ikea-Managerin soll neue Karstadt-Chefin werden
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12:58 01.12.2013
Laut einem „Spiegel“-Bericht soll Ikea-Managerin Eva-Lotta Sjöstedt bei Karstadt übernehmen. Quelle: dpa
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Essen/Hamburg

Eine Ikea-Managerin soll nach einem  Medienbericht den angeschlagenen Warenhauskonzern Karstadt aus der Krise führen. Eva-Lotta Sjöstedt solle zum Jahresanfang Karstadt-Chef Andrew Jennings ablösen, berichtete das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ am Sonntag vorab. Jennings verlässt Karstadt zum Jahresende. Dann läuft sein Vertrag aus. Ein Sprecher von Karstadt-Eigentümer Nicolas Berggruen wollte den Bericht nicht kommentieren. Weitere Stellungnahmen des Warenhauskonzerns waren am Sonntag nicht zu erhalten.

Jennings war von Berggruen Anfang 2011 als Sanierungsexperte nach Essen geholt worden. Der Warenhauskonzern ist seitdem nicht aus den Turbulenzen gekommen. Berggruen hat 75,1 Prozent der Karstadt-Sporthäuser und Premium-Group an den österreichischen Karstadt-Vermieter Signa abgegeben. Zudem gibt es Spekulationen, Signa könne zusammen mit dem israelischen Diamanten-Milliardär Beny Steinmetz auch die Mehrheit am Karstadt-Stammgeschäft übernehmen.

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Nach der Ankündigung eines ehrgeizigen Konzepts unter dem Titel „Karstadt 2015“ kurz nach seinem Amtsantritt hatte Jennings zuletzt kaum noch einen Blick auf die Geschäftsergebnisse ermöglicht. „Wir haben nach wie vor einen weiten Weg vor uns“, hatte er einem Zeitungsbericht zufolge im September vor Mitarbeitern gesagt. Der Umsatz sei im September den zweiten Monat in Folge gestiegen, berichtete die „Westdeutsche Allgemeine Zeitung“. Karstadt hatte im Juni mitgeteilt, dass Jennings den Konzern verlässt. Seitdem wurde ein Nachfolger gesucht.

Die Schwedin Sjöstadt hat in den vergangenen zehn Jahren auf verschiedenen Managementposten für den Möbelriesen Ikea gearbeitet, unter anderem in Japan und den Niederlanden. Zuletzt war sie für die globale Entwicklung des Multi-Channel-Geschäfts des Konzerns zuständig.

Ihrer Berufung an die Karstadt-Spitze muss laut „Spiegel„ noch der Aufsichtsrat zustimmen. Die nächste Aufsichtsratssitzung ist nach Angaben aus Mitgliedskreisen für den 11. Dezember angesetzt.

Chronologie der Krise

Mit seinem früheren Mutterkonzern Arcandor war Karstadt 2009 in die Insolvenz gerutscht. 2010 stieg Investor Nicolas Berggruen ein. Zur Ruhe gekommen ist der Warenhauskonzern seitdem nicht.

1. September 2009: Für die Karstadt Warenhaus GmbH wird das Insolvenzverfahren eröffnet.

7. Juni 2010: Die vom Privatinvestor Nicolas Berggruen gesteuerte Berggruen Holding erhält vom Gläubigerausschuss den Zuschlag zur Übernahme.

30. September: Das Essener Amtsgericht hebt das Insolvenzverfahren auf. Berggruen erhält die Schlüsselgewalt für die Karstadt Warenhaus GmbH. 40.000 Gläubiger verzichten auf zwei Milliarden Euro. Die Belegschaft verzichtet auf 150 Millionen Euro.

23. November: Der frühere Woolworth-Manager Andrew Jennings wird zum neuen Karstadt-Chef bestellt und beginnt Anfang Januar 2011.

6. Juli 2011: Jennings legt das Konzept „Karstadt 2015“ vor: Im Kern geht es um Modernisierung der Warenhäuser, stärkeres Online-Geschäft und die Expansion der Sporthäuser.

16. Juli 2012: Karstadt will 2000 Stellen streichen.

13. April 2013: Karstadt kündigt eine zweijährige „Tarifpause“ für die Beschäftigten an. Die Belegschaft antwortet mit Protesten und später Arbeitsniederlegungen.
09. Juni: Karstadt-Chef Jennings tritt zum Jahresende 2013 ab.
16. September: 75,1 Prozent der Karstadt-Sporthäuser und Premium-Group gehen an den österreichischen Karstadt-Vermieter Signa. Im Gegenzug soll Signa 300 Millionen Euro in die Modernisierung von Karstadt investieren.
14. November: In den Tarifstreit bei Karstadt kommt Bewegung. In viertägigen Verhandlungen verständigten sich die Gewerkschaft Verdi und die Karstadt-Geschäftsführung „auf wesentliche Bausteine eines gemeinsamen Zukunftssicherungstarifvertrages“.
21. November: Neue Spekulationen über einen weiteren Rückzug von Berggruen. Nach einem Bericht des „Manager Magazins“ sollen die Signa-Gruppe und der israelische Diamanten-Milliardär Beny Steinmetz die Option haben, die Mehrheit am Karstadt-Stammgeschäft zu übernehmen. Als möglicher Kaufpreis für einen Anteil von 75,1 Prozent wurde ein Euro genannt.
01. Dezember: Die Ikea-Managerin Eva-Lotta Sjöstedt soll nach einem „Spiegel“-Bericht neue Karstadt-Vorstandschefin werden.

dpa

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