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Deutschland / Welt Stars vereinen sich gegen Spotify
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt Stars vereinen sich gegen Spotify
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19:42 31.03.2015
Quelle: dpa
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New York

Der Rap-Musiker Jay Z will gemeinsam mit einem Großaufgebot von Stars im Rücken den Markt für das Streamen von Musik aus dem Internet aufmischen. Sein Musikdienst Tidal soll für knapp 20 Euro im Monat Songs in besonders hoher Qualität übertragen. Das Angebot richtet sich insbesondere gegen den Konkurrenten Spotify, der als Marktführer die überwiegende Mehrzahl seiner mehr als 60 Millionen Nutzer mit kostenlosen Angeboten bedient.

Jay Z ist es gelungen, für das Projekt diverse Stars mit ins Boot zu holen - von Coldplay, Madonna, Kanye West und Rihanna über Daft Punk und Alicia Keys bis hin zu Usher oder Arcade Fire. Auch Ehefrau Beyoncé ist dabei. „Tidal ist die Zukunft der Musik“, sagte Managerin Vania Schlogel bei der Vorstellung des Musiker-Bündnisses in New York.

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Jay Z hatte sich im Januar daran gemacht, die schwedische Firma Aspiro zu kaufen, die Tidal und den unter anderem in Deutschland aktiven Ableger WiMP betreibt. Im März war die rund 56 Millionen Dollar schwere Übernahme komplett. Jetzt steht auch das Konzept. „Unsere Mission geht über Kommerz und Technologie hinaus“, sagte Alicia Keys. Bei dem neuen Streaming-Dienst stehe allein die Musik im Vordergrund - zugleich seien die Künstler die Eigentümer.

Bei Tidal können die Nutzer zwischen zwei Flatrate-Varianten wählen: 9,99 Euro pro Monat kostet der Basis-Dienst, der unbegrenztes Streaming von Dateien mit einer Übertragungsrate von bis zu 320 Kbit pro Sekunde bietet. Für 19,99 Euro pro Monat liefert Tidal Musik auch als sogenannte FLAC-Datei aus, was der Qualität einer CD entspricht. Tidal ist in der „HiFi“-Version mit verbesserter Soundqualität damit etwa doppelt so teuer wie Spotify oder andere Wettbewerber. Eine werbefinanzierte Gratis-Version wie bei Spotify gibt es bei Tidal nicht. Der Dienst ist inzwischen in mehr als 31 Ländern verfügbar; man wolle weiter aggressiv expandieren, hieß es. Mit etwa 25 Millionen Songs und 75 000 Musikvideos sieht sich Tidal ähnlich gut ausgestattet wie die Konkurrenz. Die gesamte Branche rüstet sich gerade für einen Vorstoß von Apple: Der iPhone-Konzern will laut Medienberichten in den kommenden Monaten den Streaming-Dienst Beats international verfügbar machen. Bisher kann er nur in den USA genutzt werden. Apple hatte den Service als Teil des Kopfhörer-Anbieters Beats im vergangenen Jahr für rund 3 Milliarden Dollar gekauft. Auch bei Beats gibt es keine Gratis-Variante.

Das trifft den Geschmack der meisten Künstler. Die Sängerin Taylor Swift hatte im Herbst ihre Alben bei Spotify abgezogen und macht sie nur in Abo-Services verfügbar: „Ich möchte mit meinem Lebenswerk nicht zu einem Experiment beitragen, das nach meinem Gefühl Autoren, Produzenten und Künstler nicht fair entschädigt.“

Die Begeisterung der Künstler für Tidal teilen die Nutzer nicht unbedingt. Auf Twitter machten Kritiker ihrem Ärger über den hohen Abopreis des Premium-Angebots Luft. Die Werbung mit „Tidal für alle“ sei irreführend, hieß es. „Tidal für niemand“ wäre passender.

Von Hannes Breustedt