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Deutschland / Welt Stellenabbau bei Siemens-Tochter SIS
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt Stellenabbau bei Siemens-Tochter SIS
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07:17 06.08.2010
Siemens-Zentrale in Laatzen.
Siemens-Zentrale in Laatzen. Quelle: Michael Thomas (Archiv)
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Beim Siemens-Sanierungsfall SIS haben sich Betriebsrat und Management über den geplanten Stellenabbau verständigt. Nun wird das Geschäft wohl abgegeben. Der monatelange Streit um die Sanierung der Siemens-Tochter ist damit beendet. Belegschaft, IG Metall und Management einigten sich auf die Konditionen für den Abbau von hierzulande 2000 der 10.000 Stellen und vereinbarten für die verbleibende Belegschaft ein dreijähriges Kündigungsverbot.

Das sind die Eckpunkte einer Einigung mit der Gewerkschaft, der der Gesamtbetriebsrat von Siemens nächste Woche noch zustimmen muss. Damit konnte das um seine Zukunft bangende Personal seine Forderungen nur zum Teil durchsetzen. Verweigert hat Siemens vor allem, den Verbleib der IT-Einheit SIS im Konzernverbund zu garantieren.

Spätestens damit dürfte klar sein, dass Konzernchef Peter Löscher die defizitäre Tochter nach ihrer Sanierung an die Börse bringen oder verkaufen will. Alle Optionen inklusive ein Verbleib bei Siemens seien offen, hieß es bislang. „Es ist zu bedauern, dass Siemens trotz glänzender Geschäftszahlen nicht zu weiteren Zugeständnissen bereit war“, kritisierte die Verhandlungsführerin der IG Metall, Sibylle Wankel.

Der Technologiekonzern hat im vergangenen Quartal seine Gewinne um 40 Prozent gesteigert. SIS ist die einzige Verlustquelle unter allen Geschäftsfeldern. Im dritten Quartal betrug das Defizit bei schrumpfenden Umsätzen operativ 81 Millionen Euro. SIS ist ein Dauerkrisenfall, mit dem der Konzern lange einen Schlingerkurs gefahren ist. Erst wurde das Geschäft unter Vorgängern Löschers ausgegliedert, dann wieder in den Konzern integriert. Jetzt kommt wohl die finale Abspaltung.

Der nun vereinbarte Stellenabbau, der global mehr als doppelt so hoch ausfällt, wird über Altersteilzeit, freiwillige Aufhebungsverträge und die Schaffung einer Transfergesellschaft sozialverträglich geregelt. Mit Beginn des neuen Siemens-Geschäftsjahrs Anfang Oktober agiert SIS vom Konzern losgelöst. Weltweit beschäftigt die dann ausgegliederte Firma bislang 35.000 Frauen und Männer.

Die Abbaupläne bei der IT-Sparte SIS dürften auch den hannoverschen Siemens-Standort treffen. „Bei uns sind ebenfalls Stellen gefährdet“, sagte die SIS-Betriebsratschefin für Norddeutschland, Gabriele Leonhardt. Am Standort beschäftigt der Bereich 150 Menschen. Wie viele es am Ende weniger sein werden, kann Leonhardt noch nicht sagen. Noch vor wenigen Jahren hätten sich die Mitarbeiter mit Lohnzugeständnissen an einer Sanierung beteiligt, nun würden sie ihren Job verlieren, kritisierte Leonhardt. „Wir leiden seit Langem darunter, dass es an einem Konzept fehlt.“ Das sei auch mit den inzwischen eingeleiteten Maßnahmen nicht zu erkennen.

Insgesamt zählt die Siemens-Niederlassung in Hannover, wo auch andere Konzernbereiche angesiedelt sind, gut 1200 Mitarbeiter. Allerdings könnten es bald schon deutlich weniger sein. Die Entscheidung des Konzerns, die Produktion von elektronischen Bauteilen – „Electronic Design and Manufacturing“ (EDM) für externe Kunden einzustellen, gefährdet nach Einschätzung des Betriebsrates allein in Hannover 150 Stellen.

Thomas Magenheim und Jens Heitmann