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Deutschland / Welt Steuererklärung – die besten Steuertipps für 2012
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt Steuererklärung – die besten Steuertipps für 2012
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14:56 18.07.2013
Von Albrecht Scheuermann
Am 31. Mai läuft die Frist für die Einkommensteuererklärung 2012 ab. Quelle: dpa
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Der Countdown läuft: Die Frist für die Einkommensteuererklärung läuft ab, und viele suchen Hilfe bei der Steuererklärung. Bis Ende Mai müssen die Unterlagen beim Finanzamt vorliegen – was zumindest jene Steuerzahler trifft, die zur Abgabe einer solchen Erklärung verpflichtet sind. In den nächsten Wochen stehen die Zeichen in vielen Familien also auf Formularkrieg. Und der lohnt sich: Etwa 800 Euro bekommen Arbeitnehmer durchschnittlich zurück, wenn sie ihre Unterlagen beim Finanzamt einreichen.

Abgabepflicht: Grundsätzlich gilt bei Arbeitnehmern die Steuerschuld durch den Lohnsteuerabzug als beglichen. Der Arbeitgeber ist verpflichtet, die sich aus den Lohnsteuertabellen ergebende Steuer vom Lohn abzuziehen und direkt an das Finanzamt abzuführen. So das Prinzip. Häufig ergibt sich jedoch eine davon abweichende (höhere) Steuerschuld. In diesen Fällen ist der Arbeitnehmer verpflichtet, eine Erklärung abzugeben. Dies gilt zum Beispiel in folgenden Fällen:

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  • Die Summe der Einkünfte, die nicht dem Lohnsteuerabzug unterliegen, ist größer als 410 Euro.
  • Der Steuerpflichtige hat von mehreren Arbeitgebern nebeneinander Arbeitslohn bezogen.
  • Ehegatten, die zusammen veranlagt werden, haben beide Arbeitslohn bezogen – und einer ist nach Steuerklasse V oder VI besteuert worden. Oder sie haben beide die Steuerklassenkombination IV/IV mit Anwendung des Faktorverfahrens gewählt.
  • Auf der Lohnsteuerkarte beziehungsweise neuerdings in der elektronischen Datenbank ELStAM ist ein Freibetrag eingetragen.

Rentner: Auch viele Rentner müssen eine Erklärung abgeben. Mindestens 50 Prozent der Altersbezüge sind seit 2005  steuerpflichtig. Der zu versteuernde Anteil steigt, je später man in den Ruhestand geht. Für Neurentner des Jahres 2012 liegt der Anteil sogar schon bei 64 Prozent. Was sich als steuerfreier Anteil in Euro errechnet, bleibt jeweils als Freibetrag für das ganze Leben erhalten. Ein alleinstehender Neurentner 2012 kann eine Bruttorente von rund 1250 Euro monatlich steuerfrei kassieren – aber nur, sofern er keine weiteren Einkünfte wie zum Beispiel Betriebsrenten oder Mieteinnahmen hat. Wer nicht genau weiß, ob er als Rentner schon steuerpflichtig ist oder nicht, sollte sicherheitshalber auf jeden Fall eine Erklärung abgeben. Die Finanzämter schauen bei Ruheständlern genau hin und fordern häufig auch nachträglich noch Steuern ein.

Fristverlängerung: Eine längere Frist gilt bei Pflichtveranlagungen nur dann, wenn ein Steuerberater beziehungsweise Lohnsteuerhilfeverein den Papierkram erledigt. Dann endet die Frist für die Abgabe der Erklärung erst zum Jahresschluss 2013.

Antragsveranlagung: Noch mehr Zeit können sich allerdings diejenigen Steuerzahler nehmen, die zwar keine Steuererklärung abgeben müssen, aber freiwillig die Formulare ausfüllen wollen, weil sie sich zu viel gezahlte Steuern zurückholen wollen. Dies empfiehlt sich, wenn höhere Werbungskosten als 1000 Euro – etwa für den Weg zur Arbeitsstätte – angefallen oder außergewöhnliche Belastungen – etwa im Zusammenhang mit Krankheitskosten – zu berücksichtigen sind oder Spenden geleistet wurden. Für diese „Antragsveranlagung“, vielfach noch als Lohnsteuerjahresausgleich in Erinnerung, hat der Steuerzahler sogar vier Jahre Zeit.

Steuererklärung 2012: das hat sich geändert

Einige Änderungen sind für die Steuererklärung 2012 zu beachten, auf die Experten vom Neuen Verband der Lohnsteuerhilfevereine (NVL) sowie der Steuerberaterkammer hinweisen. Die wichtigsten:

Berufsausbildung: Aufwendungen für die erste eigene Berufsausbildung oder ein Erststudium werden jetzt – beim Studenten beziehungsweise Auszubildenden – bis zu einem Höchstbetrag von 6000 Euro statt bislang 4000 Euro jährlich als Sonderausgaben anerkannt. Zu den abziehbaren Ausbildungskosten zählen beispielsweise Lehrgangs- und Studiengebühren, Aufwendungen für Fachbücher und anderes Lernmaterial, Unterkunftskosten und Mehraufwendungen für Verpflegung bei einer auswärtigen Unterbringung. Auch Fahrtkosten können geltend gemacht werden. Für Sonderausgaben gilt, dass sie nur mit Einkünften des gleichen Jahres verrechnet werden dürfen. Dennoch rät der NVL, die entsprechenden Belege aufzubewahren und einen Antrag auf Feststellung der Kosten zu stellen. Möglicherweise drehe sich hier die Rechtslage zugunsten der Steuerpflichtigen. Anders sieht die Rechtslage heute schon für Kinder in Zweitausbildung oder im Zweitstudiengang (hierzu zählt auch der „Master“) sowie im Rahmen einer Fortbildung aus. Diese können alle Aufwendungen, die mit späteren steuerpflichtigen Einnahmen in Verbindung stehen, uneingeschränkt bereits jetzt als (vorweggenommene) Werbungskosten abziehen. Zudem lassen sie sich (anders als Sonderausgaben) problemlos in die Zukunft vortragen. Der Student kann sie also später mit den Einkünften verrechnen, wenn er ins Berufsleben einsteigt und ein Einkommen bezieht. 

Kinderbetreuungskosten: Bislang waren Kinderbetreuungskosten nur dann steuerlich von Belang, wenn sie beruflich bedingt waren, also die Eltern einer Beschäftigung nachgingen. Diese Bedingung ist entfallen. Eltern können seit 2012 Kinderbetreuungskosten ohne Angabe von Gründen wie Berufstätigkeit, Ausbildung oder Krankheit von der Steuer abziehen. Der Abzug gilt für Kinder bis zum 14. Lebensjahr. Das Finanzamt erkennt zwei Drittel der Aufwendungen an, höchstens 4000 Euro pro Jahr und Kind.

Kindergeld/Kinderfreibeträge: Für volljährige Kinder in Ausbildung gab es bislang Kindergeld beziehungsweise Kinderfreibeträge nur dann, wenn die Grenze für Einkünfte und Bezüge des Kindes von 8004 Euro jährlich nicht überschritten wurde. Diese Begrenzung ist entfallen. Somit erhalten Eltern auch weiter das volle Kindergeld für Kinder im Alter von unter 25 Jahren. Hat das Kind aber bereits eine erste Berufsausbildung oder ein Erststudium abgeschlossen, gilt die neue Regelung nur, wenn der Nachwuchs nicht erwerbstätig ist. Eine Teilzeitarbeit von höchstens 20 Stunden pro Woche, eine kurzfristige Beschäftigung oder ein Mini-Job sind unbedenklich. Dabei erachtet das Finanzamt schon den Bachelor-Grad als abgeschlossenes Studium. Ein sich anschließendes Masterstudium wird somit als zweites Studium gewertet.

Entfernungspauschale: Arbeitnehmer können Aufwendungen für den Weg zwischen Wohnung und Arbeitsstätte als Werbungskosten absetzen. Hier rechnet das Finanzamt jetzt anders. Bisher wurde für jeden Tag einzeln ermittelt, ob der Ansatz der Entfernungspauschale von 30 Cent pro Entfernungskilometer oder der Ansatz der tatsächlichen Kosten für Fahrscheine von Bus und Bahn günstiger war. Nun werden nur noch die Jahreskosten verglichen. Wer den Arbeitsweg abwechselnd mit dem Auto oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln zurücklegt, muss die Kosten folglich nicht mehr arbeitstäglich einzeln belegen.

Unterhaltszahlungen: Generell können nachweisbare Aufwendungen für den Unterhalt bedürftiger Personen unter bestimmten Voraussetzungen bis zu einem Höchstbetrag von 8004 Euro jährlich geltend gemacht werden. Für Menschen, die im Ausland leben, gelten abweichende Regelungen. Die Beträge reichen je nach Land von 2001 bis 8004 Euro, die anrechnungsfreien Beträge liegen zwischen 156 Euro und 624 Euro. Einige Länder wie Kroatien, Ungarn, die Dominikanische Republik oder Kolumbien sind neu eingestuft worden, sodass nun höhere Unterhaltszahlungen als bisher steuerlich berücksichtigt werden.

Kapitaleinkünfte: Von Zinsen, Dividenden oder Kursgewinnen wird die 25-prozentige Abgeltungssteuer (plus „Soli“ und ggf. Kirchensteuer) direkt bei der Bank einbehalten, sodass in vielen Fällen die Anlage KAP nicht ausgefüllt werden muss. Anderes galt bislang jedoch, wenn außergewöhnliche Belastungen wie Krankheits- oder Scheidungskosten geltend gemacht werden. Jeder Steuerpflichtige muss in solchen Fällen einen zumutbaren Eigenanteil selbst tragen. Da dafür bisher auch die Kapitaleinkünfte berücksichtigt wurden, musste die Anlage KAP ausgefüllt werden. Dies bleibt vielen Anlegern nun erspart. Bei der Berechnung sind nämlich Kapitalerträge wie Zinsen oder Dividenden seit 2012 ausgenommen.

Altersvorsorge: Seit dem zurückliegenden Jahr gilt das vereinfachte Bescheinigungsverfahren für Beiträge zu sogenannten Riester- und Rürup-Renten, also der durch Zulagen oder steuerlich geförderten Altersvorsorge. Versicherungsunternehmen sind verpflichtet, die Beiträge für solche Verträge jeweils für das zurückliegende Beitragsjahr von sich aus elektronisch an das Finanzamt des Versicherten zu übermitteln. Der Versicherte muss also nicht mehr eine entsprechende Bescheinigung seiner Steuererklärung beifügen. Dies gilt aber nur, wenn der Vorsorge-Sparer der Übermittlung zugestimmt und dem Versicherer die Steueridentifikationsnummer mitgeteilt hat.

Und noch ein Tipp: Wer eine elektronische Steuererklärung abgibt, also für die Steuererklärung eine Software wie zum Beispiel Elster nutzt, und die Formulare anschließend ausdruckt, sollte eines beachten: Das Ganze muss lesbar sein. Ist die Druckqualität der Formulare zu schlecht, gilt die elektronische Steuererklärung als nicht abgegeben.