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Deutschland / Welt Steve Jobs findet Foxconn-Fabrik „ganz nett“
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt Steve Jobs findet Foxconn-Fabrik „ganz nett“
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19:00 02.06.2010
Steve Jobs hatte zuerst die Idee zum iPad – und ließ erst einmal ein Handy daraus machen. Quelle: ap
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Das Unternehmen ist in die Schlagzeilen geraten, weil sich in seiner chinesischen Fabrik seit Jahresbeginn elf Menschen das Leben genommen haben und drei weitere Selbstmordversuche unternahmen. Arbeitsrechtsorganisationen erklären das mit der schlechten Behandlung und den schwierigen Lebensbedingungen der Mitarbeiter in der riesigen Fabrik im südchinesischen Shenzhen, einer Sonderwirtschaftszone nahe Hongkong.

Jobs zeichnete dagegen ein ganz anderes Bild dieser Fabrik: Es gebe dort „Restaurants und Kinos und Krankenhäuser und Schwimmbäder. Für eine Fabrik ist es da ziemlich nett.“ Gemessen an der Zahl von nahezu 400.000 Mitarbeitern sei die Selbstmordrate „niedriger als in den USA, aber es ist immer noch beunruhigend.“

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Foxconn ist weltweit der größte Hersteller von Elektronikgeräten und beliefert neben Apple auch Konzerne wie Dell und Nokia. Zum großen Teil werden Wanderarbeiter beschäftigt, die auch auf dem Fabrikgelände leben. Chinesische Experten erklärten die Selbstmorde mit der persönlichen Isolation und der Ausweglosigkeit vieler junger Wanderarbeiter.

Vertreter von Apple prüften die Arbeitsbedingungen vor Ort, berichtete Jobs: „Wir stecken überall drin.“ Apple sei „eines der besten Unternehmen weltweit in seiner Branche, wenn nicht gar überhaupt“, wenn es darum gehe, die Arbeitsbedingungen entlang der Lieferkette zu „verstehen“. Foxconn stellt unter anderem das iPhone her. Arbeitsrechtler hatten bereits einen Boykott des Smartphones gefordert.

Unterdessen versucht Foxconn, die Lage mit einer 30-prozentigen Lohnerhöhung in den chinesischen Werken zu beruhigen. Die Lohnerhöhung gelte mit sofortiger Wirkung, sagte ein Manager gestern in der Konzernzentrale in Taiwan: „Wir hoffen, dass diese Erhöhung dazu beiträgt, den Lebensstandard unserer Beschäftigten zu erhöhen und dass sie mehr Freizeit haben, was gut für die Gesundheit ist.“

In der vergangenen Woche hatte Foxconn bereits Lohnerhöhungen um mindestens 20 Prozent angekündigt, den Zeitpunkt aber offen gelassen. In China bekommen Fließbandarbeiter 900 Yuan im Monat, das sind umgerechnet gut 100 Euro. Foxconn war schon vor einigen Jahren heftig wegen seiner Arbeitsbedingungen kritisiert worden.

afp / dpa