Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Deutschland / Welt Steve Wozniak wird zum umjubelten Star
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt Steve Wozniak wird zum umjubelten Star
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
21:20 13.03.2014
Steve Wozniak, Erfinder des ersten Apple-Computers. Quelle: Surrey
Anzeige
Hannover

Als Steve Wozniak kommt, kommen die Jungen. Der 63-Jährige betritt das Podium der „Global Conference“ der CeBIT, und die iPhone-Displays seiner Anhänger folgen seiner Bewegung. Unter Jubel setzt sich der bärtige „Woz“, wie er sich selbst nennt, zum Moderator.
Er hat keine Ansätze einer Frisur, dafür Ansätze eines Bauchs, mit dem der kleine Mann den ebenso runden Stuhl genau ausfüllt. Wozniak trägt zwar Anzug, aber darunter ein Poloshirt und hat Turnschuhe an den Füßen – ein Typ von nebenan. Wozniak war es, der den ersten Apple-Computer erfand und der vor über 35 Jahren mit Steve Jobs eine Firma namens Apple gründete. Heute schaut die Welt auf Apple und trauert um Jobs. Anfangs waren er und Jobs enge Freunde, doch Jobs dachte an Geld und Wozniak ans Erfinden. „Jobs ist kein Techniker“, sagt er auch an diesem Nachmittag. Jobs wurde als Visionär gefeiert, während Wozniak freiwillig auf Macht und Posten verzichtete und das Unternehmen 1985 verließ.

Für seine Fans in der Apple-Community ist er gerade deshalb ein Held, einer, der sich gegen Kommerz und Fremdbestimmung wehrt. Der Messias, der ihnen sagt, was aus Apple wird – auch wenn er im Konzern nicht mehr mitreden darf. So sagt er den Leuten, was sie hören wollen: dass der Einzelne Schutz vor Abhörung verdient, dass Politiker unfähig und Edward Snowden ein Held ist. „Ich wünschte, ich wäre so mutig gewesen wie Snowden“, sagt Wozniak.

Anzeige

Zu Apple, dem Unternehmen das ihm finanzielle Sorgenfreiheit ermöglicht hat, gibt er sich heute versöhnlich: „Ich hoffe immer noch, dass Apple die reinste aller Firmen ist“, antwortet er auf die Frage, ob Apple absichtlich Abhörmöglichkeiten in seine Systeme eingefügt habe. Der Abhörskandal beherrscht das Gespräch. Und als der Moderator wissen will, ob man Apple trauen könne, sagt er: „Keine Ahnung, ich bin nicht dicht genug dran.“

Mehr zum Thema

Alles rund um die CeBIT 2014

Steve Wozniak lebt in einer kalifornischen Kleinstadt, „ohne Breitbandinternet und ohne Fernsehen“. Damit ist er zufrieden, wie er sagt. Auch mit seinem Leben. „Ich bereue nichts.“ Würde Wozniak zurückschauen, würde er sehen: vier Ehen, ein Millionenverlust durch die Organisation von Musikfestivals, der Bankrott einer selbst gegründeten Firma.

Wozniaks Geschichte ähnelt dem Gleichnis von den anvertrauten Talenten im Matthäus-Evangelium. Ein Herr gab seinen drei Knechten unterschiedlich viele Talente – das Geld der damaligen Zeit. Dem einen gab er fünf Talente, dem zweiten zwei, und dem dritten eines, je nach ihren Fähigkeiten. Der Erste, der fünf Talente erhalten hatte, machte fünf daraus. Ebenso gewann der, der zwei erhalten hatte, zwei dazu. Der, der ein Talent erhalten hatte, vergrub das Geld.

Auch die Apple-Gründer waren zu dritt: der glorreiche Jobs, der erfinderische Wozniak und ein Unbekannter namens Ronald Wayne. Der verließ Apple elf Tage später und verkaufte seine Anteile an der Firma für 2300 Dollar – heute wären sie über 30 Milliarden Dollar wert.
Wenn Jobs also seine Talente vervielfacht und Wayne seine vergraben hat, welche Rolle kommt dann Wozniak zu? Laut Gleichnis wäre er der Mittlere mit den zwei Talenten. Die Zeit bei Apple und seine Erfindung seien „das Wichtigste in meinem Leben“, sagte er einmal. Heute habe er keine Zeit mehr zum Erfinden, überzeugend klingt das nicht. 

Was er davon halte, wieder eine aktive Rolle bei Apple zu spielen? „Ja, das würde ich mir überlegen“, erklärte er vor drei Jahren. Ein halbes Jahr später stand Wozniak vor dem Apple Store in seiner Kleinstadt, um sich am ersten Tag das neue iPhone zu sichern. Er wartete in der Schlange – wie alle anderen.

Von Sabrina Mazzola

Deutschland / Welt Einheitliche Handyladegeräte ab 2017 - Eins für alle
13.03.2014
Deutschland / Welt Tarifverhandlungen im öffentlichen Dienst - Verdi-Chef Bsirske stimmt auf Streik ein
13.03.2014
Deutschland / Welt Computermesse in Hannover - Razzia auf der CeBIT
Tobias Morchner 15.03.2014