Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Deutschland / Welt Streit von Airbus und Boeing kocht hoch
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt Streit von Airbus und Boeing kocht hoch
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:21 23.05.2014
„Strategische Schlüsselrolle“: Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte der deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie auf der ILA weitere Unterstützung zu.
„Strategische Schlüsselrolle“: Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte der deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie auf der ILA weitere Unterstützung zu. Quelle: dpa
Anzeige
Berlin

 Der im Bundesstaat Washington beheimatete Boeing-Konzern behauptet, die Unterstützung könnten alle dortigen Firmen erhalten. EU-Handelskommissar Karel De Gucht zeigte sich „sehr besorgt über die Ausweitung dieser Subventionen“.
Diese „schwerwiegenden Subventionen“ sind Brégier zufolge nicht das einzige Problem. Der Franzose, seit einem Jahr Nachfolger des an die Konzernspitze aufgestiegenen Tom Enders, verwies auf die Last des hohen Euro-Kurses. „Wir bezahlen unsere knapp 150 000 Mitarbeiter der Airbus-Group in harten Euro, verkaufen aber unsere Flugzeuge im schwachen Dollar“, sagte Brégier. Während Japan politisch gegen einen zu starken Yen vorgehe, interessiere sich in Europa niemand für dieses Thema. „Nur 10 Cent weniger Wechselkurs wären für uns schon genug“, Airbus würde das um eine Milliarde Euro entlasten.

An sich war Airbus zur ILA mit den wohl besten Zahlen seiner Geschichte gestartet. „Mit unserer Produktpalette von 100 bis über 500 Sitzen sind wir Weltmarktführer“, sagte Brégier und verwies auch auf den bisher störungsfreien Anlauf des neuen Langstreckenjets A350, der der Öffentlichkeit erstmals auf der ILA vorgestellt wird. Das mit Kohlefaser-Verbundstoffen gefertigte Flugzeug habe allein in Deutschland 4000 Arbeitsplätze geschaffen, sagte Brégier. Doch während Länder wie Frankreich schon ihren Entwicklungsanteil an der Hightech-Maschine geleistet hätten, warte Airbus auf die Bürgschaft aus Deutschland in Höhe von 600 Millionen Euro „bisher vergeblich“. Diese Entwicklungsförderung ist wiederum aus US-Sicht eine unzulässige Subvention, die Konzerne streiten seit vielen Jahren über das Thema.

In Deutschland erwartet Airbus bis 2032 eine „Zunahme der hier eingesetzten Flugzeugflotte um 80 Prozent auf dann 1821 Flugzeuge“. Dabei wachse besonders in Deutschland der Markt für leise und spritsparende Flugzeuge, was mit den steigenden Auflagen und Beschränkungen an deutschen Flughäfen zu tun habe. „Bis 2032 brauchen wir in Deutschland 100 Großflugzeuge, was einer Verfünffachung entspricht.“

Dass ausgerechnet Russlands Präsident Wladimir Putins gestern zu Beginn seines Besuchs in China ankündigte, zusammen dem östlichen Nachbarn ein neues Passagierflugzeug zu bauen, war für Airbus ein weiteres Signal, dass sich der Wettbewerb verschärfen wird.

Merkel sichert Hilfe zu

Die deutsche Luftfahrtindustrie kann weiter auf die politische und finanzielle Unterstützung der Bundesregierung bauen. „Die Luft- und Raumfahrt nimmt eine strategische Schlüsselrolle für unseren gesamten Wirtschaftsstandort ein“, sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel am Dienstag bei der Eröffnung der Luftfahrtschau ILA in Schönefeld. Daher werde die Bundesregierung der Branche weiter „ein besonderes Augenmerk als Hightech-Branche widmen“. Partnerland ist in diesem Jahr die Türkei. Merkel ging jedoch nicht auf den Wunsch von Verkehrsminister Lütfi Elvan ein, dass beide Länder besonders in der Rüstungswirtschaft noch enger zusammenarbeiten sollten. Momentan liege das Geschäftsvolumen bei rund 4 Milliarden Euro. „Ich wünsche mir, dass unsere Beziehungen sich in den nächsten Jahren weiter nach oben entwickeln.“ Die Türkei wolle mehr Rüstungsgüter exportieren.

Von Hartmut Reichardt

20.05.2014
20.05.2014
Deutschland / Welt Boom am deutschen Arbeitsmarkt - Deutschland bleibt beschäftigt
20.05.2014