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Deutschland / Welt Stromanbieter berechnen Kunden zwei Milliarden Euro zu viel
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt Stromanbieter berechnen Kunden zwei Milliarden Euro zu viel
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17:19 28.12.2010
Die Strombranche kann 2010 auf Rekorderträge hoffen. Quelle: dpa (Archiv)
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Die Preiserhöhungen ab Januar bescheren den deutschen Stromversorgern laut einer Studie ungerechtfertigte Zusatzeinnahmen von zwei Milliarden Euro. Der höheren Preise seien trotz der steigenden Umlage für Stromkunden zum Ausbau erneuerbarer Energien „nicht nachvollziehbar“, heißt es in der am Dienstag veröffentlichten Untersuchung im Auftrag der Grünen. Die Stromwirtschaft verteidigte die Preiserhöhungen als unvermeidbar.

Zum 1. Januar erhöhen in Deutschland nach Angaben des Verbraucherportals Verivox rund 500 Stromversorger die Preise um durchschnittlich sieben Prozent. Betroffen davon ist demnach die Hälfte der deutschen Haushalte. Über 40 weitere folgen im Februar mit Preiserhöhungen.

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Die Verteuerung ihrer Tarife begründen die Anbieter mit dem Anstieg der Umlage zum Ausbau erneuerbarer Energien, die alle Stromkunden über ihre Rechnung mitzahlen. Die sogenannte EEG-Umlage steigt ab Januar um knapp 1,5 Cent pro Kilowattstunde Strom auf rund 3,5 Cent. Zahlreiche Stromversorger begründeten ihre Preiserhöhungen mit diesem Anstieg der Umlage um über 70 Prozent.

Diese Argumentation der Anbieter sei jedoch „nicht gerechtfertigt“, heißt es in der Studie im Auftrag der Grünen-Bundestagsfraktion. Tatsächlich bestehe für die Energiebranche „ein bislang nicht weitergegebenes, erhebliches Preissenkungspotenzial“. Hintergrund sei, dass für die Versorger die Einkaufskosten für Strom seit Herbst 2008 um 30 bis 40 Prozent gesunken seien. Auch hätten sich die Gewinnspannen der Unternehmen „erheblich“ erhöht und die Netzgebühren für den Stromtransport seien gesunken.

Die Strombranche könne 2010 sogar auf Rekorderträge hoffen, heißt es in der Studie des Energie-Sachverständigen Gunnar Harms, der gleichzeitig Vize-Chef des Bundes der Energieverbraucher ist. Insbesondere die vier größten Versorger Eon, RWE, Vattenfall und EnBW profitierten. Ihr gesamter Jahresgewinn dürfte den Angaben zufolge bei rund 30 Milliarden Euro liegen. „Nie zuvor habe sie einen höheren Gewinn eingefahren“, heißt es in der Untersuchung.

Hauptgrund für die ausgebliebenen Preissenkungen sei die „anhaltend dominierende marktbeherrschende Stellung der etablierten Stromwirtschaft“, erklärte Energiewissenschaftler Harms. Aber auch die Verbraucher müssten stärker als bisher zu günstigeren Anbietern wechseln, um den Wettbewerb in der Branche zu befeuern.

Die Grünen kritisierten die Preispolitik der Stromwirtschaft scharf. „Die Versorger erhöhen vielfach die Preise, um ihre Gewinne zu steigern“, erklärte Bärbel Höhn, Vizechefin der Grünen-Bundestagsfraktion. Letztlich liege es aber auch an den Verbrauchern, „die Preise zu vergleichen und zu wechseln“.

Die Energiewirtschaft bestätigte, dass der Stromeinkauf in den vergangenen Jahren günstiger wurde, verteidigte aber dennoch die Preiserhöhungen im neuen Jahr. Tatsächlich hätten sich für die Stromanbieter die Netzgebühren erhöht, erklärte der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW).

Hinzu komme die steigende EEG-Umlage. Auch könne nur ein Teil des Stroms langfristig eingekauft werden. Ein anderer Teil müsse kurzfristig beschafft werden, wenn besonders viel Energie verbraucht werde. All dies führe dazu, dass die Vorteile im Stromeinkauf „von einigen Unternehmen nicht mehr kompensiert werden“ könnten, erklärte der Verband. Deswegen seien Preiserhöhungen nötig.

afp