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Deutschland / Welt Verbraucher zahlen doppelten Strompreis
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt Verbraucher zahlen doppelten Strompreis
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15:01 09.10.2014
Die Strompreise für Privathaushalte haben sich seit 2000 fast verdoppelt.
Die Strompreise für Privathaushalte haben sich seit 2000 fast verdoppelt. Quelle: Jens Wolf/dpa
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Wiesbaden

Wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag mitteilte stieg der Strompreis für Privathaushalte von Januar 2000 bis August 2014 um 92 Prozent, obwohl die Erzeugung um nur 35 Prozent teurer wurde.

Die Haushalte profitieren überhaupt nicht von den seit Jahren sinkenden Großhandelspreisen: Stadtwerke und Energieversorgungsunternehmen zahlten im August 2014 rund vier Prozent weniger für Strom als im Januar 2000, wie die Statistiker aus Wiesbaden erklärten. Sie können Strom billig einkaufen und ihn teuer verkaufen. Weitere Preistreiber für private Stromkunden sind laut Statistik höhere Steuern und Abgaben.

Der Strompreis erreichte laut Statistischem Bundesamt seinen höchsten Stand im Juli 2008. Er lag damals über alle Abnehmergruppen hinweg um 61 Prozent über dem Wert vom Januar 2000. Gründe seien die starke Nachfrage von Finanzinvestoren auf den Rohstoffmärkten und Konflikte in Nahost gewesen, erklärten die Statistiker. Die Verbraucher litten damals aber nicht so stark: Sie mussten wegen langfristiger Verträge nur 41 Prozent mehr für Strom zahlen als Anfang 2000.

Dann jedoch wendete sich das Blatt: Mit Beginn der Finanz- und Wirtschaftskrise Ende 2008 fielen die Preise für Strom deutlich, wie das Statistikamt erläuterte. Zugleich nahm in Deutschland die Menge an Strom aus erneuerbaren Energien zu; das sorgte für niedrigere Preise an den Strombörsen.

Preissteigerung um 36 Prozent

Für Haushalte und kleine Gewerbebetriebe wurde der Strom aber dennoch teurer: nach Juli 2008 um 36 Prozent für Privathaushalte und um 38 Prozent für die Betriebe. Für große Industrieunternehmen stiegen die Preise hingegen nur um fünf Prozent. Für Stadtwerke und Versorger sank der Einkaufspreis dagegen um 46 Prozent.

Die Grünen-Abgeordnete Bärbel Höhn kritisierte, dass die Grundversorger die gesunkenen Einkaufspreise oft nicht an die Kunden weitergäben und sich Wettbewerber an diesen Preisen orientierten. Für den Kunden gebe es so „nur geringfügig billigere Angebote“ als beim Grundversorger. Die häufig zum Jahreswechsel angekündigten Preisänderungen seien nun die „nächste Nagelprobe für den Wettbewerb“, erklärte Höhn. „Eigentlich müsste der Strompreis zum Januar 2015 stärker sinken.“

So gut wie sicher ist, dass zum Jahreswechsel zumindest die Ökostrom-Umlage zur Förderung von Anlagen für erneuerbare Energien sinkt. Sie macht etwa ein Fünftel des Strompreises aus. Die Höhe der sogenannten EEG-Umlage für 2015 soll in der nächsten Woche bekannt gegeben werden. Die Umlage stieg seit ihrer Einführung im Jahr 2000 von 0,19 Cent je Kilowattstunde auf derzeit 6,24 Cent.

afp