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Deutschland / Welt Strompreise sinken nur für die Industrie
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt Strompreise sinken nur für die Industrie
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20:19 20.04.2009
Von Jens Heitmann
Quelle: Katja Lenz/ddp
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Der Branchenverband BDEW bestätigte dies am Montag. Verantwortlich für diese Diskrepanz seien die unterschiedlichen Beschaffungszeiträume der Versorger, sagte die Vorsitzende der Hauptgeschäftsführung, Hildegard Müller.

Ihren Angaben zufolge kaufen Stadtwerke und andere Endverteiler die Strommenge für ihre Privatkunden zwölf bis 24 Monate im Voraus ein. In diesem Zeitraum waren die Großhandelspreise auf ein Rekordniveau gestiegen: Im Sommer vergangenen Jahres kostete die Megawattstunde an der Strombörse 90 Euro – mit dem Einbruch der Konjunktur sackte der Preis auf rund 40 Euro, augenblicklich bewegt er sich um 55 Euro.

„Eine Trendwende bei den Haushaltsstrompreisen könnte es ab Anfang nächsten Jahres geben“, sagte Müller. Der BDEW begründete die unterschiedliche Abrechnungspraxis zwischen Groß- und Kleinabnehmern mit dem Schutz der privaten Verbraucher vor hohen Tarifausschlägen. Die Versorger versuchten „eine gewisse Glättung, um Spitzenpreise zu vermeiden“, erklärte Müller.

Die großen Kunden aus der Industrie profitieren von dem niedrigeren Preisniveau im Großhandel dagegen schon heute. Für diese Klientel, die für knapp die Hälfte des Stromverbrauchs in Deutschland steht, gelten deutlich kürzere Laufzeiten. Die Versorger kauften die benötigten Mengen „zeitnah zum Vertragsabschluss am Großhandelsmarkt ein“, erklärte Müller.

Ohne die vom Gesetzgeber auferlegten Abgaben und Steuern liegen die Strompreise für die Industrie heute unter dem Niveau vor zehn Jahren. Wegen der starken Zunahme von Kurzarbeit, verordneten Betriebsferien und Werksschließungen sei der Energieabsatz seit Jahresbeginn um 5 Prozent gesunken, teilte der BDEW mit. Den letzten vergleichbaren Rückgang habe es Anfang der neunziger Jahre nach dem Zusammenbruch der ostdeutschen Industrie gegeben. Der Verband rechnet auch auf Jahressicht mit einem Rückgang des Strom- und Gasabsatzes.

Gleichwohl peilt die Branche deutlich höhere Investitionen an als in den vergangenen beiden Jahren. 5,4 Milliarden Euro sollen in neue Kraftwerke fließen, 3,3 Milliarden Euro in Stromnetze und weitere 2 Milliarden Euro seien für Gaspipelines vorgesehen. „Das ist unser eigenes kleines Konjunkturprogramm“, sagte Müller. Im vergangenen Jahr hatte die Branche insgesamt knapp 11 Milliarden Euro investiert, im Jahr davor 7,5 Milliarden Euro. Bis 2018 seien 60 neue Kraftwerksanlagen geplant. 25 Projekte befänden sich bereits im Bau, teilte der Verband mit.